Ich komme mit dem Tod meiner Mama nicht klar

  • Hallo,

    Meine Mutter (55) ist leider dieses Jahr an Krebs verstorben und ich habe ziemlich große Probleme dies für mich zu akzeptieren und zu bewältigen. Ich habe sie mit meinem Stiefvater und meinen beiden Brüdern ein halbes Jahr bis in den Tod begleitet. Es war so furchtbar zu sehen wie sie Tag für Tag mehr und mehr leidet. Zum Ende hin war von ihr nichts mehr übrig. Wir mussten eine Entscheidung treffen, ob sie weiter behandelt wird oder die Schmerz- und Schlafmittel werden noch höher dosiert, sodass sie von all dem nicht mehr viel mitbekommt. Wir haben uns natürlich für letzteres entschieden, um ihr weiteres Leid ersparen zu können. Ich bin gerade mal 25 und meine beiden Brüder 17 und 30 Jahre jung. Ich habe das Gefühl, dass ich viel zu wenig Zeit hatte, da sie so früh von uns gegangen ist. Ich habe einen sehr tief sitzenden Schmerz, den ich auch als schmerzhaft im körperlichen Sinne wahrnehme. Sehr schlimm ist für mich auch die Tatsache, dass ich mich an Zeiten vor der Erkrankung nur schwach erinnere und die schlechten Zeiten umso so präsenter sind. Ich weiß nicht, wie ich ohne sie zurecht komme, da sie immer eine stützende Säule für mich war.


    Vielleicht habt ihr ja die ein oder andere Idee, um mir weiter zu helfen.


    Tat auch mal gut, dass alles niederzuschreiben!


    Mit freundlichen Grüßen

    Marvin

  • Lieber Marvin,

    mein allerherzliches Beileid. Ich kann mir gut vorstellen wie du dich fühlst. Auch ich kann mich im Moment nur an meine sterbende Mutter erinnern. Das Gesicht, als sie eingeschlafen ist, ist immer in meinem Kopf. Zwischendurch denke ich es wird besser, aber dann kann ich es nicht begreifen, dass sie nicht mehr wiederkommt. Es ist ja auch noch nicht lange her (August diesen Jahres). Nun kommt die dunkle Jahreszeit und Weihnachten. Sie hat Weihnachten geliebt. Letztes Jahr waren wir noch alle beisammen. Weiss nicht wie wir die Zeit überstehen. Immer wenn ich an ihrem Grab stehe, kann ich nicht glauben dass ihr Name da steht. Wir haben täglich telefoniert.

    Wir (meine beiden Schwestern), unterstützen meinen Papa wo es nur geht. Ihm geht es sehr sehr schlecht. Wir fahren über Silvester in den Harz, damit er nicht alleine ist.

    Irgendwann erinnerst du dich auch an die schönen Zeiten mit deiner Mama. Gib dir etwas Zeit. Man muss das erst mal alles begreifen und verarbeiten. Viele Menschen erzählten mir, dass es nach einem Jahr aufwärts geht. Wenn man alles einmal durchlebt hat. Geburtstag und die anderen Feiertage. Es ist wichtig, dass du trauerst.

    Ich wünsche dir bzw euch ganz viel Kraft

    Lieben Gruß Antje

  • Mein Beileid und danke das du dein leid mit uns teilst. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für diese schmerzhafte Zeit und ich kann deine Gefühle voll und ganz nachvollziehen, denn meine Mutti ist ebenso im Mai an Krebs verstorben und es tut unendlich weh (Ich bin 26 Jahre) ich kann nur hoffen, das du und deine Familie jetzt zusammenhält und das du immer jemanden zum reden hast und der dir zuhört. Ich weiß es ist ein schwere weg, lass alle deine Gefühle raus und unterdrücke es nicht. Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft

  • Hallo Machbi,

    Ebenfalls mein Beileid das auch du deine Mama verloren verloren hast. Ich denke es gibt nix schlimmeres als wenn ein Kind seine Mama verliert. Wir haben beide recht früh unsere Mütter verloren. Du mit 26j und ich mit 28j. Und jetzt steht auch noch die Weihnachtszeit vor der Tür. Das wird bestimmt hard das erste mal. Vor allem weil ich es immer jedes Jahr mit ihr zusammen verbracht habe. Ich hoffe sehr das die Zeit unsere Wunden im Laufe der nächsten Monate und Jahre etwas lindern wird. Ich werde demnächst eine selbsthilfe Gruppe besuchen um mich mit anderen auszutauschen etc. Ich wünsche dir auch ganz viel Kraft und Mut.

    LG brian

  • Euch Allen mein herzlichstes Beileid, meine Mama ist auch diesen August gestorben.

    Liebe Antje, mir geht es genauso, als meine Mama Nachts um 2 Uhr plötzlich aufgehört hat zu atmen und ich neben ihr am Bett gesessen bin, werde ich Mama ihr Gesicht auch nie vergessen.

    Sie lag da wie eingeschlafen, nur atmete sie nicht mehr und ihr Herz schlug nicht mehr. Dieser Moment und Anblick wird mich mein Leben lang begleiten.

    Ich hatte meine Mama mal ein Versprechen gegeben das ich mich um sie kümmern werde wenn sie mal älter ist und nicht mehr gut kann.

    Ich habe damals an der Tragweite nicht gedacht und wie schlimm das für mich werden wird, wenn man dann die eigene Mama bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet hat.

    Mir geht das nach nun 3 Monaten immer noch so nahe und ich vermisse meine Mama sehr.

    Der Grabstein ist noch nicht wieder aufgestellt worden, aber mir wird das genau so ergehen wenn ich dann ihren Namen darauf lesen werde, dass ich das nicht glauben kann.


    Ich habe bis zu meinem 52 Lebensjahr mit meiner Mama immer zusammen gelebt, die längste Zeit davon in unserem eigenen Haus. Es ist unsagbar schwer plötzlich Allein da zu stehen und zu merken, nichts ist mehr wie es einmal war und mit der Endgültigkeit sich abfinden müssen.

    Ich werde meine Mama immer vermissen und sie immer in meiner Erinnerung behalten, tot wird sie erst dann sein, wenn Niemand mehr an sie denkt und sie vermisst.


    Liebe Grüße an Euch..

    Dieter

  • Hallo an alle Trauernden,

    Ganz gleich, wie alt ihr seid und egal, wie alt der geliebte Mensch war, der nun nichr mehr bei uns ist....

    ES TUT SO UNSAGBAR WEH... es sind jetzt 03:29 Uhr und anstatt zu schlafen, lese ich in diesem Forum... ich bin nicht die Einzige in diesem Zustand völliger Gelähmtheit, unsagbarer Trauer und dem Gefühl der Leere, dem Gefühl, nur noch zu existieren aber nicht mehr zu leben... das verbindet uns alle miteinander... ich fühle z. B. genau wie Dieter... er spricht mir aus dem Herzen... auch ich konnte meine über alles geliebte Mama nicht retten... sie starb am 01.11. diesen Jahres im KH in meinen Armen, sie lag dort für fast 3 Wochen, ab dem 3. Tag blieb ich Tag und Nacht bei ihr, weil ich sie nicht alleine lassen wollte, ihr Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag (Metastasierter Krebs, Endstadium)... aber ich konnte bis kurz vor ihrem Tod noch mit ihr sprechen (sie konnte aber nur noch flüstern), konnte ihr noch Vieles sagen und ihr sie gehen lassen, auch wenn es im Nachhinein dadurch nicht weniger schlimm ist...

    Denn auch wenn man weiß, dass ein Mensch nicht mehr geheilt werden kann, dass er an dieser grausamen Krankheit sterben wird (die Ärzte sorgen schon dafür, dass man das ja nicht vergisst), haben wir nie die Hoffnung verloren und meine Mum hat gekämpft... mein Gott was hat sie gekämpft... sie lebte 2,5 Jahre mit Metastasen in der Leber, in fast jedem Knochen im Körper, am Schädeldach und seit August sogar noch am Bauchfell mit Wassereinlagerung im ganzen Körper... 2,5 Jahre Kampf... (Beginn des Kampfes aber schon 2009, Erstdiagnose Brustkrebs), war immer an ihrer Seite, immer diese ständige Angst... die einen innerlich aufgrisst...

    Ich kann somit absolut nachvollziehen, wie ihr alle euch fühlt, wie "leer" ihr seid, in welch tiefem Loch ihr sitzt... dass alles nur noch sinnlos scheint, dass man das Gefühl hat, dass man sich über nichts mehr freuen kann... weil man von Niemandem mehr das Kind ist...(mein Vater starb bereits vor 34 Jahren, da war ich selbst 20 Jahre alt)... auch das war schlimm aber mit dem Verlust der geliebten Mama nicht zu vergleichen... vor allem, wenn man täglich zusammen war... ich habe mich mein ganzes Leben um sie gesorgt, hab auf sie aufgepasst und immer Angst gehabt vor dem Tag, an dem sie mich/uns verlässt..und ich frage ich mich immer wieder, was ich noch hätte tun können, um ihr Leben zu retten... ich komme nicht darüber hinweg...deshalb schrieb ich auf ihren Sarg: "Meine Liebe und mein gebrochenes Herz legte ich Dir zum Abschied in Deine geschundenen Hände...",

    das trifft es einfach am besten...

    Wie und ob es weitergeht? Keine Ahnung... im Moment sehe ich noch kein winziges Licht am Emde des Tunnels...

    Fühlt euch alle fest umarmt, liebe Gleichgesinnte,

    LG, Sanja

  • Liebe Trauernde,


    meine Mama ist heute vor einem Jahr plötzlich und ohne Abschied gestorben.

    Unfassbar. Der Schmerz ist noch immer groß.


    Trotzdem ein paar Tipps, was man versuchen kann um nicht komplett "unterzugehen":

    + Briefe an die Verstorbenen schreiben

    + Hospizdienste veranstalten Kurse, Trauercafé und bieten Trauerbegleitung an

    + Trauertagebuch führen (gibt es online als pdf oder im Handel als Buch)

    + Sinnsuche, Spirituelles, Beten " Bittet und es wird Euch gegeben")

    + Einige Trauernde haben ein Medium aufgesucht

    + Sich klammern an das Wissen, dass NICHTS bleibt wie es ist, auch der Schmerz verändert sich


    Nur in der Tiefe der Seele,

    mithilfe jener Kraft,

    die stärker ist als

    alle Vernünftigkeit,

    kann Trost und Ruhe

    gefunden werden.


    Wilhelm Busch


    Ich glaube, dass wenn der Tod unsere Augen schließt,

    wir in einem Lichte stehen,

    von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.


    Arthur Schopenhauer

    Mit mitfühlenden Grüßen

    Mensch

  • Ihr Lieben,

    ich finde dieses Trauerforum sehr hilfreich.Viele verschiedene Geschichten und doch so viele Gemeinsamkeiten,man ist in seiner Trauer nicht allein.Liebe Sanja,ich habe geweint,als ich von deiner Mama gelesen habe,zu wissen,dass sie erlöst ist muss dein Trost sein. Ich denke auch immer,ob ich nicht etwas hätte machen können,vielleicht ein anderes Krankenhaus,andere Medikamente.Haben die Ärzte alles richtig gemacht?Aber darauf gibt es keine Antworten.Ich bereue auch jeden dummen Streit,im Nachhinein stelle ich mir die Frage,ob meine Mutter gewusst hat,wie sehr ich sie geliebt habe.Ich war in den Monaten vor ihrem Tod manchmal aus Überforderung ungeduldig.Kennt ihr das Gefühl?Dieter,ich habe meine Mama nach ihrem Tod,nachdem die Ärztin und Schwester sie von ihren Nadeln etc befreit hatten und so schön gewaschen hatten,photografiert.Manchmal schaue ich mir das Photo an,um es zu begreifen und ich sehe den Zähler am Monitor wieder auf Null stehen,das vergesse ich bis zu meinem Lebensende nicht.

    Jetzt kommt auch noch Weihnachten,wünschte,es wäre schon vorbei.

    Kornelia

  • Liebe Kornelia, deine Worte haben mich sehr berührt, vielen Dank dafür...

    Das mit der Ungeduld kenne ich auch... ich habe meine Mum immer motiviert, bloß nicht aufzugeben und auf jeden Fall zu kämpfen... immer und immer wieder... ich habe sie angefleht, mich in dieser oft bösen Welt nicht alleine zu lassen, auch deshalb, weil ich immer gesagt habe, dass sie der Sinn meines Lebens ist, dass ich nur auf dieser Welt bin, weil es meine Aufgabe ist, mich um sie zu kümmern und nach dem Tod meines Vaters auf sie aufzupassen... meine Mutter hatte von frühester Kindheit an ein schreckliches und sehr leidvolles Leben, konnte sich nie etwas leisten, kannte nur Arbeit, Kummer und Sorgen, deshalb ist sie wohl auch so krank geworden... für mich war es selbstverständlich, ihr Leben zu beschützen, ihr Freude zu bereiten, sie zu beschenken, mit ihr in Urlaub zu fahren etc. Gott sei Dank habe ich es in den letzten 2,5 Jahren geschafft, noch Vieles möglich zu machen, war im Juni noch 10 Tage mit ihr im Süden... nur das Konzert von a-ha am 15.11., auf dass sie sich dermaßen gefreut hat, konnte sie nicht mehr erleben... da niemand die 3 Konzertkarten kaufen wollte, bin ich mit meinem Mann dann doch alleine hin... ich habe ein Schild mit ihrem Foto dabei gehabt und dieses bei ihrem Lieblingssong hochgehalten... das Konzert war unglaublich aber wir haben die ganze Zeit nur geweint... weil sie nicht dabei sein konnte, ich hoffe aber, dass sie von "oben" zugeschaut hat...

    Glaube mir bitte, dass deine Mum ganz ganz sicher weiß, wie sehr du sie liebst und wie sehr du sie vermisst... Mütter wissen das einfach instinktiv... und dass man nicht immer einer Meinung ist, gehört dazu... dadurch lernt man auch voneinander... ich denke aich, dass man sich deshalb schonmal streitet, wril man sich so ähnlich ist... zumindest in vielerlei Hinsicht, auch unbewusst... meine Mum hat sich schonmal beklagt, ich würde sie wie ein Kind behandeln, aber gkeichzeitig sagte sie, dass die Rollen sich vertauscht haben... und für mich ist es wirklich so, als wäre nicht meine Mutter, sondern mein Kind gestorben, zumal sie 79 Jahre alt (immer deutlich jünger wirkend) und zum Schluss sehr hilflos war und ich zudem - leider - keine Kinder habe...

    Ich klammere mich sn den Gedanken, dass ich meine Mum im Himmel wiedersehe... so, wie es in der "Regenbogenbrücke" beschrieben ist... das war eun Bestandteil der Trauerrede (10 Seiten), die ich selbst verfasst habe...

    Die Geschichte über die "Regenbogenbrücke" wurde mir vom Bestatter vorgeschlagen... passt einfach... da ist vom "Wiedersehen" die Rede... das ist das Einzige, woran ich mich im Moment festhalten kann und mein Leitspruch: Die Liebe zwischen Mutter und Tochter ist für immer...

    Es tröstet mich ein wenig, dass wir Soviele sind, die das Selbe fühlen... die innerlich zerrissen sind, die surch sen Tod der geluebten Mama gewissermaßen mitgestorben sind...

    Nichts ist mehr, wie es war und wird es auch niemehr sein... ich umarme dich und alle, die genauso denken und fühken, ganz fest...

    Traurige Grüße von Sanja

  • Was Weihnachten oder ähnliche Feiertage betrifft...allein der Gedanke daran... grausam.. das geht garnicht, wir waren zu den Festtagen seit ganz vielen Jahren immer zusammen... Weihnachten und Silvester ohne meine geliebte Mama??? Das geht garnicht, fällt aus...

    Antje, Dieter und alle anderen... wie kommt ihr zurecht?

    Wenn mein Mann schläft und ich wieder diese Heulkrämpfe bekomme, fahre ich nachts mit dem Auto durch die Gegend, weine, schreie meinen Kummer und meinen Schmerz heraus... hört ja keiner... danach gehts mir ein bisschen besser...

    Ich habe sowieso das Gefühl, dass Außenstehende (Freunde etc.) oft überfordert sind, wenn man ständig und überall weinen muss, man hört ein Lied oder sieht irgendetwas, das reicht schon aus...

    Mein Stiefvater, der natürluch selber trauert, sagte mir vor kurzem: "Du musst jetzt nicht mehr weinen, du konntest nicht mehr tun... es ist doch alles gut gelaufen...".

    Nein... ist es nicht!

    Mama hat ihm gesagt, er solle, wenn ihr etwas passiert, auf mich aufpassen, ich würde durchdrehen... wie gut sie mich doch kannte...;(... man muss also irgendwie allein mit seinem Schmerz fertig werden... jeder trauert anders... der eine geht nach kurzer Zeit zur Tagesordnung über... zu dieser Sorte gehöre ich aber nicht...

  • Was Weihnachten oder ähnliche Feiertage betrifft...allein der Gedanke daran... grausam.. das geht garnicht, wir waren zu den Festtagen seit ganz vielen Jahren immer zusammen... Weihnachten und Silvester ohne meine geliebte Mama??? Das geht garnicht, fällt aus...

    Antje, Dieter und alle anderen... wie kommt ihr zurecht?

    Wenn mein Mann schläft und ich wieder diese Heulkrämpfe bekomme, fahre ich nachts mit dem Auto durch die Gegend, weine, schreie meinen Kummer und meinen Schmerz heraus... hört ja keiner... danach gehts mir ein bisschen besser...

    Ich habe sowieso das Gefühl, dass Außenstehende (Freunde etc.) oft überfordert sind, wenn man ständig und überall weinen muss, man hört ein Lied oder sieht irgendetwas, das reicht schon aus...

    Mein Stiefvater, der natürluch selber trauert, sagte mir vor kurzem: "Du musst jetzt nicht mehr weinen, du konntest nicht mehr tun... es ist doch alles gut gelaufen...".

    Nein... ist es nicht!

    Mama hat ihm gesagt, er solle, wenn ihr etwas passiert, auf mich aufpassen, ich würde durchdrehen... wie gut sie mich doch kannte...;(... man muss also irgendwie allein mit seinem Schmerz fertig werden... jeder trauert anders... der eine geht nach kurzer Zeit zur Tagesordnung über... zu dieser Sorte gehöre ich aber nicht...

  • Liebe Sanja,

    der Pastor hat bei der Beisetzung auch von der Regenbogenbrücke gesprochen,ein trostspendender Gedanke.

    Für mich fallen dieses Jahr auch Weihnachten und Silvester aus,ich kann mich ohne meine Mutter nicht daran erfreuen.

    Weinen hilft sehr,nach 6 Monaten ist es etwas besser geworden,man kann irgendwie mit dem Verlust leben.Ich gehe wieder arbeiten und sollte jetzt eigentlich schlafen,unternehme auch wieder einiges,aber alles nur,um abgelenkt zu sein.Richtige Freude kann ich nicht mehr spüren.Manchmal denke ich,dass es immer so bleiben wird.

  • Liebe Kornelia,

    im Moment kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemals besser wird... im Gegenteil... erst heute wurde ich mehrfach auf das Befinden meiner lieben Mama angesprochen, ich war gezwungenermaßen in der Stadt unterwegs... man kannte uns seit Jahren nur im Doppelpack... jeder mochte sie, jeder beneidete mich um sie, sie war einfach unglaublich, sie strahlte soviel Herzlichkeit aus und war dabei höflich zurückhaltend, sie wusste aber ganz genau, was sie wollte und was nicht (Sternzeichen Jungfrau), ich habe immer zu ihr aufgeschaut und sie für ihren Mut und ihre Stärke bewundert...

    Sobald dann in einem Laden gefragt wird, ob etwas passiert sei, ob etwas mit meiner Mama sei, breche ich schwallartig in Tränen aus... es gibt doch noch liebe, mitfühlende Menschen, die mich/uns zwar kennen, aber eben nur als Kunden, die mich aber sofort in die Arme nehmen, um zu trösten... leider wirds dann noch schlimmer, es war wieder so ein Heul-Tag, ich konnte es nicht verhindern, konnte mich nicht beherrschen...das kennst du sicher von dir Selbst... mir wird jeden Tag mehr bewusst, dass meine Mum immer und bei allem fehlt... ich schaue mir Videos aus unserem letzten Urlaub im Juni an, die habe ich Gott dei Dank, ich stelle auf ganz laut, dann kann ich ihre Stimme hören und sehe sie den Strand entlang laufen...währenddessen kullern die Tränen...bis mir jemand das Handy wegnimmt... ich habe das Schlafanzugoberteil, das sie trug als sie starb, in eine Tüte gepackt, und ich habe noch einen angebrochenen Tiegel der Gesichtscreme, die sie immer benutzt hat... im KH habe ich sie in den letzten Tagen morgens und abends gewaschen und ihr das Gesicht mit dieser Creme eingecremt (Lavera)... daran rieche ich täglich, ich schließe meine Augen und stelle mir vor, dass sie ganz nah bei mir ist...mancher würde sowas vielleicht als "krank" bezeichnen... ist mir egal... hast du noch Dinge bei dir, die dich sofort an deine liebe Mum erinnern, vlt. Kleidung, die noch nach ihr duftet??? Mich beruhigt das irgendwie... bis zum nächsten Heulkrampf...

    Gruß, Sanja

  • Liebe Kornelia,

    Ich hoffe und bete für uns alle und besonders auch für dich, dass die "Zeit die Wunden heilt"... irgendwie, irgendwann, dass wir alle einen Weg finden, mit dem unbeschreiblichen Verlust klarzukommen... ich bewundere auch, dass du es hinbekommst, zu arbeiten... mit wem kannst denn du sprechen? Hast du noch Familienangehörige, die für dich da sind? Hast du wie ich liebe Freunde, die dir zuhören, dich in den Arm nehmen? Es wäre schrecklich für mich, wenn du deinen Kummer allein tragen müsstest... fühle dich ganz fest umarmt

  • Liebe Sanja,

    ich befürchte,dass auch die Zeit die Wunden nicht heilen kann.Man lebt mit dem Verlust,aber er wird immer gegenwärtig sein,mal mehr,mal weniger.So oft denke ich am Tag,was ich meiner Mutter alles erzählen könnte,was ich erlebt und gesehen habe.

    Ich ziehe gerne eine alte Strickjacke meiner Mama an,das gibt mir ein gutes beruhigendes Gefühl.Zur Tagesordnung kann ich auch nicht übergehen,am liebsten würden ich wegziehen,um allen Leuten hier aus dem Weg zu gehen.

  • Liebe Kornelia,

    ich danke dir, dass du geantwortet hast, das ist im Moment das Einzige, was ich verfolge, ziehe mich immer mehr zurück.

    Und ich kann dich so gut verstehen... wirklich... ich mag den Spruch eigentlich nicht, weil es meist nicht stimmt...dafür waren wir einfach zu lange mit unseren Müttern verbunden - ein ganzes Leben - und sind es noch...

    das mit der Strickjacke ist sehr schön, ich habe auch eine hier... die trug meine Mum auf dem Weg ins KH... am 13.10.

    Was das Wegziehen betrifft, auch das kann ich absolut nachvollziehen...gerade heute habe ich noch gedacht, dass ich im Moment am liebsten abhauen würde, einfach mal weg aus der Umgebung, weg von den Menschen, die zwar helfen und gute Ratschläge geben wollen, die das aber garnicht nachempfinden können, wie es ist, DEN Menschen zu verlieren, den man schon sein ganzes Leben kennt, und dass man den Schmerz kaum aushalten kann... meine Mum starb am 1. November, dass sind heute 4 Wochen...wieso erwartet mein Umfeld von mir, "dass es doch jetzt mal langsam "besser" werden müsste??? Niemand scheint mich und meine Trauer richtig zu verstehen... alle denken wohl, jetzt ist mal gut mit der Heulerei... das macht mich wütend und hilft mir überhaupt nicht... auch deshalb würde ich am liebsten abhauen...

    vielleicht mache ich das... kommst du mit?

    Traurige Grüße, Sanja

  • Abhauen ist nur bedingt hilfreich. So wie wir Verständnis für unsere Trauer erwünschen, so sollten wir auch Verständnis für die unbeteiligte Umgebung haben. Wer das, was wir gerade durchleben, noch nie erfahren hat, kann auch kaum unser Seelenleben nachvollziehen. Ich ertappe mich dabei auch, dass ich anderen unterstelle, sie meinen, ich sollte mal langsam wieder aufhören zu trauern. Dabei hat das so noch nie einer geäußert oder erkennen lassen. Natürlich will ich die anderen nicht mit meinem Trübsinn belasten, aber das ist meine Einschätzung. So wie ich mit meiner Situation überfordert bin, sind es andere mit dem Umgang mit mir. Wie gesagt, nur Leidensgenossen können wirklich mitfühlen und empfinden.

    Und wohl auch nur diejenigen, deren Trauer nicht zu lange zurück liegt. Die Zeit hat ihre Wirkung auf den Schmerz. Man lernt damit zu leben. Gewöhnung trifft es nicht ganz, verharmlost dieser Begriff doch zu sehr den Verlust eines unverzichtbaren Menschen.

    Aber so etwas ähnliches empfinde ich. Ich will nicht davon laufen, ich will lernen unbeschwert wieder leben zu können.

  • Lieber Nicolas,

    Danke fürdeine Sichtweise...natürlich hast du irgendwie Recht, dass man von seinem Umfeld nicht das erwarten kann, was man sich wünschen würde... bei mir ist es allerdings so, dass nicht Bekannte kein Verständnis haben (eher im Gegenteil), sondern mein Mann und der Partner meiner Mutter. Anfangs tröstete mein Mann mich noch und passte fast wie ein Wachhund auf mich auf, nach 2,5 Wochen ließ seine "Fürsorge" rapide nach... so, als müsste ich ab sofort wieder ganz normal funktionieren... von meinen nächtlichen Ausflügen incl. Schrei- und Heulkrämpfen (Auto) bekommt er eh nichts mit...auch mein "Stiefvater" sagte zu mir schon nach 2 Wochen ich könne doch jetzt langsam mal aufhören zu weinen...

    Ich habe aber den "Knopf" noch nicht gefunden... seit kurzem versuche ich mir mit Beruhigungs-Tbl. zu helfen, damit ich nicht durchdrehe und damit ich meinen Mitmenschen nicht so auf die Nerven gehe... aber Weinen muss ich trotzdem...

    Meine Mama war immer mein Leben, meine Welt, unsere Verbindung war so innig und so besonders, mein ganzes Leben war auf sie eingerichtet... jetzt ist sie nicht mehr da, ich fühle mich leer und nutzlos, hab keine Aufgabe mehr und weiß oft nicht, wofür ich überhaupt noch da bin... meine Mzm hat mich gebraucht und sie war der einzige Mensch auf der Welt, der mich verstanden hat, immer und der mich bedingungslos geliebt hat...warum hat der Herrgott nicht mich genommen?

    Du merkst schon, es ist wieder soweit... ich kann wegen der Tränen nichts mehr sehen....;(;(;(

    S.

  • Liebe Sanja,

    Vieles von dem was Du schreibst, habe ich auch so erlebt bzw empfinde ich aktuell vergleichbar.

    Meine Mutter war ebenfalls die einzige Person, die mich völlig verstanden hat, die mich so akzeptiert hat, wie ich bin, die exakt die gleiche Wellenlänge hatte. Es bedurfte nicht vieler Worte, um unsere Gedanken auszutauschen. Jeder wusste, was der andere dachte. Wir waren uns in den Einstellungen zum Leben so einig. Ich war für sie, seit dem Tod meines Vaters, der wichtigste Mensch und das machte sie oft deutlich. Trotz meiner Familie mit zwei lieben Kindern war sie immer für mich der Anker.

    Wie Du schreibst, bedingungslose Liebe! Egal was ich angestellt hätte, sie hätte mich immer gleich geliebt. Ein wunderbares Gefühl, so jemanden zu haben. Jetzt ist es weg, aber Dankbarkeit muss gesehen werden, diese Mutter gehabt zu haben. Das haben nicht alle, vielleicht nur wenige. Diese Erkenntnis hilft nur wenig über den Schmerz, aber ist doch so entscheidend. Hätten wir nicht diese enge Bindung gehabt, ginge es uns jetzt evtl besser in der Trauer, aber sicher nicht auf die lange Sicht unseres Lebens.

    Meine Frau äusserte sich auch sehr unsensibel und verletzend in der Zeit, als meine Mutter im Sterben lag. Sie war genervt, da ihr Alltag durch meine Situation litt. Beide Eltern von ihr leben noch. Das erklärt, wie jemand in dieser Situation so wenig einfühlsam reagieren konnte. Ich muss es ihr nachsehen.

    Laienpsychologisch will ich Dir raten, heule so oft Du willst und wenn Dir danach ist. Gib Dir die Zeit zu Trauern mit aller Geduld. Lass Dich nicht von außen unter Druck setzen und Knöpfe suchen, die es bei Dir nicht zu Drücken gibt. Irgendwann wandelt sich die Trauer und der Schmerz. Irgendwann, nicht heute oder morgen.

    Fühle Dich von mir gedrückt. Es geht so vielen wie uns. Wir haben eben geliebt.

    • :)
    • :(
    • ;)
    • :P
    • ^^
    • :D
    • ;(
    • X(
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