Erfahrungen mit Bestattern

  • Hallo an alle.

    Ich schreibe jetzt eine Bacherlorarbeit.

    Ich suche Menschen, die gerne ihre Erfahrungen rund um das Thema Beerdigungen und Tod austauschen möchten bzw. darüber etwas erzählen können. Das können z.B. die Erfahrungen bei einer Beerdigung sein, bei einer Trauerfeier, einem Leichenschmaus aber auch das Organisieren einer Beerdigung für einen nahestehenden Menschen oder die Vorsorge für den eigenen Tod.

    Danke im Voraus

    LG.

  • James184


    Hallo James184,

    erlaube mir zunächst eine Verständnisnachfrage - in welche disziplinär thematische Richtung geht deine Bachelor.Arbeit, da du hier von „Tod“ und „Beerdigungen“ sehr weitläufig per definitionem ausgehst.

    Da ist bereits der betrachtungsfähige Aspekt „Tod“ alleine schon ein enorm mitteilungsfähiges (Erfahrungs)Feld – angefangen z.Bsp. beim sog. Sterben, dem Sterbevorgang – welche Betrachtungsebene wäre für deine Arbeit im Fokus?

    Also die „physischen“, mithin die biochemischen Abläufe, wie spezifischer molekular-zellulärer Tod, z.Bsp. das ThelomerTheorem angewandter Sterbeforschung, Stadiendefinitionen, wie „klinischer Tod“ über „Hirntod“ u.a. oder eher die mentale, auch die metaphysische Seite, des Sterbevorgangs an sich?

    Auch die Thematik „Beerdigung(en)“ ist grundsätzlich ein sehr weitgefaßtes Feld … wie du ja bereits selbst dazu beispielhaft in deinem Post ausgeführt hattest.


    Wo liegt dein thematischer Schwerpunkt?

    … so dass man dir gezielt auch sinnvoll dazu hier mitteilen kann.

    Ist es für dich wichtig/erforderlich, dass man als "hier Mitteilender" auch Bestatter sein muß?

    ... weil "Erfahrungen mit Bestattern", die haben dahin auch (teilweise völlig überfoderderte) Angehörige.

  • James184  


    Hallo James184,

    … mußte den zweiten Teil hier nochmals eingeben, da die „erste Version“ im technischen Nirwana der Software irgendwie verunglückt/abhanden gekommen ist …


    Also auf eine Weiteres …


    Wenn wir so gemeinhin von „Beerdigung(en)“ sprechen, meint dies grundsätzlich eigentlich die „Bestattung“ (eines Leichnams).

    Mithin ist die ethisch vllt. auch eth.-moralische „Endlagerung sterblicher Überreste“ damit gemeint.

    Böse Zungen bzw. der „gemeine Sprech“ > die umgangssprachliche Offenbarung > betitelt dies herablassend auch als „gediegene Entsorgung“.


    Grundsätzlich ist mit „Bestattung“ im engeren Sinne die Erdbestattung, wie auch die Feuerbestattung, die sog. Kremierung gemeint.

    Es gibt noch eine dritte Art – die sog. Körperspende.


    Seit „Gunther von Hagens“ > „Körperwelten“-Euphorie, besteht die Möglichkeit auch einer sog. privaten Körperspende,

    um anschließend als sog. „kunstharzgetränktes Plastinat“ (mittlerweile) überwiegend als Ausstellungsobjekt in den ewigen Jagdgründen abgehängt zu werden.


    Davon zu unterscheiden ist die bekanntere Art der Körperspende > zu Gunsten der lehrenden, wie lernenden Wissenschaft an sich.


    Diese Form, die ebenso eine noch zu Lebzeiten des Spenders getroffene „letzte Verfügung“ voraussetzt, gilt -bei der Körperspende!- immer noch als meist favorisiert.

    Die sterblichen Überreste werden dabei so dann als Körpervoll- bzw. auch nur als Körperteilspende an eine universitäre/medizinische Fakultät(~Anatomien) zu Lehr-/Lern-/Forschungszwecken übereignet.


    Die Überstellung des Spenderleichnams geschieht, wie im Falle einer regulären Erd-/Feuerbestattung auch, unmittelbar nach event. erfolgter „rituell/religiös geneigter“ Verabschiedung (~Aussegnung).


    Werden vom Spenderkörper keine Präparate gefertigt, welche als Konservat in div. wissenschaftliche Anatomiesammlungen wandern,

    gehen die „ausgedienten“ Organe/Körperteile ihren letzten irdischen Weg – sie werden meist zusammen mit anderem klinischen Abfall (Bsp. pathogene Amputate, Explantate u.a.) kremiert.

    Die Asche wird in den überwiegenden Fällen als regulärer Sondermüll an Spezialfirmen zur Verwertung abgegeben.

    In einigen Fällen, wenn die Institute/Kliniken/Forschungseinrichtungen einen erheblichen Hang zum Ethischen haben und über aussreichend Geldmittel verfügen, wird die Asche auch in Form einer anonymen Beissetzung auf einer speziellen Parzelle eines (örtlichen) Friedhofs „beigesetzt“.

    Dies geschieht so auch mit den sterblichen Überresten (~Corpus) bei Körpervollspenden, wenn diese in Form und (Präparat)Erhaltes noch als menschliche Gestalt erkennbar, aber für weitere med./wissenschaftliche Zwecke nicht mehr verwertbar/dienlich sind.
    Diese „besondere Art der Entsorgung“ ist stets vorab explizit mit dem Spender schriftlich vereinbart.


    Zurück zu den eigentlichen, den bekannteren Bestattungsarten.


    Die Erdbestattung ist die Übereignung des Leichnams in einem festumschlossenen verwitterungsfähigen Behältnisses (~Sarg) an die Mutter Natur.

    Die Verbringung des Sarges in ein dafür vorgesehenes Erdendlager ist meist im Rahmen kommunaler Bestimmungen geregelt.

    Im Groben sehen diese Vorgaben i.d.R. die Verbringungs-/Lagerungstiefe, wie die Beschickungsdichte (wieviele Bestattungen auf eine Grabparzelle) und die „Mindest-Ruhezeit“ u.a. vor. ethisch/religiöse Vorgaben bei den Erd-Bestattungsformen, wie z.Bsp. das Entfallen des sog. Sargzwangs zu Gunsten der Totenachtung bei jüdischen und/oder auch islamisch geprägten Kulturen, finden mittlerweile verstärkt auch hier Eingang.


    Die Feuerbestattung im klassischen Sinne, ist die Kremierung des Leichnams mit anschließender Erd-Beisetzung der Asche > welche sich in der verkapselten Urne (Aschegefäß) befindet, die wiederum in einer sog. individuellen (Schmuck-)Überurne platziert wird.


    Um eine letzte Ruhestätte unter einem geliebten Baum zu finden = „Friedwald-Bestattung“ – ist eine vorherige Kremierung (Feuerbestattung) erforderlich.


    Gleiches gilt für die sog. „See-Bestattung“. Nach der erforderlichen Kremierung, wird entweder die Urne (meist tatsächlich inkl. Über- / Schmuckurne) als Ganzes an einem bestimmten nautisch festgelegten Platz (im Meer/See) versenkt – oder die Asche nach Eröffnung des A.Gefäßes im See/im Meer lose verstreut.


    Sonderformen der Bestattung, deren ebenfalls eine Kremierung zwingend vorausgeht ist die „Bestattung im All“ – dabei wird aber nur ein geringer Bruchteil > eine sog. AscheViole (~verkapselte Glaskokille) mit einer (industriellen) Trägerrakete mitgeschickt, welche z.Bsp. als Pendler (~Shuttle) Versorgungseinheiten für die ISS geostationär befördert oder wenn solche Routineflüge für das erneute/wiederholte Aussetzten von z.Bsp. Satelliten erfolgen.

    Das „Aussetzen der Asche“ erfolgt seitens der Kommando-/Bodenkontrolle auf „Knopfdruck“.

    Ab ca. 250.000,-- EUR ist man derzeit dabei …


    Wer seinen Angehörigen was offiziell er-/begreifbar „Bleibendes“ hinterlassen möchte, kann sich seit ein paar Jahren auch als „Diamant“ verarbeiten lassen.

    Auch hier ist die Kremierung Grundvoraussetzung. Der so „entstandene Kohlenstoff“ – Teile der zuletzt chemisch aufbereiteten und veredelten Asche, werden in einem technisch komplexen Vorgang, zu einer Art „Rohdiamant“ verarbeitet, um anschließend in den Fingern eines Juweliers sein „Feuer“ angeschliffen zu bekommen …

    „Diamonds are forever“!


    So – das Gerüst ist diesbezgl. bereits gut umrissen.

    Für dahin weitergehendere Info’s … gerne doch, im Rahmen meiner Möglichkeiten.


    LG - Nils