Es ist alles so unbegreiflich!

  • Liebe Alle,


    ich bin hier, weil ich hoffe, dass es tröstlich ist zu wissen, dass noch viele andere mit mir in dieser Trauerphase sind und es dadurch vielleicht leichter wird. Für meine Geschichte muss ich ein wenig weiter ausholen:


    Seit 1990 lebte ich mit einem Freund zusammen, wir waren bis ca. ins Jahr 2000 ein Paar. Aber auch nachdem es zwischen uns aus war, behielten wir die Wohnungssituation bei. Er war schon immer sehr leichtsinnig mit seiner Gesundheit und hat eigentlich immer auf der Überholspur gelebt. Etwa 2010 wurde er krank, man riet ihm dringend, mit dem Rauchen aufzuhören, Gehtraining zu machen etc. Er bekam überdies Diabetes, Bluthochdruck etc., Adipositas - es kam nach und nach alles an Krankheiten. Im Zuge einer Bypass-Operation zog er sich einen MRSA-Keim zu, die Wunde heilte nicht zu, ich glaube, ich hatte 2 Jahre, in denen ich blutige Bettwäsche waschen musste. Als es dann halbwegs ging, da wurde die Hernie immer größer, irgendwann gab es dann einen Bauchwandbruch durch die Adipositas und wohl auch deshalb, weil er weder bereit war, eine Bauchbinde noch ein Korsett zu tragen.


    In den folgenden Jahren verließ er das Haus nicht mehr, ich erledigte alle Wege und Einkäufe für ihn und sah seiner langsamen Selbstzerstörung durch Zigaretten, unmäßiges Essen und Süßigkeiten zu. Er schämte sich für sein Aussehen - und wie man es bei chronisch Kranken oft hat - war er auch nicht immer sehr nett zu mir.


    Im November 2018 bekam er noch einen Defibrillator eingesetzt und wurde am 30.11. entlassen. Einen Tag war er guter Dinge, dann baute er zusehends ab. Er sagte auch, etwas würde mit ihm nicht stimmen, er wisse aber nicht, was es sei. Wir gerieten wiederum öfter in Streit, vermutlich auch deshalb, weil er mir gegenüber nicht ehrlich war. Er verschüttete Wasser und Suppe und meinte nur, ihm sei schwindelig geworden. Ich konnte so langsam nicht mehr, da ich ja auch noch die Arbeit hatte und war daher entsprechend ungeduldig, wenn ich abends die ganze Misere vorfand.


    Am 15. und 16.12. fiel mir auf, dass er eigentlich ständig schläft, und am 16. rief ich dann gegen seinen Willen einen Notarzt. Er hatte Blutdruck 90:50. Der Rettungswagen kam erst zwei Stunden später, da der Arzt meinte, es sei nicht so dringend. Da hatte er dann Blutdruck 80:40, Puls 45, ich wunderte mich noch, dass sie mit Blaulicht abfuhren, er hatte das EKG-Gerät auf dem Schoß. Da es auch an diesem Tag böse Worte zwischen uns gab (er sagte, ich bräuchte einen Arzt, er nicht), ging ich nicht mit hinunter, als sie ihn wegbrachten.


    Am nächsten Tag hatte ich keine Stimme mehr, ein Infekt war zurückgekommen. Ich durfte nichts ins Krankenhaus, er lag bereits am 17. auf der Intensivstation im künstlichen Koma, da er bei der Gabe eines Kontrastmittels einen anaphylaktischen Schock erlitten hatte. Das war der 2. in diesem Krankenhaus, die Allergie war bekannt. Mittlerweile war ich krankgeschrieben worden.


    Am 19. erhielt ich morgens einen Anruf vom Krankenhaus, sie könnten mir keine Hoffnung mehr machen. Dann durfte ich zu ihm und habe ihn zwei Stunden in den Tod gestreichelt, was er vermutlich gar nicht mitbekommen hat. Die Beerdigung war völlig unrealistisch, ich begreife es immer noch nicht. In seinem Zimmer steht noch die gepackte Reisetasche, die ich mit zurücknehmen durfte usw., alles in der Wohnung erinnert an ihn.


    Ich mache mir Vorwürfe, so ungeduldig gewesen zu sein, bedaure, dass ich es nicht geschafft habe, ihn von einer gesünderen Lebensweise zu überzeugen. Die Gedanken kreisen den ganzen Tag um ihn . Geliebt habe ich ihn wohl seit fast 30 Jahren, obwohl wir schon längst kein Paar mehr waren - und nun war im Grunde alles umsonst. Die ganzen Jahre, in denen es eigentlich nur noch um ihn ging. Als man mir im Krankenhaus sagte, dass sie ihm nachts noch ein Bein amputieren wollten, es aber unterließen, weil er das nicht überlebt hätte, da fragte ich mich, ob das noch ein Leben gewesen wäre.


    Doch ist das alles kein Trost. Das Schlimmste für mich ist, dass wir keinen Abschluss hatten. Wir haben nie über all das gesprochen, das konnte man mit ihm nicht, er wollte nie über Probleme reden. Ich weiß nicht einmal, wie es ihm zum Schluss tatsächlich ging. 56 ist eigentlich noch zu jung, aber danach geht es nicht.


    Ich weiß, dass es auch Euch allen nicht gut geht und wünsche Euch nur das Beste und dass der Schmerz irgendwann nachlassen möge.


    Tine

  • Hallo Tine, wenn die Seele gehen will, dann schaltet sie langsam den Körper und die Funktionen aus. Ich kenne das von meinem geliebten Stephan der gegangen ist. Doch sei dir gewiss, dein Mann ist immer um dich. Ich hatte Kontakt mit meinem in der geistigen Welt und was er dir sicher schickt ist grenzenlose Liebe und Dankbarkeit. Sei getröstet, er ist immer um dich, sprich mit ihm und achte auch kleine Hinweise, dass er da ist. Du kannst ihn auch bitten dir Botschaften zu schicken, er wird es sicher machen.

    Fühle dich umarmt!

    Karoline

  • Lieber Josef,


    vielen Dank, ich bin erst heute wieder mal hier. Begriffen habe ich es immer noch nicht. Da ich erst im April wieder arbeite, habe ich momentan viel Zeit zum Nachdenken. Es ist auch schlimm, täglich in der Wohnung wieder erinnert zu werden, Sachen packen zu müssen, die die Angehörigen abholen wollen usw. Seine Reisetasche steht immer noch in seinem Zimmer, so, wie ich sie vom Krankenhaus wieder mitbekam.

    Meine Mutter starb Ende 2015, und so habe ich jetzt manchmal das Gefühl, nur noch mit den Toten zu leben, da es auch von ihr viele Erinnerungsstücke in der Wohnung gibt.


    Das Leben geht weiter, glücklicherweise, aber niemand hat einem gelernt, mit diesen Verlusten fertig zu werden.


    Liebe Grüße

    Tine

  • Liebe Tine,

    Ich wünsche Dir dass du dir selbst Zeit gibst und dir erlaubst zu Trauern. Es ist normal dass einem vieles surreal erscheint und man morgens aufwacht und immer wünscht, dass es nur ein schlechter Traum war. Vielleicht hilft es dir wenn du wieder arbeiten gehst. in meinem Fall war es eine Überwindung, doch so war ich auch gezwungen mich mit den "normalen" Leben wieder zu konfrontieren. Ich wünsche dir dass auch du wieder den Zugang zum "normalen" Leben findest wenn du es möchtest und bereit dazu bist.

    Lg, Andrea

  • liebe tine


    Deine letzten zeilen im forum haben mich sehr beeindruckt sie haben soviel wahrheit in sich

    Das leben nach so einem verlust geht weiter aber niemand hat einem gelernt damit unzugehen


    Ich habe im jänner 2018 meine über alles geliebte mama verloren sie war mein lebensmensch beste freundin mein kamerad ei fach alles im leben wir haben so viel schönes leider dann auch trauriges erlebt als mama schon so krank war


    Alles was mir nun bleibt sind die gemeinsamen erinnerungen das ist so schwer für mich zu akzeptieren ich wünschte so sehr die türe würde sich öffnen znd mama könnte ich wieder in die arme nehmen

    Wir haben 54 jahre zusammengelebt


    Ich bin nun ohne familie habe niemanden mehr bin sehr sehr sehr einsam

    Gehe in trauergruppen usw aber ich finde einfach niemanden mit dem ich meine grosse Trauer teilen kann


    Es ist so schade dass in forum niemand aus wien ist das macht es sehr schwer


    Viel kraft auch für dich liebe tine


    Lg von ursula aus wien

  • Liebe Lebensmenschmama ich habe erneut deinen Post gelesen und es bricht mir das Herz wenn ich höre wie allein du bist. Um zusammen eine Tasse Kaffee zu trinken sind wir zu weit auseinander aber ich biete dir hiermit von Herzen an mir zu mailen damit wir uns auf diesem Weg unterhalten können und ich dir vielleicht ein Stückchen deiner Einsamkeit nehmen kann. Meine E Mail Adresse lautet friese.belinda@googlemail.com

    Du kannst mich jederzeit anschreiben es kann nur ein wenig dauern bis du antwort bekommst da ich oft am Tag schlafe weil ich im Nachtdienst tätig bin.

    Scheue dich nicht dich zu melden ich bin bereit zu versuchen dir ein Stück deiner Einsamkeit zu nehmen.


    Ganz ganz liebe Grüße Belinda 😘❤❣🐣🐤🐥🌻💐🍀🌅🌞 ein wenig Hoffnung von mir und trotz allem ein schönes Osterfest

  • liebe belinda


    Vielen herzlichen dank für Deine so berührenden und mitfühlenden zeilen die mir gerade heute besonders gut tun

    Ich bin über ostern allein das ist sehr schlimm

    Hadt du whatsapp könnten wir uns so kontaktieren wenn Du möchtest mal telefonieren

    Wo bist Du zuhause wahrscheinlich in deutschland

    Ich höre nun gerade im radio einen gottesdienst weil ich versuche etwas kraft und trost im glauben zu finden wie meine geliebte mama auch immer sehr seht gläubig war bis in ihre letzten stunden in ihrer schlimmen krankheit

    Ich vermisse meine so geliebte mama so so sehr es ist sehr schlimm sie war mein lebensmensch wir waren so sehr verbunden ein herz und eine seele

    Wie gerne würde ich sie in den arm nehmen und sie ganz fest drücken und ihre hönde fest halten und nie mehr auslassen

    Aber ich weiss dass es nicht mehr möglich ist das ist für much so schwer zu akzeptieren

    Ich danje Dir sehr für deine zeilen und dein sehr schönes angebot mit mir in kontakt zu bleiben ich nehme es sehr sehr gerne an

    Wie gesagt wäre mur lieber über wharsapp wenn dass bei Dir auch geht liebe belinda


    Ich wünsche Dir von herzen einen schönen abend und noch gesegnete besinnliche ostern

    Lg an dich aus wien schickt dir ursula