Wie geht man mit den ganzen warum fragen um?

  • Ein nettes Hallo in die Runde.


    Ich habe vor 12 nun fast 13 Wochen meinen engsten und besten Freund Tod aufgefunden. Wir waren irgendwie mehr als nur Freunde und wollten es nie offen zugeben, weil uns die Freundschaft mehr bedeutet hat als eine Beziehung. Er zog vor 4 Jahren bei uns ins Haus ein und es passte sofort wie arsch auf Eimer. Ist ist mit der Zeit für meine Kinder zum Papa geworden, haben quasi jeden Abend zusammen verbracht. Geburtstage Weihnachten und selbst letztes Silvester zusammen verbracht. Waren immer für den anderen da, egal um was es ging. Es gab kein tabu Thema, bis auf eines.

    Es ging ihm die letzten Monate immer schlechter, er hat rapide abgenommen, konnte nicht mehr ordentlich laufen und hatte noch so andere Symptome. Ich hab so gekämpft, dass er zum Arzt geht, aber er war so stolz. Sein Körper packt das alleine. Sein Körper war grandios, er hat vieles so einfach weggesteckt, aber nicht dieses Mal. Wir haben uns die letzten Wochen so gestritten, weil meine Angst immer größer wurde und er in schwachen Momenten neben mir saß, wir beide weinten, weil ich ihm gesagt habe, was er doch alles noch im Leben vor sich hat, was er mit meinen Kindern erleben wollte und dass er endlich zum Arzt soll. Er hatte es in dem Moment selbst so gesehen und am nächsten Tag war der Gedanke wieder weg. Ich war sauer und enttäuscht und diese verdammte Angst. Es hat mich kaputt gemacht. Bis ich dann noch erfuhr, dass er gar nicht mehr arbeitet. Ich wollte es erklärt haben, konnte mir natürlich denken, warum es so ist, aber er sollte mit mir reden. Ich habe mich zurück gezogen, da ich hoffte, er lernt so, daß er kämpfen muss. Aber er war zu stark. Dann auf einem Dienstag, hatten wir zusammen Schicht (sein nebenjob, den er nur noch als Einnahmequelle hatte), zum Schluss verabschiedete er sich super süß, doch ich hab nicht reagiert. Es war sein letztes Tschüß. Am Samstag sollten wir uns wieder auf Arbeit sehen, doch er kam nicht. Ich habe dann gesagt, ich muss heim, da stimmt was nicht. Eine halbe Stunde habe ich versucht, das er die tür auf macht. Sein Schlüssel steckte in der Tür, somit kam ich mit meinem Schlüssel nicht in die Wohnung. Ich habe seinen besten Freund informiert, dass etwas nicht stimmt, er kam dann auch. Fast zeitgleich mit der Feuerwehr die ich rief. Sie kamen über die Drehleiter in die Wohnung, machten die Tür auf und gingen alle mann in die Wohnung. Ich hab erwartet, daß er schreit, das er sie raus schmeißt, aber es blieb ruhig. Die einsatzkräfte kamen ruhig raus und ich fragt, was ist nun los, sie blieben einfach nur stehen. Ja, da kam der Satz der Sätze. Es täte ihnen leid. Ich konnte es nicht glauben, meine Nase (unser Spitzname), der stärkste Mann den ich kenne soll Tod sein. Mit seinen 28 Jahren, der nie offensichtlich krank war, der nie groß jammerte. Nein, das konnte nicht sein. Laut seinem besten Freund habe ich dann die notärzte und Feuerwehrmänner umgelaufen und bin rein. Da lag er. Der Mann den ich doch liebte, mein bester und engster Freund. Ich wurde schreiend raus getragen.

    Wie, wie kann es sein, dass so ein Mann einfach stirbt?

    Womit hat man so einen Verlust verdient?

    Wie kann man überhaupt nochmal glücklich werden?

    Wie kann man sich verzeihen, dass man ihm beim letzten Mal sehen nicht ordentlich Tschüß gesagt hat?

    Wie soll man diesen wundervollen Menschen beerdigen können ohne zu wissen warum er gestorben ist?

    5 Wochen dauerte es, bis der Befund der Obduktion kam. 5 Wochen nicht wissen was los war. Und dann.. Dann kam der Brief..

    Diabetes? Warum kann man daran sterben?

    Warum war er nie beim Arzt?

    Warum hat er den test nicht gemacht, den ich ihm vor einem Jahr gekauft habe?

    Warum hatte er mir da gesagt, er hätte kein Zucker, obwohl er den test nie gemacht hat?

    Warum hat er mir in den ganzen Jahren gesagt, er wird eh keine 30 Jahre?

    Warum hat er mir gesagt, seine mum hätte Krebs, aber sie stand gesund vor mir?

    Warum sagte er mir Ende des Jahres, sie hätte nur noch ein halbes Jahr zu leben bekommen?

    Warum hat er mich in der Zeit so mit leiden lassen?

    Warum war er nie beim Arzt?

    Er hat in seinem leben alle auf Distanz gehalten, eine Hälfte wusste dies, die andere das. Nie kamen wir alle mal zusammen.

    Warum hat er keine Kraft zu kämpfen gehabt, wenn er doch so sehr das Leben geliebt hat?

    Warum hat er sich so aufgegeben, obwohl es doch Gründe zu leben gab?

    Warum hat er mir immer und immer wieder gesagt, ich sei mit seiner mum die wichtigste Person in seinem leben und uns würde er 100%ig vertrauen, dabei hat er nicht mal in der schlimmsten zeit um hilfe gebeten.

    Ich weiß nicht wie ich ohne ihn leben soll, ich weiß nicht, wie das Herz diese riesen Lücke schließen soll.

    Seit 10 Wochen bin ich jeden Abend, egal wie hart und lang mein Tag war, bei ihm am Grab. Wir haben uns bis auf die letzten Wochen jeden Abend gesehen, den ganzen Tag geschrieben und zich mal am Tag telefoniert. Wir haben zusammen auf der Couch gesessen, sind kuschelnd zusammen eingeschlafen, oder haben uns im Aufgang nach dem Stunden langen quatschen, herum albern gute Nacht gesagt. Wie soll das leben ohne meiner Nase weiter gehen?

    Warum hab ich nicht einmal in meinem Leben glück verdient?

    Dieser Mann hat mir in den 4 Jahren so viel gegeben. Ich war vor seinem Einzug "nur" Mama. Ich habe diesen Part geliebt. Aber er hat mir gezeigt, wie toll es sein kann, auch mal Frau zu sein. Er hat mir gezeigt, wie schön das leben außerhalb der Wohnung sein kann. Wie gut es tut, einen Menschen an seiner Seite zu haben, mit dem man über alles reden kann. Der da ist, wenn es darauf an kommt, der einem Mut macht auch andere Wege zu gehen. Nur durch seinem Zuspruch habe ich mir getraut arbeiten zu gehen, denn er war in der Zeit für meine Kinder da. Sie lieben ihn. Egal wie anstrengend meine Kinder waren, er hat sie so genommen wie sie waren und jetzt nach seinem Tod erfahre ich, wie sehr er immer bei seiner mum von uns geschwärmt hat. Sie hat gemerkt, da ist mehr als nur Freundschaft. Aber warum zum Teufel stirbt er ohne zum Arzt zu gehen. Ich hab gesehen, er hat versucht zu zu nehmen, aber das war der falsche Anfang. Denn dadurch ist er zum Schluss gestorben.

    Wie kann man mit allen offenen Fragen umgehen?

    Wie schafft man es weiter zu leben, obwohl man am liebsten da oben bei ihm wär?

    Wie darf man leben, wenn er es doch nicht mehr kann und wie soll das gehen, wenn man Angst vor der Zukunft hat?

    Es sind noch soooo verdammt viele Jahre ohne ihn. Dabei wollten wir alt und weiter so bekloppt sein. Wir waren zusammen so verrückt. Denn ernst war das leben schon alleine genug, also warum nicht einfach das beste daraus machen. Aber wie ohne ihn?



    Es tut mir total leid, dass das jetzt sooo viel Text geworden ist :(

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