Umgang mit der Trauer - mit wem könnt ihr darüber reden?

  • Guten Abend,


    ein Todesfall in einer mir sehr verbundenen und vertrauten Familie heute hat mich wieder dicht an meine Trauer um meine Familie und mein Alleinsein gebracht und ich frage mich, wie ich das längerfristig gut für mich bewältigen kann und ob ich nicht im Austausch mit anderen/euch etwas lernen kann.


    Im letzten Jahr ist meine Mutter an meinem 42. Geburtstag verstorben. Sie war seit 4 Wochen im Krankenhaus wegen der Folgen ihrer Krebserkrankung dort in Behandlung und hatte 2 Tage zuvor von den Ärzten gehört, sie müsse sich nun langsam von ihrem schönen Leben verabschieden. Ihr war noch bewusst, das mein Geburtstag bevor stand und erklärte, das sei in ihrer Situation aber gerade nicht wichtig für sie. Sie verabschiedete sich, wie im Nachhinein dann klar wurde, am Vortag noch von vielen, erzählte nachts der Bettnachbarin von ihrem schönen Leben und wachte morgens nicht mehr auf. Eigentlich perfekt, aber auch für alle dann total überraschend. So dramatisch war ihr Zustand nicht an den Tagen zuvor, aber ihre Lebenslust offenbar aufgebraucht. In meinem Herzen ist Platz für Zufriedenheit, dass sie einfach so ruhig eingeschlafen ist und am nächsten Morgen nicht mehr aufwachte. Aber auch viel Traurigkeit und Entgeisterung, dass meine Mutter ausgerechnet an meinem Geburtstag davon gegangen ist, es ihr "egal" war.


    Ihre Eltern waren bereits verstorben, ihre Geschwister auch, zu meinem Vater habe ich seit Kindheit keinen Kontakt, nach meiner Trennung bin ich alleinstehend und wohne in einer anderen Stadt. So habe ich mit Unterstützung von Freunden und entfernten Verwandten Trauerfeier und Beisetzung, Wohnungsauflösung und alles weitere Wochenende für Wochenende mit viel Pendelei diszipliniert abgearbeitet und war am Ende des Jahres einerseits froh, so viel Organisation geschafft zu haben, manchmal aber auch entsetzt, wie viel ich alleine geleistet habe und alleine aushalten musste.

    Ich habe mich in der Zeit sehr von anderen zurückgezogen, habe viele Gespräche und Kontakte als banal empfunden und rigoros reagiert, wenn ich das Gefühl hatte meine spärliche Zeit und Energie wird mir in Begegnungen mit anderen geraubt. Ich musste mich einfach stark strukturieren und alles achtsam einteilen. Das war wohltuend und befreiend, aber es bedrückt mich, niemanden in meinem Freundeskreis zu haben, mit dem ich über Trauer und Einsamkeit reden kann. Die meisten haben ihre Eltern und oft auch Großeltern noch und ich fühle mich mit all den Kisten und Erinnerungen an meine Mutter und meine Großeltern in meinem Haushalt wie das Oberhaupt einer ausgestorbenen Familie und das ist kein schönes Gefühl. Und ich kenne auch niemanden, der das nachempfinden kann.

    Eine damals gute Freundin verlor am gleichen Tag ihre Sandkastenfreundin, sie fühlte sich überfordert, konnte nicht für mich da sein, kämpfte mit dem Tod der anderen Freundin und hat auch danach nicht wieder den Kontakt mit halten können, sich in ihre kleine Familie mit Mann und Sohn zurück gezogen.


    Vor meinem Geburtstag dieses Jahr hatte ich schon etwas Respekt, frei und locker feiern konnte ich das nicht. Ich war in Italien bei Freunden, die ich schon sei früher Jugend und durch enge Freundschaft unserer Familien kenne. Heute nun stirb der Vater dieser Familie und ich erinnere das starke Gefühl, als ich an meinem Geburtstag in ihre Küche kam und spürte, das sei das letzte Mal, dass ich ihn und seine Frau dort so treffe. Und es bricht gefühlt ein weiterer Mensch weg, den ich noch mit meiner Vergangenheit und meiner verstorbenen Familie verbinden, der emotional eine Brücke geschlagen hat.


    Ohne eigenen Familie, Partner oder Kinder empfinde ich Mangel an Kontakt mit Menschen, mit denen ich über das Vermissen reden könnte, mit denen ich Erinnerungen an früher aufrecht halten könnte, mit denen ich mich verbunden fühlen kann, weil wir ähnlich empfinden. Dieses Gefühl kennt in meinem Freundeskreis so keiner, bzw. können sie sich auch nicht gut darauf einlassen, dazu mit mir zu reden. Und vermutlich will ich mich auch nicht zumuten, habe schnell das Gefühl, andere damit zu überfordern und erzähle zunehmend immer weniger. Bin noch mehr bei mir und mache immer mehr mit mir aus, wohlwissend und vor allem fühlend, dass das nicht gut und schön ist. Und dabei bin ich aufgeschlossen, gehe auf andere zu, suche Kontakte und Gespräche, bin viel unterwegs und aktiv. Aber das was unter der Oberfläche steckt, kommt zu selten an die Luft. Das wird gedeckelt, will nach meinem Gefühl keiner hören, kann keiner mit umgehen, soll niemanden zugemutet werden, der nicht dicht an mir dran ist und Zeit für intensive Gespräche sind in dieser Lebensphase auch grundsätzlich irgendwie selten geworden.


    Wie macht ihr das denn? Es kann doch nicht sein, dass es sonst niemanden gibt, bei dem die Konstellationen so doof sind und sich gefühlt jeden Tag ein wenig mehr anstaut? Ich hoffe sehr auf etwas Austausch hier mit Menschen die vielleicht in ähnlicher Lage sind oder sich rein denken können.


    Danke vorab. Und herzliche Grüße,


    Nana

  • Hallo Nana,


    Mein Freund ist vor 7 Monaten verstorben und ich finde niemanden, der mir hilft. Es wird von Tag zu Tag schlimmer, warte jeden Tag um 19:30, dass er anruft. Aber da ist nix, da ist einfach nix mehr.


    Alexandra

  • Hallo Alexandra,

    mein Mann ist vor 2 Jahren verstorben. Ich verstehe dich, wenn du wartest das er anruft. Ich sehne mich so sehr nach die Telefonate und das Reden mit meinem Mann. Du hast recht: Es wird immer schlimmer. Sogar nach 2 Jahren ist es noch immer so schlimm. Ich verstehe dich sehr gut.


    Liebe Grüße Lisi

  • liebe Alexandra!

    ich möchte dir mein aufrichtiges Beileid zum Tod deines freundes aussprechen.

    es ist schwer wenn man einen geliebten menschen mit dem man sein ganzes leben verbringen wollte plötzlich nicht mehr da ist.

    das ist ein grosser verlust und er ist nur sehr schwer zu verkraften.

    es ist verständlich dass du ihn vermisst und immer noch zur gleichen zeit auf seinen anruf wartest..

    jedes mal wenn er sich nicht meldet wird einem dann schmerzlich bewusst dass es nicht mehr geht weil er es nicht mehr kann.

    hast du die Möglichkeit mit jemanden über deinen verlust zu sprechen?

    jemanden der für dich da ist und dich tröstet?

    aus eigener Erfahrung weiss ich wie wichtig das ist.

    wenn du möchtest kannst du dich jederzeit hierherkommen um über deine trauer zu reden.

    oder du kannst mir einen pn schreiben wenn dir das lieber ist.

    alles liebe

    elli

  • liebe Sonnenblume!

    auch dir möchte ich mein aufrichtiges Beileid zum tod deines mannes aussprechen.

    es war bzw ist ein schwerer verlust den du erlitten hast und ich kann es sehr gut nachvollziehen wenn du schreibt dass du deine anrufe und die gespräche die ihr miteinander geführt habt vermisst.

    er war dein lebensmensch und dein partner mit dem du den rest deines lebens verbringen wolltest und nun ist er nicht mehr da.

    weisst du egal wie viele jahre es her ist dass er nicht mehr bei dir sein kann...ob 2,3 oder mehrere jahre.er hat eine grosse lücke hinterlassen...

    eines ist sicher.

    in deinem herzen hat er einen platz gefunden und er ist immer bei dir.

    alles liebe elli

    • :)
    • :(
    • ;)
    • :P
    • ^^
    • :D
    • ;(
    • X(
    • :*
    • :|
    • 8o
    • =O
    • <X
    • ||
    • :/
    • :S
    • X/
    • 8)
    • ?(
    • :huh:
    • :rolleyes:
    • :love:
    • 8|
    • :cursing:
    • :thumbdown:
    • :thumbup:
    • :sleeping:
    • :whistling:
    • :evil:
    • :saint:
    • <3
    • :!:
    • :?:
    Maximale Anzahl an Dateianhängen: 10
    Maximale Dateigröße: 1 MB
    Erlaubte Dateiendungen: bmp, gif, jpeg, jpg, pdf, png, txt, zip