KatPat Anfänger

  • Hieß früher Kathleen
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  • Hallo,
    ich heiße Kathleen und bin 17 Jahre alt. Irgendwie fühle ich mich komisch hier zu schreiben, aber ich habe das Gefühl meine Gedanken loswerden zu müssen... Es belastet mich schon sehr lange und ich weiß nicht wie ich mit der folgenden Situation auch nur ansatzweise umgehen soll.
    Ich beginne einfach mal ganz am Anfang. Alles begann ca. im Sommer letzten Jahres, als wir (meine Eltern und ich) im Urlaub waren. Es war unser letzter Tag und meine Mutter hatte Bauchschmerzen, wir dachten aber sie hat einfach was Schlechtes gegessen oder so. Als wir wieder zu Hause waren, kamen diese Schmerzen immer wieder, aber meine Mutter hat jedes Mal eine andere Ausrede gesucht, damit sie nicht zum Arzt gehen muss. Irgendwann konnte ich sie dann endlich überzeugen. Als meine Mutter dann endlich bei einer Ärztin war, meinte die, dass ihr Bauch ganz hart sei. Sie meinte das könnte an Kotsteinen liegen, es könnte aber auch eine Zyste sein. Meine Mutter hat sich nichts weiter dabei gedacht und ging vom Harmlosesten. Bei einem weiteren Arztbesuch hieß es aber dann, dass es sich um eine Zyste handelt, die aber operativ entfernt werden muss. Meine Mutter war etwas niedergeschlagen, sie hatte Angst vor der OP, vor allem weil es hieß, dass diese Zyste sehr groß sei. Es wurden weiter Untersuchungen gemacht, wobei man dann herausgefunden hat, dass es sich doch um einen Tumor handelt. Die Ärzte waren aber zuversichtlich und glaubten, dass dieser gutartig sei. In der Nacht vor der großen OP konnte ich vor Aufregung kaum schlafen, weil ich so angst hatte, dass irgendwas schiefgeht. Schließlich war das nicht irgendein kleiner Eingriff, sondern eine 6 Stunden OP, bei der sie zusätzlich auch die Eierstöcke und ein Stück vom Darm entfernt haben, da dieser auch befallen war. Sie hat nun eine 25cm lange Narbe am Bauch, da dieser Tumor so groß war (ich glaub 10cm breit und 15cm hoch oder so). Ich war so glücklich, dass alles gut ging und ging davon aus, dass sich damit alles erledigt hat. Wochen vergingen und meine Mutter durfte endlich nach Hause. Das Ganze war aber noch nicht zu Ende, sie musste immer wieder zum Arzt für Untersuchungen, etc. Als meine Mutter dann eines Tages vom Arzt kam, meinte sie, dass ich mich setzten soll. Ich habe mir nichts dabei gedacht und hätte niemals damit gerechnet, was sie mir gesagt hat. Sie meinte, dass der Arzt meinte, dass die Untersuchungen ergaben, dass es sich um Krebs handelte. Ich habe zuerst irgendwie gar nicht realisiert, was sie mir gesagt hat. Ich war so perplex, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Erst gegen Abend hin wurde mir langsam bewusst, was das alles zu bedeuten hat und ich konnte nicht mehr aufhören zu heulen. Nichts desto trotz vergingen die nächsten Monate den Umständen entsprechend gut. Sie bekam die Chemotherapie. Es war nicht leicht mitanzusehen, wie sie unter den Nebenwirkungen litt. Ihren Geschmackssinn hat sie in der Zeit komplett verloren, auch der Besuch zu einem Friseur wegen einer Perücke viel ihr sichtlich schwer. Nichts desto trotz hat sie die paar Monate ganz gut überstanden und wir waren so froh, als es hieß der Tumormarker sei negativ. Aber ab da hat eigentlich alles erst begonnen (Die Geschichte geht noch sehr lange weiter). In den kommenden Wochen musste sie die Antikörpertherapie machen. Mit der Zeit begann sie über Nierenschmerzen zu klagen. Als sie zum Arzt ging, meinte dieser, dass er nichts sehen kann und sie nach Hause gehen soll. Aber das wurde mit der Zeit so schlimm, dass sie vor Schmerzen nicht mehr wusste, was sie machen sollte (ich war in der Woche mit der Schule auf Sportwoche und habe davon erst nachträglich erfahren). Als sie nochmal ins Krankenhaus fuhr, meinten die Ärzte, dass die eine Niere nur noch 17% leistungsfähig sei und sie fast an Nierenversagen hätte draufgehen könnten. Sie bekam dann eine Harnleiterschiene eingesetzt. Die tat ihr aber so weh, dass sie nach paar Wochen meinte, dass sie diese rausnehmen sollen. Innerhalb einer Stunde staute die Niere wieder und meine Mutter hatte solch unerträglichen Schmerzen, dass man ihr erneut eine Schiene setzten wollte. Sie hatten aber Probleme damit, sie einzusetzen und haben ihr dann so eine Kanüle hinten in die Nieren oder so befestigt, damit der Harn über diese ablaufen kann. Nach paar Tagen, begann aber auch die andere Niere zu stauen, gleiches Prozedere wie bei der anderen. Sie war totunglücklich mit diesen Sackerln und erkundigte, was sie machen könnte. Zuerst war eine OP geplant, da die aber im Endeffekt zu riskant war, bekam sie wieder die Schiene. Die waren meiner Mutter zwar unangenehm, aber immer noch besser als diesen Sackerln mit sich zu tragen. Nebenbei klagte meine Mutter aber auch immer wieder über Po-Schmerzen. Anscheinend musste sie während diesen Eingriffen, bei dem diese Harnleiterschiene gelegt wird, so eine komische Haltung einnehmen, dass irgendein Nerv beleidigt war. Sie bekam zwar schmerzstillende Medikamente, aber die haben ihr nicht geholfen (Vor allem durften die nicht besonders stark sein, weil sie aufpassen musste wegen den Nieren). Diese Schmerzen wurden immer unerträglicher für sie, sie konnte mit der Zeit weder liegen noch sitzen. Ein Arzt meinte dann, dass sie vielleicht was mit dem Ischias habe. Sie ging zu zahlreichen Ärzten, aber keiner konnte ihr so wirklich helfen. Im Endeffekt hat sich dann herausgestellt, dass sie einen Bandscheibenvorfall hatte, der einen Nerven eingezwickt hat. Aber viel mehr als Infiltrieren konnte man nicht machen. In diesem Zeitraum bekam sie auch sehr viele Medikamente verschrieben, die meine Mutter aber aufgrund der Nebenwirkungen nach kurzer Zeit wieder abgesetzt hatte. Ein Medikament war so schlimm (ich glaub es war irgendein starkes Opium oder so), dass, obwohl sie es nur einmal genommen hat, sie sich die nächsten drei Tage nur übergeben hat. Bei ihrem Zustand war das schon kritisch, da sie in der Zeit sehr viel abgenommen hat. Wir haben dann, zu Beginn noch gegen den Willen meiner Mutter, die Rettung gerufen. Dort bekam sie eine Infusion und wurde wieder nach Hause geschickt. Die Schmerzen aufgrund des Bandscheibenvorfalls wurden aber nicht wirklich besser. Sie nahm Medikamente, die die Schmerzen etwas linderten, aber die führte dazu, dass sie dann entweder gar nicht aufs Klo gehen konnte und sie Durchfall oder starke Blähungen hatte, bei der ihr Bauch ganz hart wurde, sie aber diese Gase nicht rauslassen konnte. Wenn man in der Nähe von ihr war, konnte man ihren Bauch auch immer ganz laut hören, was auch immer das für Geräusche waren (wie ein gurgeln und knurren, schwierig zu beschreiben). Alles was ich so weit geschrieben habe begann damals und zog sich etwa bis Mitte Oktober (oder so) dieses Jahres. Sie hatte in der Zeit sehr viele Krankenhausaufenthalte und wollte dort gar nicht mehr hin. Eines Tages ging mein Vater aber nochmals mit ihr ins Spital, da sie nicht aufs Klo konnte und so starke Schmerzen hatte. Sie wurde operiert und ihr ganzer Darm gespült. Wegen einigen Komplikationen hatte sie dann innerhalb kürzester Zeit mehrere OP’s. Während der einen OP meinte eine Ärztin, sie habe eine Probe von Pünktchen entnommen, die sie gefunden haben. Es hat sich herausgestellt, dass es Metastasen sind. Ich habe geglaubt ich hör nicht richtig. Mir ist die Welt unter den Füßen zusammengebrochen, ich habe einfach nur noch geheult. Die Ärztin wusste noch nicht genaueres, meinte aber, dass sobald es ihr besser geht, sie wieder eine Chemo machen könnte. Später hat sich herausgestellt, dass diese sich am ganzen Bauchfeld verbreitet haben und die Ärzte keine Möglichkeit haben irgendwas zu machen…
    Jetzt liegt meine Mutter auf der Palliativstation, d.h. sie schauen, dass sie keine Schmerzen hat, gehen aber nicht weiter gegen die Krankheit vor. Es macht mich fertig meine Mutter so zu sehen. In diesem ganzen Jahr gab es immer wieder ups & downs, aber jedes Mal, wenn man dachte, jetzt geht es endlich bergauf, kam irgendwas Neues. Es macht mich psychisch wirklich fertig. Das letzte Jahr war schrecklich, es war so schlimm meine Mutter so leiden zu sehen. Ich habe sie noch nie so weinen gesehen und habe mich gleichzeitig zu hilflos gefühlt. Auch meinen Vater belastet das klarerweise alles. Er tut alles für sie und versucht es mir so leicht wie möglich zu machen. Er ist aber selbst nur noch gestresst und schläft sehr schlecht. Ich kann und will mich nicht mit den Gedanken anfreunden, dass es irgendwann in absehbarer Zeit mit ihr zu Ende sein soll. Wir haben auch mit einer Psychologin gesprochen. Sie hat mir alles nochmal genau erklärt und meinte, dass die Situation meiner Mutter sehr kompliziert ist. Die Metastasen schnüren sich nämlich um den Darm, was die Schmerzen und meiner Mutter der letzten Monate erklärt. Sie meinte auch, dass es sehr schnell vorbei sein kann und Zeit jetzt das Wichtigste ist. Aber es fällt mir so schwer, manchmal ins Krankenhaus zu fahren. Meine Mutter so leiden zu sehen, zerreißt mich innerlich. Nach außen hin zeige ich das aber nicht, weil es mir sehr unangenehm ist. Wenn ich im Krankenhaus bin, weiß ich oft nicht mal, was ich sagen soll. Es fällt mir schwer, viele sagen, dass ich ihr alles sagen soll, was mir auf den Herzen liegt, aber irgendwie kann ich nicht über meinen Schatten springen. Es würde mir sehr unangenehm sein, so offen mit ihr darüber zu reden, obwohl ich weiß, dass ich das sollte. Sie liegt jetzt seit ca. 1 ½ Monaten im Krankenhaus, ihr nächstes Ziel ist es, dass sie sie soweit fit machen, dass sie Weihnachten vielleicht zu Hause verbringen kann. Sie ist aber sehr schwach, die kleinste Belastung ist sehr anstrengend für sie, sie hat auch innerhalb 3-4 Monate 20kg abgenommen. Momentan wird sie über eine Sonde ernährt und so wie es ausschaut, darf sie generell nichts mehr selbst zu sich nehmen, da der Darm das nicht mehr schafft. Ich weiß nicht mal ansatzweise, wie ich diese Situation durchstehen soll, ich bin so traurig, wenn ich meine Mutter sehe. Ich sehe einfach nicht mehr diese Lebenslust und Energie in ihren Augen. Ich sehe sie auch kaum lächeln, was ich natürlich nachvollziehen kann, aber es macht mich fertig sie so zu sehen. Manchmal schaut sie uns beim Reden gar nicht mal mehr an, sondern starrt nur ins Leere.
    Ich kann nicht mit den Gedanken leben, wie es sein soll, wenn es nicht mehr so ist wie früher. Ich kann mir ein Leben ohne meiner Mutter gar nicht vorstellen. Ich kann und will es nicht. An manchen Tagen überkommen mich plötzlich Momente tiefster Traurigkeit, bei denen ich einfach nur heulend dasitze und nicht weiterweiß.
    Ich habe ein paar Beiträge gelesen und gesehen, dass manche mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben/hatten und wollte vielleicht fragen, ob irgendwer Ratschläge hat, wie ich mit dem Ganzen umgehen soll.