Es tut immer noch so - Schicksalsschlag

  • Hallo. Ich bin neu hier, dennoch hoffe ich, es gibt da jemanden der mich versteht, mir helfen kann. Ich fange einfach mal an.

    Im August letzten Jahres war ich mit meinem Freund auf dem Polterabend meiner Cousine. Wir feierten ausgiebig, da ich mit beim aufräumen helfen wollte schliefen wir bei Ihnen. Wir gingen um eins ins Bett. Gegen um hörte ich Klingeln und Klopfen...."Hilfe, wir brauchen einen Notarzt", da ich Krankenschwester bin, rannte ich so wie ich war sofort los. Draußen angekommen, sah ich meinen Onkel 47 Jahre am Boden sitzen, mir wurde mitgeteilt, dass ihn eine Hornisse gestochen hat (war schon mal vor 2 Jahren passiert, damals wurde angeblich keine Allergie festgestellt). Ich rief sofort den Notarzt da war es genau 4:10 Uhr....im selben Moment wurde er ohnmächtig. Er fiel um atmete noch...wir drehten ihn in die stabile Seitenlage...kurze Zeit später war nichts mehr....sofort begann ich mit der Herz-Druckmassage und ein Kumpel versuchte ihn zu beatmen. Nach paar Minuten ging keine Luft mehr rein...alles war zugeschwollen. Inzwischen war es 4:26 Uhr und kein Rettungsdienst zu sehen! Also rief der Bräutigam nochmal bei der Leistestelle an und bekam nur als Antwort sie seien unterwegs. Ich gab mein bestes....drückte weiter. Kurz nach halb 5 kam endlich ein Rettungswagen. Zwei Sanitäter an Bord....einer hatte seine Lesebrille nicht mit, konnte also nicht lesen was auf den Ampullen stand, der Andere schien neu zu sein, kannte sich nicht aus. Ich schrie ihn an, er soll mich abwechseln. Und ich zog die Ampullen auf und bereitet Infusionen vor während der andere nen Zugang legte. Dann kam die Notärztin dazu...nach gut einer Stunde war er dann endlich transportfähig! Als der Rettungswagen weggefahren war bin ich dann zusammengebrochen. Mein Onkel lag dann im Koma, ich nicht mehr erwacht, wurde nach 5 Tagen für Hirntot erklärt und wir ließen die Maschinen abschalten.

    Seit dem kämpfe ich mich durch meine Gefühlswelt zwischen Schuldgefühlen und dem Trauerschmerz. Manche Tage habe ich das Gefühl ich funktioniere nur noch, drohe in der Trauer zu ersticken. Von jetzt aus gleich hat es mir den Boden unter den Füßen komplett weggezogen.

    Jetzt nach der Zeit tut es immer noch so weh. Er fehlt mir so, er war mein Lieblingsonkel, sind nur knapp 10 Jahre auseinander. Er is quassi wie ein Bruder für mich gewesen, da meine Großeltern so zeitig gestorben sind, war er viel bei uns. Warum ist da Schicksal so grausam!?

  • Liebe MECKY23.8 guten Morgen!

    Auch ich bin neu hier, ich habe mich schon am 1.Februar hier im Forum registriert, kann aber erst heute schreiben, weil in mir Alles brennt und tobt! Ich habe immer wieder versucht Worte zu finden meinem Schmerz Ausdruck zu verleihen. Mein Mann ist am 30. Jänner im Krankenhaus an einer seltenen Form von Blut Krebs verstorben. Er war 1 Monat im Krankenhaus. Die Ärzte versuchten ihn schmerzfrei zu bekommen, so erhielt er schließlich eine zu hohe Dosis Morphin die dazu führte dass er bewusstlos wurde und Mageninhalt in die Lunge kam. Weil er auf einer “ normalen“ Station lag wurde dies erst am Morgen entdeckt. Man versetzte ihn für einige Tage in Tiefschlaf, als er geweckt wurde begann sein Leiden von neuem ich höre ihn noch immer flüstern :“lasst mich endlich sterben!“ Ein Wirbel war durch seine Krankheit zerbrochen und die Splitter verletzten das Rückenmark. Er wurde wieder in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Die Lunge erholte sich nicht die Nieren versagten und er war Querschnittgelähmt. Nun durfte er endlich gehen. Aus dem künstlichen Koma wurde er nicht mehr geweckt denn das hätte nur wieder unerträglichen Schmerz für ihn bedeutet! Ich hätte so gerne nochmal mit ihm gesprochen ohne dass er von unsäglichen Schmerzen gequält wurde oder von der hohen Dosis Morphin halluziniert! Ich hielt seine Hand als man die lebenserhaltenden Maßnahmen beendete und er von mir ging.


    Das Schicksal oder das Leben ist so grausam oder so gnädig wie man es eben nimmt, vielleicht, liebe MECKY 23.8, blieb deinem geliebten Onkel eine grausame Krankheit mit vielen Schmerzen erspart? Man weiß es nicht! Wir müssen unseren Kummer, unseren Schmerz und die Trauer einfach aushalten wenn wir auch manchmal nicht wissen wie das gehen soll! In Gedanken halte ich Deine Hand und weinen gemeinsam!

    Liebe Grüße Karo

  • Hallo Karo,

    dass ist ein hartes Schicksal. Dein Mann hat sicher gekämpft und alle haben gehofft. Ja jemanden so dahin "sterben" zu sehen ist schwer, schwer zu ertragen und schwer auszuhalten. Doch niemand weiß wo uns der Weg hinführt!

    Ja das ganze aushalten zu müssen ist manchmal fast unerträglich. Und dennoch unser Leben geht weiter, irgendwie. Anfangs machte ich mir Vorwürfe etwas falsch gemacht zu haben ja schier versagt zu haben! Es war für mich schwer es zu akzeptieren, dass ich ihn in diesen Moment am Leben gehalten habe und keine andere Chance hatte. Auf Arbeit gerate ich immer wieder an meine Grenzen wenn ich reanimieren muss, ich bekomme regelrechte Panikattacken und versuche die dann irgendwie zu ignorieren und einfach zu funktionieren.


    LG Mecky

  • Hallo Mecky!

    Lieben Dank für Deine mitfühlenden Worte! Ich bin schon in Pension und kann, wenn mich das heulend Elend packt, mich auf dem Sofa zusammenrollen und hemmungslos weinen! Du aber stehst noch mitten im Leben und im Beruf, noch dazu in so einem anstrengenden und fordernden, wie Krankenschwester!

    Dass Du da Panikattaken hast, kann ich mir sehr gut vorstellen! Du bist ein ganz toller Mensch der sich absolut keine Vorwürfe zu machen braucht, so wie Du Dich verhalten hast war genau richtig!

    Wir, die einen geliebten Menschen gehen lassen mussten ,müssen irgendwie weiter machen. Manchmal geht es ganz gut und dann wieder schleicht sich der Schmerz an uns heran und schlägt wieder zu. Wir müssen einen Tag nach dem anderen bewältigen und hoffen das es besser wird!

    Das Schreiben hier hilft vielleicht auch!

    Alles Liebe Karo

  • Ja, das ist immer schwer, wenn jemand das erlebt hat, besondern mir den Leuten , die du sehr magst. Aber du hast alles richtig gemacht. Das ist nicht dein Schuld. Du sollst einfach denken, er war ein super Mensch und ein super Onkel...