Geschichte

Jehovas Zeugen sind eine internationale Gemeinschaft von Christen. Unser Name stützt sich auf die Aussage Gottes im Bibelbuch Jesaja 43:10, wo es heißt: „’Ihr seid meine Zeugen‘, ist der Ausspruch Jehovas.“

„Jehova“ (oder „Jahwe“) ist der Eigenname Gottes, wie er über 7000-mal in der Bibel vorkommt. Er wird in vielen Übersetzungen mit „HERR“ wiedergegeben. Wir folgen in unserem Aufbau, unserer Lebensweise und unseren Zielen dem Muster der Christen des ersten Jahrhunderts. Sämtliche Lehren stützen sich auf die Bibel.

Der Beginn der Tätigkeit der Zeugen Jehovas in Österreich geht in das Jahr 1911 zurück, als Charles Taze Russell, der damals den Zeugen Jehovas (Bibelforschern) vorstand, zu einem Vortrag nach Wien kam. Einer Veranstaltung in Wien am 27. Oktober 1921 wohnten annähernd 2000 Personen bei. Von diesem Zeitpunkt an wurden in Wien laufend Vorträge gehalten, und ab Februar 1922 wurde diese Tätigkeit auf andere Städte im Bundesgebiet ausgedehnt. Das erste Büro der Religionsgemeinschaft wurde 1923 in Wien eingerichtet.
 
Ende Mai 1930 stimmte die Behörde der Eintragung eines Vereins zur Verbreitung der Bibel und bibelerklärender Literatur in Österreich zu, der jedoch schon zur Zeit des Ständestaats im Juli 1935 behördlich wieder aufgelöst wurde. Danach wurden öffentliche Versammlungen in ganz Österreich verboten, und man kam nur noch in kleineren Gruppen in Privatwohnungen zusammen.
 
 
Im Jahr 1938 gab es in Österreich 550 aktive Zeugen Jehovas. Während der Jahre 1938 bis 1945 kam es durch das Hitlerregime zu schweren Verfolgungen, vornehmlich wegen der Weigerung, den Hitlergruß zu leisten und an militärischen Aktivitäten teilzunehmen. Unter diesem menschenverachtenden Regime verlor in den Jahren nach 1938 ein Viertel der damaligen Zeugen Jehovas in Österreich durch Hinrichtung oder inhumane Behandlung in Gefängnissen und Konzentrationslagern das Leben.

Die Ergebnisse des wissenschaftlichen Forschungsprojekts zum Thema Opfer der NS-Militärgerichtsbarkeit, die im Parlament am 6. Juni 2003 präsentiert wurden, zeigen deutlich die Zivilcourage der damaligen Zeugen Jehovas: „Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Zeugen Jehovas auf dem Gebiet Österreichs zu jener Zeit mit nur etwa 550 Personen eine winzige Randgruppe darstellten, ist es auffallend, dass sie 89 Prozent aller offen bekennenden Wehrdienstverweigerer ausmachten. Für das Jahr 1939 konnten etwa keine Personen erhoben werden, die außerhalb dieser Glaubensgruppe den Wehrdienst verweigerten. Wenn die Kriegsdienstverweigerung im Nationalsozialismus untersucht wird, handelt es sich bei den Opfern überwiegend um Zeugen Jehovas.“ (Walter, Die Kriegsdienstverweigerer in den Mühlen der NS-Militärgerichtsbarkeit, in Manoschek, Opfer der NS-Militärjustiz, 123, Wien 2003) In Gedenkstätten unseres Landes wird an die Zivilcourage der Zeugen Jehovas während der NS-Zeit erinnert.  In den letzten Jahren kam es zu einer historischen Aufarbeitung (Übersicht) der Verurteilungen von Österreichern durch die nationalsozialistische Gerichtsbarkeit. Als Folge wurden viele Zeugen Jehovas rehabilitiert (Exemplarische Gerichtsbeschlüsse: Helene Delacher, Josef Dietz, Johann Jancic sen., Maria Jancic, Kreiner Andreas, Franz Mattischek).Univ.-Prof. Dr. Reinhard Moos würdigt die Bemühungen der Glaubensgemeinschaft, indem er festhält:

„Die Rehabilitierung von Zeugen Jehovas ist sowohl im Interesse der Hinterbliebenen zu begrüßen, die wissen sollen, dass ihre Angehörigen keine ehrlosen Verbrecher waren, als auch der Glaubensgemeinschaft, die sich darin bestärkt fühlen darf, dass ihre Idee der Nächstenliebe eine ungleich bessere war als die Ideologie des Nationalsozialismus, dem sie widerstanden haben, während unsere missbrauchten Soldaten dafür ihr Leben lassen mussten. Das liegt auch im Interesse des ganzen Landes, das wissen soll, was die Zeugen Jehovas für den Frieden und gegen Hitler getan und erlitten haben, und dass es höhere Rechtswerte gibt, als der Nationalsozialismus gelten ließ.“ (Moos, Recht und Gerechtigkeit in Kohlhofer (Hrsg.), Gewissensfreiheit und Militärdienst, 142f, Verlag Österreich, Wien 2000).
 
Gleich nach dem Krieg nahm die Religionsgemeinschaft die organisierte Tätigkeit wieder auf, wobei an diesem erneuten Aufbau vor allem jene einen aktiven Anteil hatten, die aus den Konzentrationslagern zurückkamen. Zur Unterstützung der religiösen Tätigkeit wurde 1947 die Wachtturm-Gesellschaft als Verein gesetzlich eingetragen.
 
Das Bekenntnisgemeinschaftengesetz von 1998 verfolgte unter anderem das Ziel, Glaubensgemeinschaften von Gruppierungen, von denen eine Gefährdung ausgehen könnte, abzugrenzen. Aufgrund der strengen gesetzlichen Kriterien für Bekenntnisgemeinschaften ist dieser Rechtsstatus eine Art „Gütesiegel“.

Seit 11. Juli 1998 waren Jehovas Zeugen in Österreich als „staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft“ anerkannt.
 
Seit 7. Mai 2009 sind Jehovas Zeugen in Österreich als Religionsgesellschaft anerkannt.
 
Jehovas Zeugen sind eine weltweite Gemeinschaft von Christen.

Aus Liebe zu Gott und zum Nächsten beurteilen wir unsere Mitmenschen nicht nach ihrer Nationalität, Rasse oder ihrem sozialen Stand. Deshalb sind auch die etwa sieben Millionen Glaubensangehörigen für die unter ihnen herrschende Liebe und Einheit bekannt. Entsprechend dem organisatorischen Vorbild des Urchristentums ist eine „leitende Körperschaft“ – erfahrene, bibelkundige Männer – verantwortlich für Glaubenslehre und organisatorische Belange. Die internationale Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ist in 236 Ländern und Territorien tätig. Für die Koordination der Tätigkeit in Österreich befindet sich ein Landesbüro (Bethel) in Wien.  Mit über 21 000 Glaubensangehörigen sind Jehovas Zeugen die fünftgrößte Religionsgemeinschaft in Österreich (vgl. Religionsgemeinschaften in Österreich). Jehovas Zeugen sind in allen Bundesländern durch ihren Predigtdienst von Haus zu Haus und auf den Straßen bekannt. Viele kennen auch ihre Versammlungsgebäude (Königreichssäle). Zu allen Zusammenkünften, die in den Königreichssälen stattfinden, ist die Öffentlichkeit herzlich willkommen. Auskünfte über Zusammenkunftszeiten werden gern unter der Telefonnummer 01 804 53 45 erteilt.An großen öffentlichen Veranstaltungsstätten, wie etwa im Ernst-Happel-Stadion in Wien, finden regelmäßig religiöse Kongresse statt.

Internationaler Kongress 1988
 
Das weltweite gottesdienstliche Werk der Zeugen Jehovas wird durch freiwillige Spenden finanziert. Die Mittel werden zur Unterstützung des biblischen Bildungswerks, zur Schaffung und zum Erhalt von Versammlungsgebäuden und zur Hilfe in Katastrophenfällen verwendet.