Ich komme mit dem Tod meiner Mama nicht klar

  • Lieber Nicolas,

    Danke für Deine unglaublich lieben und mitfühlenden Zeilen, ich bin verwundert, dass Du dazu überhaupt in der Lage bist, schließlich trauerst Du doch selbst um Deine geliebte Mum.

    Sie ist bzw. wäre bestimmt mehr als stolz auf Dich...sie hat Dich so erzogen, wie meine Mum mich erzogen hat...auch in der Not noch ein Ohr (bzw. Auge) für Andere zu haben (zumal wir Fremde sind, aber alle mit dem gleichen schrecklichen Schicksal), leben wir doch eigentlich in einer Welt, in der (fast) jeder nur noch an sich selbst denkt...

    Dafür danke ich Dir sehr... es ist ein tröstendes Gefühl, verstanden zu werden...

    Umso trauriger macht es mich, dass es immer wieder Partner gibt, die in solch dunklen Zeiten nicht immer so für uns da sein können oder wollen oder weil sie aus verschiedenen Gründen anders denken und auch anders fühlen und weil vlt. auch eine gewisse Art Eifersucht mitschwingt (so erlebt in der Zeit des Kampfes gegen den Krebs, ich wurde nahezu vor "die Wahl" gestellt).

    Aber wenn man sich für seinen Partner entschieden hat, gehört doch dazu - zumindest meiner Meinung nach - dass man sich gerade in den dunklen, unbarmherzigen Zeiten unterstützt, den anderen auffängt... das ist doch eigentlich der Sinn, oder?

    Deine Frau kann sich mehr als glücklich schätzen, dass sie Vater und Mutter noch hat... ich beneide sie... hoffentlich bleiben die Eltern noch lange wohlauf, denn das, was viele Andere und wir im Moment durchleben müssen, wünsche ich ihr nicht...

    Meine Schwiegereltern leben leider nicht mehr (+2009 Schw. vater und 2013 Schw.mutter), mein Mann kennt also das Gefühl des Verlierens nur zu gut...wahrscheinlich hat er vergessen, was es heißt, wie es sich anfühlt...

    Ich weiß, dass jeder Mensch anders mit Schicksalsschlägen umgeht und jeder ein anderes Tempo mit der Verarbeitung hat... ich für meinen Teil bin und war nie ein "Kopf"- Mensch, habe immer nach meinem Herzen gehandelt, bin dadurch aber auch sehr angreifbar...

    Und Recht hast Du auch mit der Aussage, dass es uns in der Trauer besser gehen würde, wenn die Bindung zu unseren geliebten Mamas nicht so dermaßen intensiv gewesen wäre.

    Ich habe meiner Mum noch vor Wochen gesagt, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann.

    Nun ist genau das bittere Wahrheit geworden, knallharte Realität, kein Albtraum, aus dem wir jemals wieder erwachen könnten...

    Danke, lieber Nicolas, dass Du Dir Gedanken machst und mich teilhaben lässt,

    Danke für Deinen Rat, ich werde ihn befolgen...

    Ich schicke Dir auch eine ehrliche und liebe Umarmung und freue mich, vlt. noch öfter von Dir zu lesen... , S.

  • Und noch etwas: Wir waren wirklich mehr als gesegnet, dass wir so liebevolle und großartige Mamas hatten, die uns so aufrichtig, bedingungslos und uneingeschränkt geliebt haben, die immer für uns da waren, ganz gleich, was war... vlt. haben sich unsere Mamas im Himmel schon kennengelernt, wer weiß das schon...

    Außerdem frage ich mich seit geraumer Zeit, wie es dem armen Dieter geht, der jetzt ganz alleine ist, niemanden mehr hat...ich las natürlich auch von seinem Schicksal, auch das hat mich sehr berührt.

  • Lieber Nicolas,liebe Sanja,

    ich finde es traurig,dass ihr zur Zeit von Euren Partnern nicht das erhoffte Verständnis bekommt.Für Außenstehende ist es natürlich immer schwierig,die richtigen Worte zu finden,auch weil man dem angstbesetzten Begriff Tod aus dem Weg gehen will.Aber ich denke,dass die Eifersucht auch eine große Rolle spielt,das kenne ich aus eigener Erfahrung.Für mich war meine Mutter immer an erster Stelle.Vielleicht auch unterschwelliger Neid,weil man nicht so eine symbiotische Verbindung mit seinen Eltern hat oder hatte.Die Trauer ist einfach stärker,als wenn man seine Mama nur einmal im Monat anruft und Pflichtbesuche macht.Eigentlich muss man für die zusammen verbrachte Zeit dankbar sein,aber das schaffe ich leider noch nicht .

  • Gestern habe ich im Fernsehen ein so schönes Lied gehört-Manchmal bist du noch hier - von Ute Freudenberg.Eigentlich bin ich kein Schlagerfan,aber der Text hat alles so wunderbar getroffen.

  • Für Euch ...

    Wir feiern das Leben, das Gott uns geschenkt hat

    und das durch den Tod nicht vernichtet, sondern nur verwandelt wird


    ... manchmal bist du noch hier



    AdVent - Zeit der Ankunft, Zeit der Stille - innehalten, um anzukommen ...

  • Sanja - alles ist gut ...

    Wir sind hier unter uns, quasi in einem "geschützten Raum" - ohne bindende Konventionen

    Lass Dir damit Zeit, Zeit die auch immer nötig ist

    Es ist nur zu verständlich ...


    Folgende Überlegung meines vertrauten Freundes Pater Anselm Grün möchte ich

    dir, wie gleichsam allen, die hier im Stillen mitlesen, hier mitgeben:


    Die Dankbarkeit lehrt mich, all das dankbar anzunehmen, was GOTT mir geschenkt hat

    - aber auch bereit zu sein, es loszulassen ... wenn ER mich dazu auffordert.

    So befreit mich die Dankbarkeit von meiner Angst.


    Alles Gute und Gottes Segen


    Nils ...

  • Liebe Sanja

    Ich kann dich so verstehen, denn mir geht es sehr ähnlich. Meine Mutter war der halt in meinem Leben, mein Zuhause, der Mensch, der mir immer Zuversicht geben konnte, bei dem ich mich selbst sein konnte.

    Sie ist am 25.12.18 gestorben, nach langer Krankheit und doch unerwartet, denn man kann sich einfach nicht vorstellen dass der Mensch, den man seit dem 1. Atemzug kennt, der das wichtigste im Leben war , wirklich gehen würde.

    Immer wieder kratzte sie die Kurve und bis zuletzt dachte ich , dass es auch diesmal so sein würde.

    Jetzt ist es bald ein Jahr her und noch immer fühlt sich mein Leben völlig leer an, mir fehlt es an Perspektive und dass mich jemals wieder etwas freuen könnte scheint mir unmöglich. Auch die weinkrämpfe kenne ich sehr gut.

    Seit mein Partner meinte es sei doch eh schon (damals) 6 Monate her und absolut kein Verständnis für meinen Schmerz hat, habe ich mich auch sehr zurückgezogen. Fast jede Nacht weine ich mich alleine in den Schlaf.

    Sie nie mehr wieder zu sehen lässt mich einfach nur verzweifeln. Ich kann nur hoffen dass sie gespürt hat wie sehr sie geliebt wurde. Wie wichtig sie war. Ich fürchte nicht. Sie war der einzige Mensch mit dem ich wirklich auf einer Wellenlänge war, der mich immer verstand. Den Menschen zu verlieren ist kaum zu ertragen. Ich kann uns allen nur wünschen, dass es irgendwann leichter wird .

    Alles gute und viel Kraft

    Eva

  • Ihr lieben Leidensgenossen...

    ich danke Euch Allen sehr für Eure mitfühlenden Zeilen...aber

    ich bekomme die düsteren Gedanken einfach nicht aus meinem Kopf ;(, habe immer mehr das Gefühl, dass es nicht zu schaffen ist...

    Es wird von Tag zu Tag schlimmer...

    Alles, aber auch wirklich alles dreht sich um den schmerzvollen Verlust... ich komme nicht dagegen an... es vergeht keine Sekunde, in der ich nicht an meine geliebte Mama denke... es gibt auch eines von mehreren Liedern, die auf der Trauerfeier meiner geliebten Mama gespielt wurden... diese Version kannte ich garnicht und als ich sie beim Bestatter anhörte, bin ich komplett zusammengebrochen, also überlegt Euch, ob ihr Euch das antun wollt...

    Es ist die deutsche Version von Halleluja von der Sängerin "Lila"...

  • Liebe Sanja!

    Das ist völlig normal. Die Trauer hat so viele Phasen und Facetten. Bei jedem individuell vorhanden und ausgeprägt. Schock, Verzweiflung, Depressionen, Angstzustände, Wut, etc . Die Liste lässt sich ewig fortsetzen. Ich habe den Tod meines Vaters vor 5 Jahren durchleben müssen und nun den meiner Mutter. Zu beiden war mein Verhältnis bestens, herzlich und innig. So litt ich bei meinem Papi sehr und doch anders als jetzt. Bei beiden aber wandelte sich der Schmerz stetig, wenn auch langsam. Den Verlust von meinem Vater habe ich in den Jahren ganz gut verkraftet, auch wenn ich ihn immer noch sehr vermisse. Ich habe ihn so geliebt.

    Im Rückblick gibt mir diese Trauerarbeit mit ihm Mut, dass ich irgendwann auch den Schmerz über Mamis Tod bewältigen kann. Ihr Tod hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Das kannte ich noch nicht von mir. Depressive Momente wurden plötzlich so beängstigend. Zum Glück vergingen sie auch wieder und sie werden weniger. Dennoch bin ich lange noch nicht stabil. Aber ich spüre Veränderungen in der Trauer. Mal geht's mir nicht schlecht, mal unerträglich. Normal, Sanja. Die Veränderungen in meinem/ unserem Leben ohne Mutter sind so gravierend, dass es natürlich Ängste und Verzweiflung hervorruft. Schließlich werden nun Automatismen durchbrochen, die wir unsere ganzes (!) Leben gewohnt waren. Ein Leben ohne Mutter kannten wir nicht, war wohl auch immer eine Urangst, das dies einmal eintreten könnte.

    Unfassbar, dass es jetzt soweit ist. Unfassbar und doch so normal. Die Eltern gehen irgendwann und unser Leben geht weiter. Dieser Lernprozess tut so weh und wir werden es schaffen müssen. Unsere Eltern haben den Verlust ihrer Eltern auch im Normalfall verkraften müssen. Und sie würden sich jetzt wünschen, dass wir es auch meistern.

    Bleib geduldig, Sanja. Mal tut es eben nur weh und manchmal eben mehr.

    Ich denke an Dich! Liebe Grüße

  • Lieber Nicolas,

    es ist so schrecklich , dass Du Deinen Vater bereits vor 5 Jahren verloren hast und diesen Schicksalsschlag erst einmal irgendwie überwinden musstest. Gleichzeitig brauchte Deine liebe Mama Deine Unterstützung und war sicher sehr dankbar und glücklich, einen so gefühlvollen, lieben und verlässlichen Sohn an ihrer Seite zu haben, sonst hätte sie es wohl nicht verkraften können...


    Wenn man dann noch bedenkt, dass es "Kinder" gibt, die sich von ihren Eltern abwenden, keinen Kontakt mehr wollen, sich nicht um die Eltern kümmern, sie im Stich und sich selbst überlassen, obwohl sie ihnen ihr Leben verdanken...

    Für mich absolut undenkbar, grausam, herzlos. Über so etwas darf ich garnicht nachdenken.

    Deshalb berührt es mich immer, wenn ich erfahre, dass das Verhältnis zu den Eltern innig und herzlich war... dass man seinen Eltern etwas zurückgeben konnte, so, wie es zwischen Deinen Eltern und Dir war und so, wie ich es auch mit meiner lieben Mum gelebt habe... deshalb leiden wir ja auch so sehr...


    Lieber Nicolas, ich möchte Dir abermals DANKE sagen für Deine tröstenden Zeilen, die mir an diesem grauen Tag etwas Wärme spenden konnten, nachdem ich am späten Nachmittag fluchtartig das Haus verlassen habe, einfach raus musste und wieder einmal ziellos durch unsere City gelaufen bin, mit gesenktem Kopf, in Erinnerungen versunken.

    (bis vor wenigen Wochen unternahm ich solche Stadtbummel noch gemeinsam mit meiner geliebten Mum.

    Ich gehe mittlerweile vorzugsweise raus, wenn es schon fast dunkel ist, dann hat man nicht soviel Mühe, das verweinte Gesicht zu verbergen).


    Während ich Deine Zeilen las und mir dabei - wie jedes Mal - die Tränen kamen, ist mir aufgefallen, dass Du die Gabe hast, alles genau so zu beschreiben, wie ich es fühle...fast schon unheimlich, Gänsehaut-auslösend.

    Ich meine z. B. das mit den "Veränderungen in unserem Leben ohne Mutter" und der "Urangst", dass der Tag kommt, an dem sie uns für immer verlässt...

    Das trifft es auf den Punkt, denn GENAU SO ist es und war es immer... mein ganzes Leben lang...wie ein Trauma... ein angstbehaftetes Leben, Verlustangst hoch3.


    Ich bewundere Dich und Deine Fähigkeit, die passenden Worte zu finden und zu gebrauchen, und damit bestimmt nicht nur mein Herz zu berühren, Ruhe zu vermitteln...eine Fähigkeit, mit der nicht viele Menschen gesegnet sind.

    Ich danke, Dir, dass Du mich mit Deinen Zeilen in Deiner speziellen Art und Weise etwas zur Ruhe bringen konntest...

    (meine Gefühle fahren seit Tagen quasi Achterbahn, Du weißt 100%ig, wie sich das anfühlt).

    Ich habe die große Hoffnung, dass Du aber auch auf Dich selbst achtest, dass Das, was Du an Verständnis, Hilfe und Barmherzigkeit verschenkst, genau so wieder zu Dir zurückkommt, dass Du weiterhin auf dem für Dich rechten Weg bleibst, dass Du immer Menschen um Dich haben wirst, die Dich zu schätzen wissen, die Dir Trost und Kraft schenken, Dich in den Arm nehmen, Dich auffangen, wenn die Traurigkeit wieder die Oberhand gewinnt... das wünsche ich mir für Dich...

    (ich wundere mich gerade darüber, wieviel Nähe in gewisser Weise durch gemeinsames Leid entstehen und wachsen kann...).

    Ich denke genauso auch an Dich und sende Dir ganz liebe Grüße, die von Herzen kommen... S.

  • Danke Sanja für Deine warmen Worte. Tun gut und spenden Herzenswärme.

    Wärme.

    Das ist in der aktuellen Verfassung so ein bedeutender Begriff. Sie fehlt an entscheidender Stelle. Meine Schwester, die ebenfalls ein sehr liebevolles Verhältnis zu unserer Mutter pflegte, spricht immer treffend von der Nestwärme, die uns beiden nun fehlt. Dieser Begriff beschreibt am Besten das hohle Gefühl, das mich stets umgibt, seit ich keine Eltern mehr habe. Fehlende Nestwärme.

    Wenn ich mich im Elternhaus aufhalte, das nun mir gehört, aber nicht mein Wohnhaus ist, spüre ich deutlich, dass jegliche Wärme und wohlfühlende Behaglichkeit verloren ist. Leere. Heimat ohne Wärme. So viele liebgewonnene Lebensinhalte, die mit dem Tod der Eltern gestorben sind. Selbst ein Stück Heimat.

    Es freut mich, wenn Du Deine Empfindungen mit mir teilen kannst und Dich wieder in meinen findest. Du hast recht, dass gemeinsames Leid verbindet. Das hilft in der schweren Zeit. Mögen meine Gedanken auch vernünftig klingen und sich gefestigt anhören, ich bin es mitnichten. Wie bereits erwähnt hat mich der Tod von Mami jäh aus meiner stabilen Gefühlslage gerissen. Auf der Suche nach Wärme und Stütze bin ich auf dieses Forum gestoßen. Austausch und Antworten wie Deine können helfen und spenden Licht im Dunkeln. Licht und Wärme.

    Lieben Dank dafür!

  • Lieber Nicolas,

    wie schön, erneut von Dir lesen zu dürfen... das wahrhafte "Highlight des Tages".

    Es freut mich wirklich sehr, dass ich Dir ein wenig Wärme und Licht übermitteln konnte... so herzlich gerne...


    Wärme, die aber auch Du jedes Mal vermittelst, wenn man Deine Zeilen liest... denn immer dann, wenn ich einen ganz besonders "schlimmen Tag" hinter mich bringen musste, irgendwann später ins Forum gehe, lese ich von Dir... stimmt wirklich! Zufall? Bestimmung?

    Keine Ahnung...spielt letztendlich auch keine wirkliche Rolle... es ist einfach nur tröstend und schön, dieses Gefühl der Nähe, des Verstandenwerdens, des "Doch-nicht-ganz-alleine-Seins" in der für uns schrecklichen und kaum zu ertragenden Phase unseres Lebens... ich dafür danke ich Dir abermals...


    Der Tag heute war auch deshalb so "schlimm",

    weil es für mich eine unglaubliche Überwindung war, allein zum Haus meines Stiefvaters zu fahren, schließlich wohnte meine geliebte Mum dort mit ihm und ich war ständig dort, in den letzten Monaten täglich von morgens bis spätabends...

    Seit dem Tod meiner Mum war ich bisher nur 2x kurz mit meinem Mann dort, meist kommt Stiefvater hierher, schmust mit unseren Katzen, wir reden, essen gemeinsam, trösten uns gegenseitig.

    Beide Male in seinem Haus war es für mich einfach nur grauenhaft, unerträglich, irgendwie falsch, weil SIE nicht dort war, niemehr sein wird...

    Ich habe nur geweint, Beruhigen... unmöglich. Es ist einfach nur schrecklich ein Haus zu betreten, in welchem förmlich "alles nach meiner Mum schreit"...


    Und das, was Du als Nestwärme, behagliches Gefühl, Zuhause, Heimat, etc. beschreibst... dort ebenso nicht vorhanden, nicht mehr, es ist weg, irgendwo verloren gegangen, mit ihr, meiner wunderbaren Mama, ausradiert... (natürlich nicht seine Schuld... er versteht es auch nicht wirklich, dass ich so empfinde).

    Das ansonsten sehr schöne Haus hat einfach seinen Charme verloren, wirkt auf mich nur noch kühl und düster... ich wäre am liebsten sofort wieder gefahren...

    Auf dem WZ-Tisch stehen noch immer meine Deko-Kreationen, die selbstgemalten Bilder, die ich ihr kurz vor dem KH-Aufenthalt noch geschenkt habe, hängen seit heute an den Wänden in ihrem "Bügelzimmer"... (alles, was ich "zustande brachte", liebte sie...)


    Ich sah auch wieder all' ihre Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel auf dem Regal in der Küche... Bio-Vorräte und hochkalorische Trinknahrung im Vorratsraum...das war einfach zuviel...ich bin erneut "dekompensiert", wir haben dann gemeinsam geweint...er sagte mir, wie lieb er mich hat und dass ich doch bitte stark sein soll und müsse, dass ich doch immer gesagt habe, dass ich mich im Ernstfall auch um ihn kümmern würde, dass meine Mum schließlich auch eine starke Frau war...


    Ja, das war sie...weiß Gott, aber davon hat sie mir leider nichts mitgegeben oder es ist einfach alles aufgebraucht...ich fühlte und fühle mich erneut wie 12.


    Bis dahin ein absoluter emotionaler Voll-Chaos-Tag... ich weiß übrigens garnicht mehr, wie ich die 20 km nach Hause gekommen bin um 23:30 Uhr... Essen fällt aktuell auch irgendwie aus bzw. wird vergessen... der Magen meldet sich auch nicht...naja und dann - nach stundenlanger Abstinenz - der Blick ins Forum... da bist Du...


    Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass meine letzten Zeilen vlt. etwas zu offen und emotional waren, dass es "zuviel" war...aber so bin ich nunmal... trage schon immer mein "Herz auf der Zunge". Ist nicht immer von Vorteil...


    Und Du hast Recht, Deine Gedankengänge klingen tatsächlich vernünftig...und reifer (Du wirst älter als ? sein...) aber gefestigt?

    Nein, davon gehe ich absolut nicht aus... das würde in vielerlei Hinsicht dem, was Du mir bezüglich Deiner Gefühlswelt bisher vermitteln konntest, widersprechen...

    Trotzdem oder gerade deswegen kannst Du Dich aber wunderbar in andere Menschen hineinversetzen, findest die richtigen Worte. Du kannst alles, was Dich bewegt, so eindrucksvoll beschreiben, dass man den Eindruck hat, neben Dir zu stehen, den Film "mitanzuschauen".

    Deine Empfindungen teile ich nach wie vor, fühle sofort mit Dir und verstehe, was Du meinst.

    Auch ich suche überall nach der verlorengegangenen Wärme, ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt ein woliges Gefühl hatte, ist Jahre her, lange vor dem Beginn der Krankheit.

    Meine Mum wärmte mir oft die Hände, sie fror - im Gegensatz zu mir - nie... wie ich mochte sie den Winter nicht, die kurzen (Depri-)Tage, freute sich immer auf den Frühling, die ersten Blumen und auf Sonne...

    Jetzt denke ich schon wieder ans "Abhauen"...

    Fortlaufen, flüchten, irgendwo hin, wo die Depressionen sich auch mal eine Auszeit nehmen dürfen...

    Liebe und wärmende Grüße sendet Dir Sanja

  • Hallo ihr Lieben,

    Ich habe geweint, als ich all eure Zeilen gelesen habe.ich hatte sofort das Bedürfnis euch alle in den Arm zu nehmen, damit ihr jemanden habt, der euch tröstet. Auch mit geht es noch sehr schlecht. Mama ist ja am 20.08. diesen Jahres von uns gegangen. Ich kann es noch nicht begreifen, dass sie nicht wiederkommt. Meinem Papa geht es auch sehr sehr schlecht. Er hat mir ihren rezeptordner mit all ihren leckeren Rezepten gegeben. Sie war eine tolle Bäckerin. Da mein Mann am 24.12. Geburtstag hat, ind sie ihm immer eine Schwarzwälder kirschtorte gebacken hat, habe ich mir eben ihren Ordner angeschaut, damit ich mit dieser Tradition weitermachen kann. Oh Gott, es war schrecklich ihre Handschrift zu lesen. Ich kann mir auch noch keine Fotos anschauen.

    Ich habe mir aber fest vorgenommen, diese Torte zu backen, vielleicht damit ein Stück Mama an Weihnachten bei uns ist. Auch wollte ich dieses Jahr nichts schmücken. Aber sie hat Weihnachten geliebt, und wenn sie von oben zuschaut, dann freut sie sich, dass es so schön aussieht. Im Haus meiner Eltern sieht es noch genauso aus, als ob sie da wäre. Es steht ihr lippenpflegestift und ihr Parfum noch am selben Platz. Auch ihre Kleidung hängt noch an der Garderobe. Mein Vater bestimmt den Zeitpunkt und ich gebe ihm alle Zeit der Welt, um zu entscheiden wann was weg kommt. Ich weiss nicht wie er es aushält. Das ist alles Mama im Haus. Aber vielleicht ist es seine art damit klarzukommen. Er braucht das alles noch. Ich fühle mich jedesmal sehr schlecht, wenn ich bei ihm bin.

    Ich habe vor 2 Tagen so intensiv von Mama geträumt, als ob sie bei mir wäre. Ich habe sie gefühlt und glaube auch gerochen. Es war ein komisches Gefühl, als ich aufgewacht bin. Auf der einen Seite hatte ich Tränen in den Augen auf der anderen Seite fühlte ich mich getröstet. Hört sich komisch an, war aber so. Als ib sie bei mir gewesen ist. Vielleicht war sie es....

    Immer wenn es mir sehr schlecht geht, sage ich mir: Sie muss nicht mehr leiden, ihr geht es gut, es ist ihr Schlimmeres erspart geblieben.

    Das beruhigt mich ein wenig. Hauptsache ihr geht es jetzt besser. Und ich weiss, dass wir uns irgendwann wiedersehen.

    Mein Mann ist Gott sei dank ein ganz liebevoller Mensch. Er hat total Verständnis, dass ich zwischendurch immer weine. Er tröstet mich. Er fragt auch jedesmal, ob er mit zum Friedhof gehen soll, oder ob ich alleine möchte. Ich bin sehr dankbar für einen so tollen Mann

    Ich wünsche euch allen ganz viel Kraft für all die kommende Zeit. Denkt daran, eure Mama schaut von oben zu und möchte nicht, dass ihr so leidet.

    Fühlt euch umarmt...

  • Ob die Mama von oben zuschaut ist fraglich. Wer weiß das schon. Und selbst wenn, ist mein Leben ohne ihr auf Erden viel ärmer. Sie wüsste das und wäre darüber unglücklich. Ihre größte Sorge war immer, dass es ihrem Mann oder ihren Kindern schlecht geht. Den Kindern geht es jetzt nicht gut und sie ist der Grund. Das würde ihr das Herz brechen. Müßig.

    Ich habe auch keinen Zugang zu den religiösen Vorstellungen, dass es einen Gott gibt und ein Leben nach dem Tod. Mag sein, mir fehlt der Glaube. Ich glaube eher, dass ein Leben nach dem Tod genauso ist wie ein Leben vor der Geburt. Da war nichts. Nichts an was ich mich jedenfalls erinnere.

    Das Leben meiner Mutter nach ihrem Tod spielt sich auf jeden Fall täglich bei mir ab. Überall ist sie gegenwärtig. Besonders in ihrem Haus, wie es ihr, Sanja und Antje, auch beschreibt. Dort ist fast alles noch so, wie sie es zuletzt verlassen hatte. Mit mir am Arm stützend. Damals war ich darüber nicht unglücklich, hoffte ich doch, dass der bevorstehende Krankenhausaufenthalt sie wieder genesen lässt. Keiner, sie auch nicht, hatte geahnt, dass ich sie zum allerletzten mal aus ihrem Haus führe.

    Jetzt ist dort ein Zustand, in den sie sofort wieder einziehen könnte. Ihre Medikamente, ihre Handtasche, ihre Kleidung, ihre Schuhe, ihr Notizbuch....alles an Ort und Stelle wie immer. Wie seit meiner Geburt. Jetzt muss ich das Kapitel schliessen. Ihr Kapitel, ihre Geschichten, ihr Buch soll ich nun beenden. Noch habe ich kein Happy End gefunden, bei dem ich erfüllt ihr Buch in meinem Leben enden lassen kann.

    Schon gar nicht in der Weihnachtszeit, die immer zauberhaft war.

    Liebe Sanja, wenn Du es wünscht, kannst Du mich gerne auch über meine Email Adresse kontaktieren, die Dir wohl zugänglich ist, wenn Du Dich anmeldest.

    Hoffentlich war es nicht wieder ein übler Tag für Dich.

    Liebe Grüße, vielleicht auch von oben.

  • Lieber Nicolas,

    Leider war es wieder ein schrecklicher Tag, meine Trauer überschattet wirklich alles... ein Anruf unter Tränen im Klinikum, in dem ich um Zusendung von Terminbestätigungen bat, endete damit, dass ich für Dienstag einbestellt wurde... die Damen in der Leitstelle der Onkologie, die meine Mum und mich seit über 10 Jahren kennen und immer sehr nett zu uns waren, konnten mich überreden, dort vorstellig zu werden, sie wollen mir helfen, sie merkten am Tel., dass es mir mehr als schlecht geht... ich fand das sehr lieb, weiß aber auch, dass sie mir im Grunde auch nicht helfen können... ich wollte es aber nicht ablehnen...

    Es ist unfassbar, dass das Szenario beim Verlassen des Hauses am 13.10. bei uns exakt genau so war, wie bei Dir, ich setzte meine arme Mum, am Arm geführt, in meinen Wagen, brachte sie aber nicht zum Klinikum, sondern zu einem KH in der Nähe, weil ich dachte, sie schafft sie nicht, die 1 Std Fahrt, das andere KH war nur 8 km entfernt... dort ist sie dann nach fast 3 Wochen gestorben, in meinen Armen...

    Was genau muss ich denn tun, um mich anzumelden? Bin nach mehreren Pillen irgendwie nicht dazu in der Lsge...

  • hy, ich bin florentina 13 Jahre alt und habe gestern meine Mutter verloren. Wir hatten ein Unfall, den sie nicht überlebte. Papa ist auch tod und jetzt muss ich ins Heim, deshalb kann ich dich verstehen. Ich weiß nicht, wie das Leben weiter gehen soll...

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