Hab ich das richtige getan?

  • Ich Frage mich immer wieder, habe ich das richtige getan?

    Am 09.03. starb mein Mann(im Alter von 60 Jahren und drei Tage vor seinem Geburtstag) im Kreise unserer Familie auf der Intensivstation. Er hatte eine COPD im Endstadium und konnte ohne Sauerstoffmaske nicht mehr atmen.

    Er hat 5 Tage gebettelt und geweint das man ihn doch bitte geh'n lassen soll.

    An jenem Samstag Mittag haben wir ihn von seinem Leiden erlöst. Die sauerstoffzufuhr wurde abgestellt, und mit Hilfe von Beruhigungs- und Schmerzmittel konnte er nach 2 1/2 Stunden Kampf endlich seinen letzten weg gehen.


    Ich vermisse ihn jeden Tag mehr und immer wieder Frage ich mich ob ich richtig entschieden habe.

    Mein Kopf sagt JA du hast ihn erlöst, mein Herz sagt NEIN weil er nicht mehr bei mir ist.

    Ich weiß einfach nicht mehr wie ich damit umgehen soll, er fehlt mir so sehr.


    Im Oktober wäre unsere Silberhochzeit gewesen, die kirchliche Trauung, die Feier, alles war schön geplant... am 15. 03 sollte ich mein Brautkleid aussuchen...

    Stattdessen hab ich seine Beisetzung geplant.

    Sorry für den langen Text aber ich musste es einfach mal los werden.:(:(:(

  • hallo sternchen,


    ja ich denke du hast das richtige getan. Mein Mann starb am 15.06.2019 an Krebs in nur 3 Wochen. Für meinen Mann war es wichtig keine Schmerzen, keine Übelkeit und keine Atemnot mehr zu haben. Auch er war gerade mal 60 Jahre alt geworden. Leider haben wir unseren 1. Hochzeitstag nicht mehr erleben dürfen.

    Ich frage mich ständig ob ich das richtige getan habe, ob er es wirklich so wollte. Leider können wir unsere Männer nicht mehr fragen.


    Ich verstehe dich so gut, aber wir müssen einfach daran glauben das es das beste war was wir noch tun konnten.:(

  • Definitiv ja. Er hat ja darum gebeten. Das war sein Wunsch. Er wollte sich nicht mehr quälen. Es war seine Entscheidung.

    Ich denke, auch wenn es hart klingt, wäre es wohl egoistisch gewesen, ihn noch weiter zu quälen, nur um ihn länger da zu haben. das war große Stärke von Ihnen!

  • Sternchen1203


    Hallo Sternchen,

    zuerst noch mein aufrichtiges Beileid, Dir und Deiner Familie.

    Ich Frage mich immer wieder, habe ich das richtige getan?

    Dem Vernehmen deiner im Text weiter dazu gemachter Ausführungen nach >> JA! ... hast Du.

    So, wie du dich dazu mitteilst, hast du umsichtig und in dieser besonderen Situation soweit möglich, objektiv v.a. im Sinne deines geliebten Mannes gehandelt.

    Dies nun zu Hinterfragen, teilweilse auch anzweifelnd eine Art "Schuldbewußtsein" zu proklammieren, ist -leider- ein Teil der (wichtigen) persönlichen Trauerarbeit. Dabei erfährt diese Situation eine Art Wertung und damit eine (ein)schätzende Ordnung im Gefüge des seelischen "UnGleichgewichtes", um darauf hin in einem weiteren "Verarbeitungsprozeß" zu einer gleichgewichtigen Position zu reifen ... solches bedarf aber immer einer gewissen Spanne an Zeit.

    Da kann und da sollte man nichts erzwingen.


    Sternchen - schau, Dein geliebter Mann konnte den Wunsch ob seiner eigenen Erkenntnis erlösend und quasi selbstbestimmt zu gehen, dir gegenüber äußern.

    In deinem Beisein - nicht alleine! - konnte er dann auch seinen letzten Weg beschreiten.


    Als eine Art Homage an eure gemeinsame erlebte Zeit solltest Du, wenn du es dir zutraust, dennoch Eure Silberhochzeit im Oktober, im Rahmen und zusammen mit event. Familienangehörigen und/oder engen Freunden (m/w) feierlich begehen.

    Besuche an diesem Tag, falls es terminlich nicht bereits auf einen Sonntag fiele, den Gottesdienst.

    Sprich vllt. vorher noch mit dem zuständigen Pfarrer deiner Gemeinde - dieser hat sicher im Rahmen seiner Seelsorge noch besondere Worte und den Segen für Euch.

    Auch wenn der Besuch einer kirchlichen Veranstaltung nicht möglich ist, solltest Du zusammen mit deinen engen Vertrauten vllt. ein gemeinsames Essen und/oder nur ein Beisammensein ins Auge fassen.

    Das ist Euer Tag, Deiner und der Deines geliebten verstorbenen Mannes - Euer gemeinsamer Tag.


    Das ist keine "Kulthandlung" oder eine falschverstandene Huldigung ... dies ist ebenso ein möglicher Aspekt im weiten Reigen aktiver Trauerarbeit - der Umgang mit einem einschneidenden Ereignis - dem Tod eines Geliebten - der Umgang und die Einordnung des Unumkehrbaren.


    Ich darf mit den Worten von Pater Anselm Grün schließen:

    "Auch im Schmerz ist Leben. Und so kann in allem eine Ahnung von Glück sein."


    Alles Gute Dir!

    LG - Nils

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