Beiträge von Nicolas

    Nach Hause fahren, Eva, war für mich seit je her eine Freude. Besonders zu Weihnachten. Es waren die schönsten Tage im Jahr, als meine Eltern noch lebten. Die Familie fand sich ein und zelebrierte so viele Rituale, die warmherzig und innig mit Liebe gemeinsam gelebt wurden.

    Eltern sind nun nicht mehr.

    Wieder werde ich nach Hause fahren nächstes Wochenende, mich mit meiner Schwester treffen und versuchen ein paar Rituale, ein paar Momente wieder zu beleben. Voller Nostalgie aber ohne Nestwärme. Es wird traurig und schön werden.

    Die Erkenntnis, dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war, wird frustrierend werden. Verzweifelt auf der Suche nach der Vergangenheit. Die Spuren sind zu Hause noch überall, aber ohne Leben, ohne Zukunft.

    Nach Hause fahren gibt es nicht mehr.

    Unfassbar schwer zu verkraften.

    Hallo Kaetniss

    Das werden schwere Zeiten für Euch. Bis das Unausweichliche eintreten wird und die Verarbeitung danach.

    Im August bekam meine Mutter die Prognose von nur wenigen Tagen bis maximal wenigen Wochen. Es waren dann nur noch 7 Tage. Unvergessliche Tage. Es hätte viel schlimmer, weil elender, enden können. Dennoch waren wir alle völlig überfordert.

    Im Rückblick gibt es einiges, das besser anders abgelaufen wäre bzw das man anders hätte machen/sagen sollen.

    Eines bereue ich und würde ich mir jetzt nach ihrem Tod wünschen: ihre Stimme hören. Ich habe verpasst, zeitlebens von meiner Mutter Tonaufnahmen zu machen. Bilder habe ich viele. Aber noch einmal hören, wie sie gesprochen hat. Kann ich unwiederbringlich nie wieder.

    Wenn Du das nachvollziehen kannst, sorge doch noch dafür, dass Du sie immer hören kannst, wenn Du das Bedürfnis hast.

    Viel Kraft und hoffentlich ein würdevolles Begleiten des Unausweichlichen.

    Hallo Dieter

    Schön wieder etwas von Dir zu lesen. Ich hoffe für Dich, dass Du Deinen Umzug gut geschafft hast. In jeder Hinsicht ein Neuanfang zum Ende des Jahres.

    Wie immer bleibt nur Dir viel Kraft zu wünschen.

    LG

    Ob die Mama von oben zuschaut ist fraglich. Wer weiß das schon. Und selbst wenn, ist mein Leben ohne ihr auf Erden viel ärmer. Sie wüsste das und wäre darüber unglücklich. Ihre größte Sorge war immer, dass es ihrem Mann oder ihren Kindern schlecht geht. Den Kindern geht es jetzt nicht gut und sie ist der Grund. Das würde ihr das Herz brechen. Müßig.

    Ich habe auch keinen Zugang zu den religiösen Vorstellungen, dass es einen Gott gibt und ein Leben nach dem Tod. Mag sein, mir fehlt der Glaube. Ich glaube eher, dass ein Leben nach dem Tod genauso ist wie ein Leben vor der Geburt. Da war nichts. Nichts an was ich mich jedenfalls erinnere.

    Das Leben meiner Mutter nach ihrem Tod spielt sich auf jeden Fall täglich bei mir ab. Überall ist sie gegenwärtig. Besonders in ihrem Haus, wie es ihr, Sanja und Antje, auch beschreibt. Dort ist fast alles noch so, wie sie es zuletzt verlassen hatte. Mit mir am Arm stützend. Damals war ich darüber nicht unglücklich, hoffte ich doch, dass der bevorstehende Krankenhausaufenthalt sie wieder genesen lässt. Keiner, sie auch nicht, hatte geahnt, dass ich sie zum allerletzten mal aus ihrem Haus führe.

    Jetzt ist dort ein Zustand, in den sie sofort wieder einziehen könnte. Ihre Medikamente, ihre Handtasche, ihre Kleidung, ihre Schuhe, ihr Notizbuch....alles an Ort und Stelle wie immer. Wie seit meiner Geburt. Jetzt muss ich das Kapitel schliessen. Ihr Kapitel, ihre Geschichten, ihr Buch soll ich nun beenden. Noch habe ich kein Happy End gefunden, bei dem ich erfüllt ihr Buch in meinem Leben enden lassen kann.

    Schon gar nicht in der Weihnachtszeit, die immer zauberhaft war.

    Liebe Sanja, wenn Du es wünscht, kannst Du mich gerne auch über meine Email Adresse kontaktieren, die Dir wohl zugänglich ist, wenn Du Dich anmeldest.

    Hoffentlich war es nicht wieder ein übler Tag für Dich.

    Liebe Grüße, vielleicht auch von oben.

    Danke Sanja für Deine warmen Worte. Tun gut und spenden Herzenswärme.

    Wärme.

    Das ist in der aktuellen Verfassung so ein bedeutender Begriff. Sie fehlt an entscheidender Stelle. Meine Schwester, die ebenfalls ein sehr liebevolles Verhältnis zu unserer Mutter pflegte, spricht immer treffend von der Nestwärme, die uns beiden nun fehlt. Dieser Begriff beschreibt am Besten das hohle Gefühl, das mich stets umgibt, seit ich keine Eltern mehr habe. Fehlende Nestwärme.

    Wenn ich mich im Elternhaus aufhalte, das nun mir gehört, aber nicht mein Wohnhaus ist, spüre ich deutlich, dass jegliche Wärme und wohlfühlende Behaglichkeit verloren ist. Leere. Heimat ohne Wärme. So viele liebgewonnene Lebensinhalte, die mit dem Tod der Eltern gestorben sind. Selbst ein Stück Heimat.

    Es freut mich, wenn Du Deine Empfindungen mit mir teilen kannst und Dich wieder in meinen findest. Du hast recht, dass gemeinsames Leid verbindet. Das hilft in der schweren Zeit. Mögen meine Gedanken auch vernünftig klingen und sich gefestigt anhören, ich bin es mitnichten. Wie bereits erwähnt hat mich der Tod von Mami jäh aus meiner stabilen Gefühlslage gerissen. Auf der Suche nach Wärme und Stütze bin ich auf dieses Forum gestoßen. Austausch und Antworten wie Deine können helfen und spenden Licht im Dunkeln. Licht und Wärme.

    Lieben Dank dafür!

    Liebe Sanja!

    Das ist völlig normal. Die Trauer hat so viele Phasen und Facetten. Bei jedem individuell vorhanden und ausgeprägt. Schock, Verzweiflung, Depressionen, Angstzustände, Wut, etc . Die Liste lässt sich ewig fortsetzen. Ich habe den Tod meines Vaters vor 5 Jahren durchleben müssen und nun den meiner Mutter. Zu beiden war mein Verhältnis bestens, herzlich und innig. So litt ich bei meinem Papi sehr und doch anders als jetzt. Bei beiden aber wandelte sich der Schmerz stetig, wenn auch langsam. Den Verlust von meinem Vater habe ich in den Jahren ganz gut verkraftet, auch wenn ich ihn immer noch sehr vermisse. Ich habe ihn so geliebt.

    Im Rückblick gibt mir diese Trauerarbeit mit ihm Mut, dass ich irgendwann auch den Schmerz über Mamis Tod bewältigen kann. Ihr Tod hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Das kannte ich noch nicht von mir. Depressive Momente wurden plötzlich so beängstigend. Zum Glück vergingen sie auch wieder und sie werden weniger. Dennoch bin ich lange noch nicht stabil. Aber ich spüre Veränderungen in der Trauer. Mal geht's mir nicht schlecht, mal unerträglich. Normal, Sanja. Die Veränderungen in meinem/ unserem Leben ohne Mutter sind so gravierend, dass es natürlich Ängste und Verzweiflung hervorruft. Schließlich werden nun Automatismen durchbrochen, die wir unsere ganzes (!) Leben gewohnt waren. Ein Leben ohne Mutter kannten wir nicht, war wohl auch immer eine Urangst, das dies einmal eintreten könnte.

    Unfassbar, dass es jetzt soweit ist. Unfassbar und doch so normal. Die Eltern gehen irgendwann und unser Leben geht weiter. Dieser Lernprozess tut so weh und wir werden es schaffen müssen. Unsere Eltern haben den Verlust ihrer Eltern auch im Normalfall verkraften müssen. Und sie würden sich jetzt wünschen, dass wir es auch meistern.

    Bleib geduldig, Sanja. Mal tut es eben nur weh und manchmal eben mehr.

    Ich denke an Dich! Liebe Grüße

    Liebe Sanja,

    Vieles von dem was Du schreibst, habe ich auch so erlebt bzw empfinde ich aktuell vergleichbar.

    Meine Mutter war ebenfalls die einzige Person, die mich völlig verstanden hat, die mich so akzeptiert hat, wie ich bin, die exakt die gleiche Wellenlänge hatte. Es bedurfte nicht vieler Worte, um unsere Gedanken auszutauschen. Jeder wusste, was der andere dachte. Wir waren uns in den Einstellungen zum Leben so einig. Ich war für sie, seit dem Tod meines Vaters, der wichtigste Mensch und das machte sie oft deutlich. Trotz meiner Familie mit zwei lieben Kindern war sie immer für mich der Anker.

    Wie Du schreibst, bedingungslose Liebe! Egal was ich angestellt hätte, sie hätte mich immer gleich geliebt. Ein wunderbares Gefühl, so jemanden zu haben. Jetzt ist es weg, aber Dankbarkeit muss gesehen werden, diese Mutter gehabt zu haben. Das haben nicht alle, vielleicht nur wenige. Diese Erkenntnis hilft nur wenig über den Schmerz, aber ist doch so entscheidend. Hätten wir nicht diese enge Bindung gehabt, ginge es uns jetzt evtl besser in der Trauer, aber sicher nicht auf die lange Sicht unseres Lebens.

    Meine Frau äusserte sich auch sehr unsensibel und verletzend in der Zeit, als meine Mutter im Sterben lag. Sie war genervt, da ihr Alltag durch meine Situation litt. Beide Eltern von ihr leben noch. Das erklärt, wie jemand in dieser Situation so wenig einfühlsam reagieren konnte. Ich muss es ihr nachsehen.

    Laienpsychologisch will ich Dir raten, heule so oft Du willst und wenn Dir danach ist. Gib Dir die Zeit zu Trauern mit aller Geduld. Lass Dich nicht von außen unter Druck setzen und Knöpfe suchen, die es bei Dir nicht zu Drücken gibt. Irgendwann wandelt sich die Trauer und der Schmerz. Irgendwann, nicht heute oder morgen.

    Fühle Dich von mir gedrückt. Es geht so vielen wie uns. Wir haben eben geliebt.

    Abhauen ist nur bedingt hilfreich. So wie wir Verständnis für unsere Trauer erwünschen, so sollten wir auch Verständnis für die unbeteiligte Umgebung haben. Wer das, was wir gerade durchleben, noch nie erfahren hat, kann auch kaum unser Seelenleben nachvollziehen. Ich ertappe mich dabei auch, dass ich anderen unterstelle, sie meinen, ich sollte mal langsam wieder aufhören zu trauern. Dabei hat das so noch nie einer geäußert oder erkennen lassen. Natürlich will ich die anderen nicht mit meinem Trübsinn belasten, aber das ist meine Einschätzung. So wie ich mit meiner Situation überfordert bin, sind es andere mit dem Umgang mit mir. Wie gesagt, nur Leidensgenossen können wirklich mitfühlen und empfinden.

    Und wohl auch nur diejenigen, deren Trauer nicht zu lange zurück liegt. Die Zeit hat ihre Wirkung auf den Schmerz. Man lernt damit zu leben. Gewöhnung trifft es nicht ganz, verharmlost dieser Begriff doch zu sehr den Verlust eines unverzichtbaren Menschen.

    Aber so etwas ähnliches empfinde ich. Ich will nicht davon laufen, ich will lernen unbeschwert wieder leben zu können.

    Liebe Eva

    Zwei Dinge, die Dir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Verständlich, aber irrational. Mir geht es ähnlich, obgleich ich weiß, es ist nicht mehr wichtig. Die letzten Tage mit meiner Mutter fühlen sich so bedeutungsvoll an und sind doch im Vergleich zu einem ganzen Leben voller Liebe so nichtig. Wir sind ja nicht Schuld an dem Tod unserer Mütter. Der Tod musste nun wohl sein und auch für uns Kinder war es das erste Mal, dass unsere Mutter im Sterben lag. Das nächste Mal würde ich auch manches anders machen. Dazu wird es nicht kommen. Was bleibt ist ein reiches Leben mit der Mutter, das in den allerletzten Momenten nicht gewollt abgelaufen ist. Ist es auch der letzte Eindruck, ist und darf er nicht der wichtigste sein. Dafür war unser gemeinsames Leben viel zu wertvoll.

    Rational für mich völlig einleuchtend, irrational trübt leider noch.

    Ich liebte meine Mutter über alles. Bis in den Tod und weiter. Das bleibt.

    Mal erträglich, mal unerträglich.

    Erträglich im Alltag, weil die Gewöhnung greift. Oberflächlich gelebt wimmert zwar ein dauerhafter Schmerz, der zu ertragen ist, weil mir bewusst ist, dass der Schmerz auch viel heftiger sein kann. Schwer zu sagen, wie oft ich ihn bewusst wahr nehme. Verdrängen und gewöhnen.

    Doch hin und wieder kommt die Trauer unerträglich. Momente, Situationen, Begegnungen, Lieder, etc, die die Erinnerung wecken und das Unfassbare wieder ins Bewusstsein rufen. Das quält unglaublich. Nie wieder....

    Weihnachten kann da richtig schlimm werden. Aus dieser Befürchtung heraus aber evtl gar nicht so. Ich werde mit meiner Schwester die gepflegten Rituale bewusst weiter begehen, in der Hoffnung, die Zeit etwas zurück drehen zu können.

    Weiter leben und weiter verarbeiten. Täglich aufs neue.

    Hallo Caro

    Mein herzlichstes Beileid zu Deinem Verlust. Uns verbindet hier der unfassbare Schmerz mit dem Tod eines geliebten Menschen zu recht zu kommen. Dein Schock ist sicher noch nicht abgeklungen, da der Tod Deiner Mutter wohl völlig unvermittelt eintraf. Viel zu früh, ohne Abschied, die Frage nach dem Warum und ein Nie wieder sind einige dieser immer wiederkehrenden Gedanken, mit denen man sich auseinander setzen muss. Ganz abgesehen von den Abläufen um die Abwicklung des Begräbnisses und den behördlichen Angelegenheiten, die gemacht werden müssen und Kraft kosten.

    Letzteres wirst Du sicher schaffen, man funktioniert. Den Schock, die Trauer und den Schmerz bewältigen zu können ist eine Herausforderung. Die Familie kann mit dem gemeinsamen Leid zusammen wachsen. Stützt Euch gegenseitig, jeder auf seine Art und nach seinen Möglichkeiten. Füreinander Dasein, zuhören, aussprechen. Hoffentlich gelingt Euch das.

    Mein Verlust liegt fast drei Monate zurück und die Bindung zur restlichen Familie hat zugenommen und mir sehr geholfen. Viele werden Dir Kraft wünschen in dieser unfassbaren und schweren Zeit. Die Kraft könnt Ihr Euch selbst geben. Ich wünsche es Dir und Deiner Familie.

    Liebe Grüße Nicolas

    Hallo Dagmar

    Mein aufrichtiges Beileid. Magst Du vielleicht mehr von Deinem schweren Verlust erzählen? Wie ist es passiert? Krankheit oder Unfall oder ..? Wie war und ist Deine Gefühlslage? Manchmal hilft es, darüber zu sprechen bzw schreiben. Mir hat es und tut es noch gut, über den plötzlichen Tod im August meiner Mutter zu reden. Das Schreiben befreit ein wenig. In diesem Forum zumindest bist Du nicht allein.

    Lieber Indianer!

    Ich muss Dir Recht geben, dass das Gefühl des Selbstmitleids sich natürlich nicht verallgemeinern lässt. Hier zeigt sich doch ein wesentlicher Unterschied in der Trauer. So wie bei Dir den Ehepartner zu verlieren, bedeutet ja u.U. die "besser Hälfte" zu verlieren, also ein Teil von sich. Die gemeinsame Lebensplanung ist zerstört. Bis man sich damit auseinander gesetzt hat, dauert. Wenn man es überhaupt schafft und neue Entwürfe annehmen kann.

    In dieser Hinsicht ist der Abschied von der Mutter, sei sie noch wertvoll gewesen, anders. Aus ihrer Sicht hatte meine Mutter ein langes, erfülltes Leben und ihr Gehen war mit 87Jahren irgendwann unwiederbringlich absehbar. Leider doch überraschend und damit zu früh, zumindest für mich. Auch wenn es der Normalfall ist, dass man Eltern loslassen muss, ich trage sehr schwer damit. Ja, ich muss zugeben, bei mir ist es viel Selbstmitleid. Meine Zukunft ist ärmer. So zahlreiche Begebenheiten, Rituale und die Liebe zu einem Menschen, die nun nicht mehr gelebt werden können.

    Sei dankbar für die Zeit. Dieser Trost ist mir auch oft entgegnet worden. Natürlich. Ich bin dankbar. Aber untröstlich. Von der schönen Zeit loszulassen, fällt so schwer. An dieser Stelle treffen wir uns wieder, Indianer. Loslassen können ist eine Kunst. Ich beherrsche sie unzureichend. Noch. Ich arbeite daran, aber bin untalentiert. Neues Leben annehmen und das vergangene im Herzen weiter tragen. So würde ich mir und vielleicht Dir es wünschen.

    Hallo Indianer

    Der Verlust des Ehepartners, der eigenen Kinder, der Eltern oder eines wichtigen Freundes lässt die Trauernden wohl vergleichbar im Schmerz zurück. Wenn man durch dieses Forum sich liest, egal um welche Beziehung es sich handelte, sind die Äußerungen vielfach ähnlich. Genau so wie Du Deine Gedanken beschreibst, fühle ich diese auch, obwohl es sich bei mir um den Tod meiner zwar betagten, aber plötzlich verstorbenen Mutter dreht.

    Keine Freude mehr, die Tage so dahin lebend, das NIE wieder immer vor Augen haben. Ich weiß auch, dass es überwiegend Selbstmitleid ist, aber Vorwürfe darf man sich deshalb nicht machen. So lange wie bei Dir liegt mein Verlust nicht zurück. Es sind erst zwei Monate. Aber dennoch fürchte ich, dass das Leben nie wieder so unbeschwert zurückkehrt. Trotz Familie, trotz Kinder, es war für mich die bis dato wichtigste Person in meinem Leben, die nun fehlt. Ich wünsche Dir zunehmende Momente, in denen Du das Leben wieder genießen kannst, selbst mit Schmerz, der wohl nie vergeht.

    Hallo Nina

    Es geht sicher auch anderen Menschen so, die sich Vorwürfe machen, weil in den letzten Tagen eines geliebten Menschen etwas nicht so gelaufen ist, wie man es im Nachhinein sich nun wünscht.

    Hätte ich doch...

    Den Sterbeprozess meiner Mutter vor zwei Monaten hätte ich ebenfalls im Nachhinein anders begleiten wollen. Sie hatte oder wollte nicht realisieren, wie unheilbar und endgültig ihre Krankheit war, während alleAngehörigen wussten, dass sie nur noch wenige Tage hatte. Und so starb sie schließlich, zwar in meinen Armen, aber im Glauben wieder zu gesunden. Dies verhinderte eine bewusste Verabschiedung. Was blieb sind Vorwürfe. Hätte ich es ihr nicht klar machen müssen? Hätte..

    Jetzt ist sie weg. Nur noch Asche. Ich habe keinen Glauben, dass sie mich, in welcher Form auch immer, noch weiterhin begleitet. Vorwürfe machen damit keinen Sinn mehr. Nur sie könnte mir das Verhalten vorwerfen. Mir selbst nun das Leben noch schwerer zu machen und mich damit zu quälen, hätte ich doch.., bringt niemandem mehr etwas.

    Wenn Du zeitlebens ein gutes Verhältnis zu dem Verstorbenen gelebt hast, ist das entscheidend. Nicht die letzten Tage. Zeitlebens!

    Diese Erkenntnis hilft mir, die verbliebenen Vorwürfe nicht mehr wichtig zu nehmen.

    Ich wünsche Dir auch Brücken, die Dich wieder ins Leben zurückfinden lassen. Hoffentlich finde ich selbst noch weitere.

    Liebe @II@,

    Leere, Gefühl nie wieder glücklich zu werden, nicht wissen wie es weitergeht, das kenne ich und wohl viele, die auch wichtige Menschen verloren haben. Bei mir war es im August ebenfalls meine Mutter, zu der ich eine sehr innige und unersetzliche Beziehung hatte. Heute, mit wenigen Wochen Abstand, gibt es wieder Momente, in denen die Leere zurücktritt. Der Schmerz nicht, aber die Hoffnung kommt wieder, im Leben glücklich zu werden. Depressive Momente werden seltener. Ich habe beschlossen mir Zeit zu geben. Zeit zur Trauer, Zeit ohne Freude, Zeit ins Leben zurück zu finden. Vielleicht hilft Dir das auch, nicht zu verzweifeln, wenn man darauf vertraut, dass die Zeit Wunden heilt bzw dass man mit der neuen Situation lernen wird, umzugehen.

    Ich wünsche es Dir und mir.

    Ich schalte mich mal mit ein, da ich mich in Euren Trauergedanken wiederfinde.

    Meine Mutter verstarb Mitte August völlig überraschend nach kurzer, schwerster Krankheit. Sie war 87 aber bis August noch fit und scheinbar gesund. Das Verhältnis zwischen uns war sehr innig und warmherzig. Mein Vater musste schon vor 5 Jahren gehen. Sein Verlust war ebenfalls sehr schwer, aber wir stützten uns gegenseitig. Jetzt ist es heftiger. Nach einer Woche war die Trauerfeier mit Sarg, am 7. September die Urnenbeisetzung. Nur noch Staub. Keine Wärme, keine Anrufe, kein Kontakt...für immer. Nur noch Bilder, Erinnerungen. Das ist brutal. So brutal, dass eine Depression nicht weit ist. Mir hilft es derzeit, darüber zu reden, Trauer zulassen, aber auch sich nicht permanent dieser Brutalität aussetzen. Soll heißen, nicht unaufhörlich sich dem Selbstmitleid hingeben und runter ziehen. Auch mal Verdrängen und Momente der Ablenkung und Freude zulassen. Das gelingt nicht oft, aber doch zunehmend und tut mir gut. Sich Zeit geben für die Verarbeitung. Mal mit Tränen, mal mit tiefem Schmerz und mal mit Ablenkung. Ich hoffe, ich bin auf dem richtigen Weg.

    Lieber Joachim

    Ich bin neu im Forum, habe meine Mutter ebenfalls gerade verloren und kämpfe gegen Schwermut. Dann las ich Deine Zeilen und erkannte auch meine Situation darin wieder.

    Nur kurz: Meine Mutter war mit 87 geistig sehr und körperlich noch relativ fit. Sie bekam im August nach einer Lungenentzündung die Diagnose akute Leukämie mit der Aussicht, nur noch wenige Tage zu leben. Als die Antibiotika für die Lungenentzündung nach weiteren 4 Tagen ausliefen, war klar, jetzt kann es sehr schnell gehen. Die Entscheidung gegen weitere Antibiotika war unumgänglich, hätte ein Sichtum zur Folge gehabt. Dennoch hat meine Mutter die Situation nicht realisiert und mitentscheiden wollen. Sie gab mir voller Vertrauen alles in die Hände. Nach einem Tag nur kam Wasser in die Lunge und sie tat sich mir der Atmung schwer. Abends schließlich bat ich die Schwester um eine beruhigende Spritze, sprich Morphium. Meine Mutter, geistig noch voll da, schaute mich mit großen Augen vertrauensvoll an, während sie die Spritze erhielt. Wir wünschten uns eine gute Nacht, ich wartete bis sie einschlief.

    Sie wachte nicht mehr auf und starb in meinem Beisein am nächsten Morgen.

    Die Entscheidung über ihr Leben hat sie mir überlassen. Ich habe sie einschläfern lassen, diese Interpretation geht mir nicht aus dem Kopf. Ihr Urvertrauen missbraucht? Leider konnte ich mit ihr den nahenden Tod nicht besprechen, sie verdrängte oder überriss die Situation nicht. Ich ließ ihr ihre Hoffnung auf Genesung.

    Wie Du vielleicht merkst, Joachim, ähnliche Gefühle, die mich quälen.

    Mir tut es gut darüber zu reden/schreiben und zu lesen, wie andere denken.