Ratgeber

Bestattung

Der Tod eines nahen Angehörigen ist ein schwieriges und unter Umständen auch traumatisches Ereignis im Leben eines jeden Menschen. Die notwendigen Maßnahmen, die aufeinander abgestimmt sein müssen, können zu einem unüberwindlichen Berg anwachsen, der den Betroffenen in seinem Schmerz zu überwältigen droht.

Bestattungsinstitute kümmern sich nicht nur um die Organisation der Trauerfeierlichkeiten, den Trauerdruck und die Beisetzung, sondern erledigen für Sie auch Amtswege und beraten Sie in allen Belangen rund um den Tod eines Menschen.

Bestatter sind durch den täglichen Umgang mit den betreffenden Behörden bestens geschult und kennen vor allem auch die örtlichen Gepflogenheiten. Sie wissen mögliche Abkürzungen durch den Instanzenweg und können Sie bei jeder notwendigen Maßnahme in dem Umfang unterstützen, den Sie wünschen.
Durch das Trauerhilfe-Netzwerk sind Trauerhilfe-Partnerbetriebe auch für ungewöhnliche Wünsche oder komplizierte Abwicklungen stets ein kompetenter Ansprechpartner.

Wenn Sie einen Todesfall haben und Ihr Bestattungsinstitut aufsuchen, benötigen Sie folgende Dokumente des Verstorbenen:

    die Geburtsurkunde
    den Staatsbürgerschaftsnachweis
    die Heiratsurkunde/Scheidungsurteil
    nichtösterreichische Staatsbürger: Reisepass


Für den Trauerdruck (Parte und Sterbebild) benötigen Sie ein Bild des Verstorbenen, das Sie entweder als Foto oder auf einem Datenträger mitbringen. Sie können Ihrem Bestatter das Bild natürlich auch per Mail schicken.

Das Bild des Verstorbenen kann ein Passbild sein, es kann aber auch ein Bild sein, das ihn in einer Situation seines alltäglichen Lebens zeigt oder bei einem Ereignis, an das Sie sich gerne erinnern. Es gibt hier keine strengen Konventionen mehr.

Wenn Sie Bekleidung für Ihren Verstorbenen auswählen, achten Sie darauf, dass es Bekleidung ist, die der Verstorbene gerne getragen hat und die nicht zu eng ist. Vergessen Sie Strümpfe und Unterbekleidung nicht. Wenn Ihr Verstorbener obduziert wird, wählen Sie bitte hochgeschlossene und langärmlige Hemden, T-Shirts, Pullover oder Jacken.

All diese Dinge müssen Sie beim Erstgespräch nicht unbedingt mitbringen. Wenn es Ihnen nicht gut geht, wenn Sie aufgrund des Sterbefalles durcheinder sind, die Dokumente erst suchen müssen, dann besuchen Sie einfach Ihren Trauerhilfe-Bestatter, er wird die wichtigsten Daten aufnehmen und mit Ihnen jene Angelegenheiten besprechen, welche vordringlich sind. Alles weitere - Dokumente, Fotos und Bekleidung - können Sie nachbringen.

Überlegen Sie sich einen Wunschtermin für die Trauerfeierlichkeiten. Eine Beerdigung oder Verabschiedung muss nicht nach 3 Tagen erfolgen. Es ist oft sinnvoller und hilfreicher, den Termin der Beisetzung oder der Verabschiedung später anzusetzen: Sie haben dann mehr Zeit, sich Gedanken über die Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten zu machen, alle wichtigen Personen zu informieren und vor allem haben Sie Zeit und Ruhe, sich vom Verstorbenen zu verabschieden.

Kommen Sie zur Ruhe und besuchen Sie einen TRAUERHILFE-Bezirkspartner in Ihrem Bundesland! Wir beraten und unterstützen Sie!

Ihre Trauerhilfe-Team
Nach den Bestimmungen des Bestattungsgesetzes ist jeder Leichnam zu bestatten. Als Bestattungsarten sind nur die Erd- oder Feuerbestattung zulässig. Wenn der Verstorbene zu Lebzeiten keine Entscheidung über die Art der Bestattung getroffen hat, entscheiden die Angehörigen oder der Auftraggeber darüber.

Die Erdbestattung
Bei der Erdbestattung wird der Verstorbene in einem Sarg in einer Grabstelle auf dem Friedhof beigesetzt. In der Friedhofsordnung sind unter anderem die Ruhefristen, die Art und Beschaffenheit der Grabstätte festgelegt.
Es gibt Reihen- oder Wahlgräber. Ein Reihengrab (Einzel­grab) liegt in einem Feld von Reihengräbern. Die Stellen werden der Reihe nach belegt. Die Reihengräber können gegenüber dem Wahlgrab  (auch „Familien“- oder „Spezialgrab“) in der Regel nicht wieder erworben werden. Sowohl am Wahlgrab als auch am Reihengrab wird durch eine Gebühr ein Nutzungsrecht erworben. Nach Ablauf einer bestimmten Mindestruhezeit (zwischen 10 und 20 Jahren) besteht bei Wahlgräbern die Möglichkeit, dieses Nutzungsrecht zu verlängern.

Bei weiteren Bestattungen muss die Ruhezeit eingehalten werden und das Nutzungsrecht dementsprechend nacherworben werden.

In manchen Friedhöfen ist es möglich, Verstorbene in einer Gruft bestatten zu lassen. Eine Gruft ist ein ausgemauertes Familiengrab, das mit einer Grabdeckplatte verschlossen wird. Der Verstorbene muss hier in einem Metallsarg, in einem Metallsarg mit Zinkeinsatz oder in in einem Holzsarg mit einem Metall-Übersarg beigesetzt werden. Das Benützungsrecht wird für mehrere Jahrzehnte erworben und kann nach Ablauf verlängert werden.

Die Feuerbestattung
Die Feuerbestattung ist rechtlich, sowie nach den christlichen Religionen der Erdbestattung gleichgestellt.

Der Verstorbene muss in einem Sarg eingeäschert werden. Natürlich darf in einer Einäscherungskammer jeweils nur ein Leichnam kremiert werden. Um die Identität des Verstorbenen und seiner Asche zu gewährleisten, wird dem Sarg bei der Einäscherung eine mit einer Nummer versehene kleine Schamottmarke beigelegt. Diese Marke ist nach der Kremation, der Aschenkapsel, die der Aufnahme der Asche dient, beizugeben. Das Vermischen der Asche mehrer Personen ist ausgeschlossen. Urnen mit der Asche von Verstorbenen sind in einer Bestattungsanlage (Friedhof, Urnenhain) zu bestatten. Außerhalb eines Friedhofes darf eine Urne nur mit Genehmigung der dafür zuständigen Behörde beigesetzt werden.

Alternative Formen der Feuerbestattung
Die Bestattung im Weltraum ist eine neue und interessante Möglichkeit für die letzte Heimstätte. Ein Teil der Asche des Verstorbenen wird in eine kleine Metallkapsel abgefüllt und in die Erdumlaufbahn gebracht.

Möglich ist auch, durch ein spezielles Hochdruckverfahren aus der Asche einen oder mehrere Diamanten fertigen zu lassen. Die Diamantbestattung macht es möglich, dass der Verstorbene in der Familie bleibt und z.B.: zu einem Schmuckstück gefertigt wird.

In Deutschland und in der Schweiz gibt es die Möglichkeit der Baum-, Berg- oder Almwiesenbestattung. Die Urne des Verstorbenen wird bei einem Baum, auf einer Wiese oder in einer Felsspalte beigesetzt.

Bei der Luftbestattung wird die Asche während der Fahrt in einem Heißluftballon über einem Waldgebiet in Frankreich ausgestreut. Bis zu zwei Angehörige können an der Ballonfahrt teilnehmen.

An der Nord- oder Ostsee gibt es die Möglichkeit der Seebestattung, bei der die Urne in einem vergänglichen Gefäß auf dem Grund des Meeres abgelassen wird. Den Angehörigen wird danach eine Seekarte mit der genauen Position ausgehändigt.

"Wenn Sie besondere Wünsche im Umgang mit der Asche Ihres Angehörigen haben, kontaktieren Sie uns bitte für weitere Informationen."

Auffliegende weiße Tauben oder Luftballons, Konfettikanonen, New Orleans-Jazz, bemalte Särge, Weltraumbestattung, Diamant-Bestattung oder das Tragen eines Amuletts, in das Asche des Verstorbenen eingearbeitet ist – für einige Menschen sind diese ungewöhnlichen, jedoch lebendigen Bestattungsformen oft der richtige Weg, mit ihrer Trauer, dem Verlustschmerz und der Todesfurcht umzugehen. Wir haben heute die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Ritualen jenes zu wählen, das am besten zum verstorbenen Menschen passt und seinen Wünschen gerecht wird. Angehörige sollten sich aber auch darüber Gedanken machen, welche Bestattungsformen und Abschiedrituale ihren eigenen Bedürfnissen entsprechen.



Bei der Wahl des passenden Abschiedsrituals können 4 Leitfragen helfen:


    Was möchte ich meinem Verstorbenen noch sagen und wie möchte ich es ihm sagen?
    Was möchten wir für unseren Verstorbenen noch tun?
    Was möchten wir ihm mitgeben?
    Was möchten wir uns von unserem Verstorbenen mitnehmen, dass wir uns besser an ihn erinnern können?

Traditionelle Bestattungen – einst Monopol der Kirchen – sind deutlich rückläufig. Die Trauerkultur verändert sich. Oft sind Vorstellungen über eine individuelle Bestattung unkonventionell und der Bestatter im 21. Jahrhundert muss den vielfältigen Ansprüchen gerecht werden. Er ist Dienstleister, Zeremonienmeister sowie Ritualdesigner gleichzeitig. Das Internet bietet als Ergänzung zu Todesanzeigen und Kondolenzbüchern die Möglichkeit, dem Verstorbenen ein “ewiges Denkmal” zu setzen. Auch wenn viele Veränderungen in unserer Trauerkultur begrüßenswert sind, weil sie wieder „bunter und lebendiger“ wird, müssen eventuelle Vor- und Nachteile von traditionellen und modernen Bestattungsformen gut überlegt werden.

Da Familienmitglieder heute häufig weit voneinander entfernt leben, sind der regelmäßige Besuch eines Grabes und die eigenhändig durchgeführte Grabpflege oft schwer möglich. Moderne Bestattungsarten, wie die Baum-, Luft- oder Seebestattung, entbinden die Angehörigen von den mit einer Grabstätte verbundenen Kosten und der Pflicht der regelmäßigen Grabpflege. Sie müssen sich keine Sorgen um regional unterschiedliche Mietzeiten einer Grabstätte machen. Die meisten alternativen Bestattungsarten sind nicht nur erschwinglich, sondern auch günstiger als die Folgekosten für ein Grab.

Für viele Hinterbliebene ist es allerdings wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie den Verstorbenen besuchen können. Einen solchen Ort zu haben und ihn auch zu pflegen, darf daher nicht nur von der Kostenseite her gesehen werden. Die Pflege des Grabes oder die Gestaltung einer Urnennische sind kreative Möglichkeiten des Erinnerns an unsere Verstorbenen und somit auch wichtig für die Trauerarbeit der Hinterbliebenen. Bei einigen modernen Bestattungsformen gibt es keine Möglichkeit ein individuelles Grab zu besuchen und zu pflegen. Bei vielen kann die Grabstelle zwar besucht werden, die Möglichkeit der kreativen Gestaltung entfällt aber weitgehend.

In christlichen Kirchen bestimmen bei Trauerfeiern und Trauergottesdiensten die christliche Liturgie und die christlichen Glaubensinhalte den Leitfaden für einen bestimmten Ablauf und die Gestaltung der Zeremonie.

Islamische Totenfeiern finden in Moscheen unter der Leitung eines mohammedanischen Geistlichen statt.

Für die Einhaltung jüdischer Totenriten sorgt der Rabbiner in der Synagoge.

Den Menschen buddhistischen Glaubens steht in Wien die Friedenspagode zur Verfügung.

Profane Trauerfeierlichkeiten, die nicht an Konfessionen gebunden sind, werden nicht von einem Geistlichen, sondern von einem Ritualbegleiter oder einem Trauerredner geführt. Die inhaltlichen Schwerpunkte setzen die Angehörigen zusammen mit dem Bestattungsinstitut unter Berücksichtigung der geistigen Einstellung und Lebensphilosophie der verstorbenen Person und der Angehörigen.

Ihr TrauerHILFE-Bestatter wird mit Ihnen gemeinsam jene Bestattungsform und jene Trauerrituale wählen, die zum Leben Ihres Verstorbenen passen und Ihren Bedürfnissen als Angehörige passen.

Eine Trauerfeier sollte insbesondere so gestaltet werden, dass sie zum Leben des Verstorbenen passt, seinen Vorstellungen entspricht und den Bedürfnissen und dem gesellschaftlichen Status der Hinterbliebenen gerecht wird.

Eine würdevolle und persönlich gestaltete Trauerfeier dient der letzten Abschiednahme, dem Respekt und dem Dank an den Verstorbenen. Sie ist Anlass zur Besinnung, zum Nachdenken über Vergänglichkeit und Verlust und für viele auch zum Gebet. Vor allem signalisiert die Trauerfeier den Beginn des eigentlichen Trauerprozesses und des liebenden Gedenkens.

Die Geschichte der Bestattung ist so alt wie die Menschheit selbst. Die ehrwürdigen Traditionen haben sich im Wandel der Zeiten zum Teil erhalten, zum Teil auch gravierend verändert. Der Bestatter von heute versorgt nicht nur die Toten und erledigt sämtliche Formalitäten. Er pflegt auch die hilfreichen Bräuche der Vergangenheit in Verbindung mit zeitgemäßen und individuellen Komponenten in den Trauerfeiern des 21. Jahrhunderts.

Feste Abläufe geben Halt und Struktur

Vor dem Beginn der offiziellen Aufbahrung und der öffentlichen Trauerfeier ermutigen wir die engsten Angehörigen und Freunde, an den offenen Sarg zu treten, um den Tod des verstorbenen Menschen zu realisieren. Erst, wenn Angehörige den Tod realisiert haben, können Trauergefühle aufkommen und erst dann kann die eigentliche Trauerarbeit beginnen.

Der traditionelle Ablauf einer Trauerfeier gliedert sich auch heute noch in die drei Phasen Aufbahrung, Trauerfeier und Bestattung:

Die Aufbahrung des/der Verstorbenen ermöglicht es, dem weiteren Bekanntenkreis bzw. der Öffentlichkeit vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Da das Abschiednehmen ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit ist, sollte die Möglichkeit der Teilnahme an der offiziellen Trauerfeier nicht nur den engsten Angehörigen ermöglicht werden.

Die Trauerfeier ergänzt und vertieft die Abschiednahme, weil sie den Angehörigen und der gesamten Trauergesellschaft noch einmal Leben und Werk des/der Verstorbenen in Erinnerung ruft.

Der letzte gemeinsame Weg zum Grab symbolisiert schließlich noch einmal die Verbundenheit mit dem Toten und bedeutet für diesen ein Ende in Würde. Für die Hinterbliebenen und für alle Teilnehmer, die dem Toten in der einen oder anderen Weise verbunden waren, bedeutet es Loslassen und Neuanfang.

Vor der Trauerfeier sollten die Angehörigen ein Gespräch mit dem Geistlichen, dem Trauerredner oder einem Ritualbegleiter ihrer Wahl führen. Es ist wichtig zusammenzustellen, wer benachrichtigt werden muss und dem Bestattungsinstitut die Wünsche für die Gestaltung der Feier weiterzugeben. Vielerorts ist es ein schöner Brauch, dass sich die Trauergäste vor Betreten der Einsegnungshalle in Kondolenzlisten oder -bücher eintragen. So können die Hinterbliebenen feststellen, wer an der Trauerfeier teilgenommen hat, und sich später persönlich, durch eine Anzeige in der Zeitung und/oder eine Danksagung in Form einer Karte für die Anteilnahme bedanken.
Die eigentliche Trauerfeierlichkeit richtet sich nach der jeweiligen Konfession des/der Verstorbenen. Das reicht vom relativ strikten Ritus der katholischen Kirche mit Einsegnung und Messe bis zur frei ausgestalteten Feierlichkeit mit musikalischer Untermalung oder individueller Ritualgestaltung.

Nach der Abschiednahme und der Entgegennahme der Kondolenzbezeugungen und mitfühlenden Worten treffen sich die Hinterbliebenen meist zum Totenmahl, im Volksmund auch „Leichenschmaus“ genannt.

Dekorative Elemente für die lebendige Erinnerung
Neben den Zeichen, Symbolen und Requisiten, die zu einer christlichen oder einer anderen religiös gebundenen Trauerfeier gehören, besteht heutzutage die Möglichkeit, den Toten mit Gegenständen, moderner Musik und Texten zu ehren, die seinen Beruf, seine Beziehung zu den einzelnen Familienmitgliedern, seine persönlichen Vorlieben und Interessen charakterisieren.

Wichtig ist, dass die Trauerfeier zum Leben des Verstorbenen passt und den Bedürfnissen der Angehörigen entspricht:

4 Leitfragen, die für eine individuelle Gestaltung hilfreich sein können:

    Was möchten wir unserem Verstorbenen noch sagen und wie möchten wir es ihm sagen?
    Was wollen wir für unseren Verstorbenen noch tun?
    Was wollen wir ihm mitgeben?
    Was wollen wir uns von unserem Verstorbenen mitnehmen, dass wir uns leichter an ihn erinnern können?

Die TrauerHILFE-Bestatter stehen Ihnen in allen Belangen individuell gestalteter Trauerfeiern mit viel Erfahrung und Sensibilität und mit praktischen Ratschlägen zur Seite.

Die TrauerHILFE-Partnerbetriebe sind selbstverständlich auch kompetent, Trauerfeiern für Gläubige verschiedenster Konfessionen zu organisieren.

Sprechen Sie uns an - am besten bereits im Rahmen von Vorsorgevorkehrungen!

Ihr TrauerHILFE-Team

Berechtigungen und Verpflichtungen, die auf den Namen des/der Verstorbenen lauten, müssen gekündigt bzw. geändert werden. Hierunter fallen z.B.:

    Kündigung oder Weiterführung von Mietverträgen
    Mitgliedschaften bei Vereinen, Organisationen, Gewerkschaften
    Abänderung von Bausparverträgen, Versicherungsverträgen
    Abmeldung oder Ummeldung des Gas- und Strombezuges
    Abmeldung oder Übernahme des Telefonanschlusses
    Abbestellung von Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften
    Rücklegung oder Änderung bestehender Gewerbeberechtigungen

Urkunden und Ausweise müssen in der Regel nicht zurückgegeben werden. Das Kraftfahrgesetz sieht z. B. keine Rückgabeverpflichtung für den Führerschein vor. Ist jedoch auf den Namen des Verstorbenen ein Kraftfahrzeug oder Anhänger zum Verkehr zugelassen, muss der zur Vertretung des Nachlasses Berufene bzw. die Person, die vom Gericht zur Besorgung und Verwaltung des Nachlasses bestimmt wurde, die Behörde über den Tod des Zulassungsbesitzers informieren.

I. Testamentarische Erbfolge

Hat der Verstorbene (Erblasser) ein gültiges Testament hinterlassen, so ist dieses Grundlage für die Abwicklung der Verlassenschaft. Unabhängig davon, steht Ehegatten und Kindern ein Pflichtteil zu (sofern sie auf dieses nicht schon zu Lebzeiten des Verstorbenen verzichtet haben!). Ehegatten und Kinder erhalten als Pflichtteil die Hälfte, Vorfahren nur ein Drittel des gesetzlichen Erbteiles.

II. Gesetzliches Erbrecht

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, wenn keine gültige, letzwillige Anordnung(Testament) vorhanden ist.

1. Wer ist erbberechtigt? Hinterlässt der Erblasser beispielsweise einen Ehegatten und Kinder, so erbt der Ehegatte 1/3 und die Kinder zusammen 2/3 des hinterlassenen Vermögens. Uneheliche Nachkommen und Adoptivkinder sind den ehelichen Kindern dabei rechtlich gleichgestellt!
Ist ein Kind des Erblassers schon vor diesem verstorben, so treten dessen Nachkommen an seiner Stelle in das Erbrecht ein. Hat der Erblasser keine Kinder, so erbt die Ehegattin 2/3 des Nachlasses, der Rest fällt den Eltern bzw. Geschwistern des Erblassers zu.
Geschiedene Ehegatten haben keinerlei gesetzliches Erbrecht gegenüber dem ehemaligen Gatten. Dies trifft nach derzeitiger Gesetzeslage auch für Lebensgefährten zu (ausgenommen davon ist ein Übernahmsrecht bei einer Wohnungseigentumspartnerschaft).

2. gesetzliches Vorausvermächtnis Dieses steht dem Ehegatten zu und beinhaltet das Recht, in der bisherigen gemeinsamen Ehewohnung weiter zu wohnen und die zum ehelichen Haushalt gehörenden beweglichen Sachen (den "Hausrat"), soweit sie zu dessen Fortführung entsprechend den bisherigen Lebensverhältnissen erforderlich sind, zu übernehmen.

3.Sonderregelungen bei Liegenschaften Dieses Eigentumswohnungen können von maximal zwei physischen Personen (je zur ideellen Hälfte) übernommen werden. Dies gilt natürlich auch für Verlassenschaften. Es sollte unter den Erben also schon im Vorfeld eine Einigung erzielt werden. Im Regelfall sind jene Erben, welche die Wohnung nicht übernehmen vom Übernehmenden in Geld abzufertigen. Sind zwei Personen gemeinsam Wohnungseigentümer (Eigentumspartnerschaft), so steht dem überlebenden Partner das Recht zu, den Anteil des Verstorbenen an der gemeinsamen Wohnung zu übernehmen. Er hat jedoch die Kinder in Geld abzufinden, falls diese es verlangen.

III. Verfahren

1.Verlassenschaftsabhandlung Nach jedem Todesfall wird ein Verlassenschaftsverfahren eingeleitet. Es dient der Aufteilung bzw. Übergabe des Erbes entweder nach den gesetzlichen oder testamentarischen Regelungen. Das für den letzten Hauptwohnsitz zuständige Bezirksgericht bestellt einen Notar zum Gerichtskommissär. Dieser lädt die Hinterbliebenen zur Aufnahme des Todesfalls ein. Wir empfehlen, die nachfolgenden Unterlagen für den Notar bereit zu halten:

    Name, Adresse, Stand und Geburtsdatum der nächsten Verwandten
    Standesdokumente (Abschrift aus dem Sterbebuch, Geburtsurkunde, evtl. Heiratsurkunde, Scheidungsurteil, Staatsbürgerschaftsnachweis, Meldezettel) des Verstorbenen
    Letztwillige Verfügungen
    Vormundschaftsdekrete, Bescheide über die Bestellung zum Sachwalter
    Letzte Pensionsabschnitte des Verstorbenen
    Kurze Aufstellung und Belege über den Nachlass
    Aufstellungen und Belege über Schulden sowie Auslagen anlässlich der letzten Krankheit, des Todesfalles und des Begräbnisses

2. Abtuung armutshalber Übersteigen die Nachlassaktiven (ohne Abzug von Todesfallkosten oder sonstigen Schulden!) nicht den Betrag von 4.000 €, so kommt es zu keiner Verlassenschaftsverhandlung - diese wird "armutshalber abgetan" oder allenfalls mit Zustimmung der Miterben jenem in der Regel an Zahlungsstatt überlassen, der die Todesfallkosten bezahlt hat.

3. Beteiligung minderjähriger oder entmündigter Personen
Sind diese erbberechtigt, so sind zu ihrem Schutz besondere Verfahrensschritte notwendig: meistens die Schätzung des Nachlasses (Liegenschaften und sonstige Vermögenswerte) durch gerichtlich beeidete Sachverständige, immer aber die Genehmigung durch das zuständige Pflegschaftsgericht.

IV. Was ist sonst noch zu beachten?

1. Grund- und Firmenbuch Notwendige Eintragungen in das Grundbuch und das Firmenbuch im Zusammenhang mit der Verlassenschaft nimmt der Notar vor. Er holt auch alle erforderlichen Behördengenehmigungen (Grundverkehrsbehörde, Agrarbehörde etc.) ein.

2. Ladung zur Todfallsaufnahme Wenn Sie die Ladung zur Todfallsaufnahme vom Notar erhalten, beschaffen Sie bitte alle darin angeführten Urkunden:

    Sparbücher, Versicherungsurkunden
    Kfz-Zulassungsscheine, auch für Traktoren, Anhänger, Mopeds etc.
    Testamente
    Rechnungen und Zahlungsbelege über bezahlte Beerdigungskosten (Bestatterrechnung, Friedhofsrechnung, Totenmahl, Blumenschmuck, aber auch Kostenvoranschläge für Grabstätten etc.)
    Krankheits/Pflegekosten

3. Bewertung Einrichtungsgegenstände, Fahrzeuge, Wertsachen etc. sind samt und sonders zu bewerten. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich Fachleute beizuziehen (Kfz-Betriebe, Juweliere etc.), sofern nicht ohnehin von Amts wegen eine Schätzung durch Gericht oder Notar angeordnet wir.

4. Unternehmensbeteiligungen Falls der/die Verstorbene an einem Unternehmen als Gesellschafter beteiligt war, sind diese Beteiligungsverhältnisse im Zuge der Verlassenschaft zu regeln. Dazu ist es notwendig, den Gesellschaftsvertrag und sonstige Vereinbarungen vorzulegen.

5. Anwesenheitspflicht bei der Abhandlung Erben haben zur Abhandlung grundsätzlich persönlich zu erscheinen, können sich aber mittels Spezialvollmacht (erhalten Sie beim Notar!) vertreten lassen.

6. Vorbesprechungen im Familienkreis Besprechen Sie die anstehende Verlassenschaft und allenfalls vorliegende Testamente auf jeden Fall schon vor dem Abhandlungstermin im Familienkreis, da ein Erbübereinkommen nur bei Zustimmung aller Erben zustande kommen kann. Jede weitere Tagsatzung verursacht sonst vermeidbare Mühen und Kosten.

7. Waffen Allenfalls vorhandene Waffen sind unbedingt abzugeben, da das Waffengesetz für unerlaubten Waffenbesitz des Erben empfindliche Strafen vorsieht!.

V. Steuerliche Aspekte

Begräbniskosten einschließlich der Errichtung eines Gedenkzeichens an der Grabstelle gehören grundsätzlich zu den Verbindlichkeiten des Nachlasses und sind aus diesem zu bestreiten. Reicht der Nachlass aber nicht aus, können diese Aufwendungen in einem bestimmten Ausmaß als außergewöhnliche Belastung steuerlich anerkannt werden. Wir empfehlen in diesem Fall das Einholen von Auskünften über entsprechende Fachleute, z. B. das Wohnsitzfinanzamt sowie den Steuerberater.

VI. Versicherungen

Zur Behebung von Versicherungssummen müssen dem Versicherungsinstitut folgende Dokumente vorgelegt werden: Auszug aus dem Sterbebuch, Todesbestätigung (Sterbeurkunde), Versicherungspolice, Bestätigung über die letzte Prämienzahlung und Lichtbildausweis des Antragstellers. Policen, die auf eine namentlich genannte "begünstigte Person" lauten, können nur von dieser eingelöst werden. Ist auch diese Person bereits verstorben, so ist ein Gerichtsbeschluss beizubringen, aus dem der nunmehr Begünstigte hervorgeht.
Auffliegende weiße Tauben oder Luftballons, Konfettikanonen, New Orleans-Jazz, bemalte Särge, Weltraumbestattung, Diamant-Bestattung oder das Tragen eines Amuletts, in das Asche des Verstorbenen eingearbeitet ist – für einige Menschen sind diese ungewöhnlichen, jedoch lebendigen Bestattungsformen oft der richtige Weg, mit ihrer Trauer, dem Verlustschmerz und der Todesfurcht umzugehen. Wir haben heute die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Ritualen jenes zu wählen, das am besten zum verstorbenen Menschen passt.
 
Traditionelle Bestattungen – einst Monopol der Kirchen – sind deutlich rückläufig. Die Trauerkultur verändert sich. Oft sind Vorstellungen über eine individuelle Bestattung unkonventionell und der Bestatter im 21. Jahrhundert muss den vielfältigen Ansprüchen gerecht werden. Er ist Dienstleister, Zeremonienmeister sowie Ritualdesigner gleichzeitig. Das Internet bietet als Ergänzung zu Todesanzeigen und Kondolenzbüchern die Möglichkeit, dem Verstorbenen ein “ewiges Denkmal” zu setzen. Auch wenn viele Veränderungen in unserer Trauerkultur begrüßenswert sind, weil sie wieder „bunter und lebendiger“ wird, müssen eventuelle Vor- und Nachteile von traditionellen und modernen Bestattungsformen gut überlegt werden.

Da Familienmitglieder heute häufig weit voneinander entfernt leben, sind der regelmäßige Besuch eines Grabes und die eigenhändig durchgeführte Grabpflege oft schwer möglich. Moderne Bestattungsarten, wie die Baum-, Luft- oder Seebestattung, entbinden die Angehörigen von den mit einer Grabstätte verbundenen Kosten und der Pflicht der regelmäßigen Grabpflege. Sie müssen sich keine Sorgen um regional unterschiedliche Mietzeiten einer Grabstätte machen. Die meisten alternativen Bestattungsarten sind nicht nur erschwinglich, sondern auch günstiger als die Folgekosten für ein Grab.

Für viele Hinterbliebene ist es allerdings wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie den Verstorbenen besuchen können. Einen solchen Ort zu haben und ihn auch zu pflegen, darf daher nicht nur von der Kostenseite her gesehen werden. Die Pflege des Grabes oder die Gestaltung einer Urnennische sind kreative Möglichkeiten des Erinnerns an unsere Verstorbenen und somit auch wichtig für die Trauerarbeit der Hinterbliebenen. Bei einigen modernen Bestattungsformen gibt es keine Möglichkeit ein individuelles Grab zu besuchen und zu pflegen. Bei vielen kann die Grabstelle zwar besucht werden, die Möglichkeit der kreativen Gestaltung entfällt aber weitgehend.

In christlichen Kirchen bestimmen bei Trauerfeiern und Trauergottesdiensten die christliche Liturgie und die christlichen Glaubensinhalte den Leitfaden für einen bestimmten Ablauf und die Gestaltung der Zeremonie.

Islamische Totenfeiern finden in Moscheen unter der Leitung eines mohammedanischen Geistlichen statt.

Für die Einhaltung jüdischer Totenriten sorgt der Rabbiner in der Synagoge.

Den Menschen buddhistischen Glaubens steht in Wien die Friedenspagode zur Verfügung.

Profane Trauerfeierlichkeiten, die nicht an Konfessionen gebunden sind, werden nicht von einem Geistlichen, sondern von einem Trauerredner geführt. Die inhaltlichen Schwerpunkte setzen die Angehörigen zusammen mit dem Bestattungsinstitut unter Berücksichtigung der geistigen Einstellung und Lebensphilosophie der verstorbenen Person und der Angehörigen.

Trauer

Trauerarbeit - Trauer als gesunder Bewältigungsprozess:

Trauer ist an sich ein gesundes, angeborenes Reaktionsmuster auf Verlusterlebnisse. Trauer ist nicht nur eine Reaktion, die auf den Tod eines nahe stehenden Menschen folgt, sie kann auch eine Reaktion auf Krankheit, Trennung, Veränderung oder andere belastende Ereignisse sein. Trauer ist also keine Krankheit, sie ist ein Bewältigungssprozess.
Trauer ist Ausdruck und Bewältigung zugleich, das heißt: Man muss durch die Trauer hindurch, man muss Trauer ausdrücken und durch den Schmerz hindurch, um sie zu bewältigen.
Trauer ist auch Arbeit, das heißt, wir können aktiv etwas zur Bewältigung beitragen.


Die Phasen und Aufgaben der Trauerarbeit

In der Trauerpsychologie werden zwei Typen von Modellen des Trauerverlaufes unterschieden: Es gibt Phasen-Modelle und Aufgaben-Modelle.
Die berechtigte Kritik an den Phasenmodellen ist die, dass sie vermitteln, der Trauernde unterliege völlig inaktiv einem Prozess, der quasi automatisch abläuft. Das Bild dazu wäre ein Mann, der im Lehnstuhl sitzt und darauf wartet „bis es vorbei geht“. Trauernde kennen sicher das Gefühl, von den Zuständen der Trauer überrollt zu werden. Das ist nachvollziehbar, aber es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Trauernde auch Einfluss auf ihre Trauer haben:  Aufgaben-Modelle zeigen, dass Trauer ein Prozess ist, in dem der Trauernde aktiv Aufgaben zu bewältigen hat. Wenn man beide Modelle miteinander kombiniert, ergibt sich aber ein umfassendes Bild von dem, was bei der Trauerarbeit zu leisten ist.

Trauerphasen nach Verena Kast und Traueraufgaben nach William Worden:


1.  Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens/Schock/Betäubung
Zu Beginn wird der Verlust für nicht real gehalten, deshalb wirken Betroffene oft als emotionslos und starr. Sie haben das Gefühl, der Verstorbene kommt wieder zur Tür herein oder die Krankheit, die sie haben, haben sie nicht wirklich. Die Phase dauert Stunden bis Tage, kann aber auch länger dauern.
Die Betroffenen klagen häufig über Gefühlstaubheit und dass sie nicht weinen können. Dass liegt daran, dass noch nicht wirklich realisiert wurde, was passiert ist. Dieser Zustand ist ein Zustand des psychischen Schocks, der als Schutzmechanismus zu bewerten ist: Würde der Betroffene vom ersten Augenblick an realisieren, was der Verlust im vollen Umfang für ihn bedeutet, würde er das weder psychisch noch physisch aushalten.

1. Aufgabe: Die Realität des Verlustes akzeptieren
Dass Trauergefühle aufbrechen können, um die gesunde Bewältigungsarbeit zu anzutreiben, ist es nötig, den Verlust verstandes- und gefühlsmäßig zu realisieren. Der Betroffene muss begreifen, dass es eben doch wahr ist, so schlimm es auch ist!
Erst dann kommen Trauernde einen Schritt weiter - in die nächste Phase und zur nächsten Aufgabe.

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2.  Phase der aufbrechenden Emotionen
Schmerzhafte Erinnerungen und starke Trauergefühle brechen auf, die oft als chaotisch und unsteuerbar erlebt werden: Schmerz, Wut, Angst, Verzweiflung, Schuld, aber auch Dankbarkeit und Erleichterung erlebt der Trauernde als wildes Wechselbad von Emotionen. Der Verstorbene und Zeit mit ihm werden oft idealisiert.

2. Aufgabe: Den Schmerz und andere Aspekte des Verlusts erfahren
Die unterschiedlichen Emotionen der Trauer sollen zugelassen und ausgehalten werden, um den Verlust aufarbeiten zu können. Wer diese Gefühle nicht zulässt oder mit Alkohol, Medikamenten oder Arbeit/Hyperaktivität wegdrückt, blockiert den Bewältigungsprozess und die Gefahr der Fixierung ist groß: Sucht und Chronifizierung von Belastungsreaktionen oder körperlichen Symptomen können die Folge sein.

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3.  Phase des Suchens und sich Trennens

Der Verstorbene wird bewusst und aktiv gesucht und damit findet immer wieder ein kleines Stück "Trennung und Abschied" statt. Das tut sehr weh, aber die Gefühle werden nicht mehr als völlig unkontrollierbar und chaotisch erlebt. Trauernde können das Suchen und sich Trennen schon besser selbst steuern (indem sie z.B. Fotos bewusst hervorholen und betrachten, dann aber das Album wieder schließen.) In dieser Phase wird besonders intensiv geträumt. Viele Angehörige berichten, dass der Verstorbene im Traum erscheint, ihnen mitteilt, dass es ihm gut geht und sich dann verabschiedet. Diese Träume werden als schön und beruhigend beschrieben. Sie können als tiefe Sehnsucht gesehen werden, den Verstorbenen noch einmal zu sehen. Gleichzeitig findet noch einmal ein bewusstes Stück Abschied statt.
Das Chaos von wechselnden Gefühlen flaut ab. Erinnerungen und Gedanken kreisen um den Verlust, das Grundgefühl ähnelt einer depressiven Verstimmung. Das alte Leben wird aber schon versucht als abgeschlossen zu sehen. Der Verlust wird schweren Herzens akzeptiert und das Bild des Verstorbenen wird allmählich wieder differenzierter.

3. Aufgabe: Die Anpassung an eine Umgebung, in der der Verstorbene fehlt
Es wird bewusst, welche Rollen und Funktionen, der Verstorbene im Leben des Hinterbliebenen innehatte. Der Hinterbliebene muss nun diese Lücken füllen und auch mit offenen Stellen leben lernen, was dazu führen kann, dass er neue Fertigkeiten erwerben muss, die vorher in das Aufgabengebiet des nun Verstorbenen gefallen sind.

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4.  Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs
Der Trauernde wendet sich langsam wieder der Welt zu, orientiert sich neu. Er hat wieder Energie für positive und zukunftsorientierte Aktivitäten. Zu bestimmten Zeiten (Weihnachten, Geburtstag, Hochzeitstag, Todestag etc.) sind Rückfälle in die früheren Phasen normal.

4. Aufgabe: Für die tote Person einen Platz finden, der es erlaubt, sich an diese zu erinnern.
Gut bewältigte Trauerarbeit bedeutet nicht, dass der Verstorbene „vergessen“ wird, es geht vielmehr darum, die Beziehung zum Verstorbenen in eine Erinnerungsbeziehung umzuwandeln. Die Erinnerungen können auch schmerzen, ohne dass man von pathologischer Trauer sprechen muss. Es wird aber immer mehr möglich, sich vor allem an Schönes zu erinnern.

Die Dauer der einzelnen Phasen kann unterschiedlich lange sein und das Aufeinanderfolgen der einzelnen Phasen darf nicht als streng gesehen werden. Man sollte die einzelnen Phasen nicht als Abfolge 1,2,3,4 verstehen, sondern viel eher als wechselnde Zustände, die gerade am Beginn der Trauer sehr schnell wechseln können: Zum Beispiel wechseln Trauernde am Anfang sehr schnell zwischen dem Verleugnen (1. Phase) und dem Realisieren (2. Phase) hin und her, weil die Bewältigungsarbeit nur auf diese Weise (Stück für Stück) machbar, sprich "bewältigbar" ist. Alles auf einmal zu realisieren, wäre viel zu belastend und auch nicht gesund!

Oftmals wechseln Trauernde von Phase 3 zurück nach Phase 2, weil dort eine Aufgabe erst ein Stück weit - im bewältigbaren Ausmaß eben - erledigt wurde. Und wenn der Trauernde bei Phase 4 angekommen ist, wird es im Jahr immer sensible Tage geben, an denen ihn die Trauer wieder einholt.

Die Länge und Intensität der Trauerarbeit ist auch abhängig von der Art des Verlustes:
Dass Trauer nach 12 Monaten bewältigt sein soll und dass alles darüber hinaus pathologisch ist, hat sich als falsch erwiesen. Trauerarbeit dauert in den meisten Fällen länger und hängt von der Art des Verlustes ab.

Hilfreiche Bilder:

Trauer als Wellenmeer
Stell dir deine Trauerphasen wie Wellen vor: Die sind mal hoch und mal flach und es geht auf und ab, aber allmählich werden die Wellen flacher. Und wenn es zwischendurch ein Unwetter gibt (an Weihnachten zum Beispiel), dann heißt das nicht, dass du wieder von vorne anfangen musst, das ist ein Zwischentief und gehört zum Trauerklima mit dazu!

Trauer als Spirale
Man kann sich Trauer nicht nur als Wellenmeer vorstellen, sondern auch als aufsteigende Spirale: Du kommst dann immer wieder mal an einer Windung an, an der du schon mal warst, aber du bist schon ein Stück weiter raufgeklettert auf dem mühsamen Weg nach oben ...

Dr. Christine Pernlochner-Kügler

Im Einzelfall gut belegt, von verschiedenen Fachleuten immer wieder gefordert, in der Forschung stiefkindlich behandelt und vom Gesetz eingeschränkt: Das ist der Status quo der würdevollen Abschiednahme, also der Begegnung von Angehörigen mit verstorbenen Menschen. Das Ziel meiner Arbeit ist ein breiteres Verständnis des Problems und die Anleitung zur Umsetzung von konkreten Schritten im Alltag des Bestattungsunternehmens. Ich beschreibe die psychischen Prozesse während der Abschiednahme und ihre Bezogenheit auf den Beginn des Trauerprozesses. Weitere Fragen, die thematisiert werden: Welche Voraussetzungen benötigt eine würdevolle Abschiednahme? Wie soll sie durchgeführt werden? Wie gehe ich mit Entstellungen um? Wann empfehle ich eine professionelle Restauration? Wie kann ich eine Verstorbenenversorgung vor Ort durchführen? Sollen Kinder teilnehmen? Welche Gefühle tragen mich in dieser Situation?
Was passiert, wenn Angehörige an den offenen Sarg treten?

Trauerprozess im Schnelldurchlauf
Bei der Konzeption des Positionenmodells der psychischen Prozesse während der Abschiednahme fiel mir sofort die Ähnlichkeit mit vielen, von anderen Forschern postulierten, Traueraufgaben, bzw. Trauerphasen auf. Meine Hypothese ist die, dass während einer gelungenen Abschiednahme die Betroffenen eine Kurzform des gesamten Trauerprozesses durchlaufen und somit eine vorweggenommen Erledigung der Traueraufgaben erfolgt. Im Erkennen des „Lichts am Ende des Tunnels“, also einem möglichen relativen Abschluß des Trauerprozesses, wächst Hoffnung für die kommende Zeit.

Wegfall von Belastungen
Durch die erste Beziehungsklärung, verbunden mit dem emotionalen Ausdruck und durch die erlangte Gewißheit über den tatsächlichen Tod des Angehörigen fallen enervierende Belastungen durch Schuldgefühle, Phantasien und Unsicherheiten weg. Dadurch kann neue Energie gesammelt und auf die ersten Schritte im Trauerprozess fokussiert werden.

Abspaltung als Problem
In der Psychotraumatologie, also der Lehre von den psychischen Verletzungen durch besondere Belastungen, werden neben den Belastungen auch immer die Reaktionen in der Akutsituation diskutiert. Eine sehr gut erforschte Reaktion ist die Abspaltung, im Fachausdruck Dissoziation genannt. Durch die Überbeanspruchung des kognitiven und emotionalen Systems kommt es zu Abspaltungsreaktionen, die den abgespaltenen Teil isoliert lässt. Dies ist bei plötzlichen Todesfällen natürlich auch die Tatsache des Todes selber. Das Kennzeichen ist ein Gefühl der emotionalen Taubheit und der Unfähigkeit zur Trauerreaktion. Diese Unfähigkeit belastet die Menschen zusätzlich, weil sie denken, nicht „richtig“ zu trauern. Diese Dissoziation kann in der Abschiednahme gelöst werden.

Die Positionen der Abschiednahme
Unten ist das von mir entwickelte Modell der Abschiednahme abgebildet, welches die Prozesse während der Abschiednahme auf einer kognitiven (gedanklichen), einer emotionalen (Gefühlsausdruck) und auf einer Ebene des Verhaltens zu fassen versucht:
Erklärung: Mit den Nummern 1 – 5 sind die vorläufig formulierten Positionen benannt, die wechselweise eingenommen werden können. In der Spalte der Kognition ist jeweils ein tragender Gedanke ausformuliert mit dem dazugehörenden Gefühl in der Spalte der Emotionen daneben. In der Spalte „mourning“, welches auf Englisch die Handlungsweisen der Trauerbewältigung meint, sind die wichtigen Faktoren der Handlung eingetragen. So kann beispielsweise beim Berühren des Verstorbenen unterschieden werden, ob diese Berührung eine zärtliche Berührung ist, die dem Ausdruck der Beziehung zum Verstorbenen entspringt oder ob die Berührung der Versicherung dient, dass der Verstorbene wirklich tot ist. In diesem Fall registriert die Berührung die Veränderung der Temperatur und des Gewebes, bzw. inspiziert Narben, Wunden und Verletzungen. Die erste Position der Anerkennung, die der Angehörige bei der Begegnung mit dem Verstorbenen einnimmt, ist die zentrale Erkenntnis, dass „es wahr ist“, dass die Todesnachricht, die den Betroffenen erreicht hat, „wirklich der Realität entspricht“.

Die zweite Position betrifft den Bereich der Beziehungsklärung, in der die nötigen Schritte durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Beziehung zum Verstorbenen eingeleitet werden, damit die Beziehung in den Status einer Erinnerungsbeziehung übergehen kann. Die wichtigste Facette der Beziehungsklärung ist das gesprochene und geschriebene Wort, welches an den Verstorbenen gerichtet wird. Die Angehörigen drücken dem Verstorbenen gegenüber Dankbarkeit aus, entschuldigen sich für Streitigkeiten, verzeihen Verletzungen, die vom Verstorbenen ausgegangen sind und betonen oft, dass dies alles nun nicht mehr wichtig sei. Auch die Handlungen, die während der Abschiednahme beim Verstorbenen durchgeführt werden, können unter einem beziehungsklärenden Aspekt verstanden werden.

Oftmals sehr deutlich kann die dritte Position der Überprüfung in der Praxis beobachtet werden und auch in den Interviews kommt diese Position klar zum Ausdruck. Als ob sich nach der anfänglichen Anerkennung des Todes und der ersten Beziehungsklärung wieder die Frage nach der Endgültigkeit des Todes erheben würde, überprüft der Angehörige nun, an welchen Zeichen er den Tod festmachen kann.


1. Bewußtwerdung „Es stimmt also wirklich!“ Überwältigung, Trauer Weinen, „Hände vor´s Gesicht schlagen“ Erstarrung,


2. Beziehungsklärung „Was ich dir noch sagen
wollte...“ Liebe, Wut, Zorn, Ambivalenz, Relative Gefaßtheit, Konzentration, verbalisierte Erinnerung;


3. Überprüfung „Ist er wirklich tot?“  Körperliche Kontaktaufnahme zur Wahrnehmung von Kälte, Steifheit, Gewebeveränderungen,
Wunden und Verletzungen, u.U. aufforderndes Ansprechen;


4. Sammlung Akzeptanz und Einverständnis, Hoffnung, oft körperliche Kontaktaufnahme auf einer zärtlichen Basis (Streicheln, etc.)


5. Abschied „Du musst da bleiben, wir leben weiter“ „helle“ Trauer bewußtes Abwenden und Verlassen des Raumes

Die vierte Position habe ich als Sammlung bezeichnet. Dabei wird nach dem Abschluss der Beziehungsklärung ein Stück weit der Tod des geliebten Menschen nicht nur anerkannt, sondern auch akzeptiert und angenommen. Die fünfte und letzte Position ist der Abschied, wo ganz klar wird, dass mit dem Tod dieses Angehörigen ein neuer Lebensabschnitt beginnt und der geliebte Mensch in diesem keine aktive Rolle mehr spielen wird.
Bei dieser letzten Position ist klar, dass sie sehr eng mit der Position der Sammlung zusammenhängt und meinen Beobachtung und Ergebnissen zufolge beim plötzlichen und / oder gewaltsamen Tod faktisch nicht eingenommen werden kann. Zu tief, zu verstörend und mit zu breiten, nicht überschaubaren Auswirkungen ist dieser Abschied verbunden. Am besten konnte diese Position von Erwachsenen artikuliert werden, die einen alten Elternteil nach längerer Krankheit zu Grabe tragen mussten.

Zustand des Leichnams
Darunter verstehe ich den Ausdruck und den Zustand des Leichnams, der in der Situation der Abschiednahme von den Angehörigen wahrgenommen wird und bestimmte Auswirkungen auf diese hat. Es scheint so zu sein, dass der Verstorbene in den Augen der Angehörigen ein Stück weit noch lebt, obwohl die erste Anerkennung des Todes auf der kognitiven Ebene bereits erfolgt ist. Daraus folgt, dass sowohl der Umgang mit dem Leichnam, als auch dessen Ausdruck von wesentlicher Bedeutung ist. Ich würde postulieren, dass diese „Lebendigkeit“ des Leichnams eine unabdingbare Voraussetzung für eine gelungene Abschiednahme ist, da gerade die Beziehungsklärung und die Kontaktaufnahme nur dann funktionieren kann, wenn die Betroffenen dem Leichnam ein Stück weit noch Leben im Sinne von Empfindungs- und Aufnahmefähigkeit, zusprechen.

In den Interviews durchgehend von großer Wichtigkeit war der sorgsame Umgang mit dem Leichnam, der von Achtung und Respekt geprägt sein musste. Darunter ist meines Erachtens nicht zu verstehen, dass der Leichnam so wenig wie möglich angefasst werden sollte, dass im Beisein der Angehörigen nur leise gesprochen werden darf oder der Leichnam nicht transportiert werden sollte. Das ist wohl eher ein Ausdruck der Unsicherheit in der Situation und dem Bestreben, so pietätvoll wie möglich zu wirken. Ich glaube, dass der korrekte Umgang mit dem Leichnam darin liegt, dass ich als Profi die Sichtweise der Angehörigen vom lebendigen Leichnam übernehme und dann dementsprechend natürlich agiere.
Sehr oft musste ich den Betroffenen genau den Raum schildern, wohin ich den Verstorbenen verbracht habe, welche Verletzungen er erlitten hat und in mehreren Fällen reagierten die Angehörigen offensichtlich positiv, dass sie die Gelegenheit haben, mit demjenigen persönlich zu sprechen, der den Leichnam ihres
Angehörigen versorgt hat.

Auch der Ausdruck, also die Mimik, die Lage des Körpers und der Hände, ist für die Angehörigen oft von zentraler Bedeutung. Sie alle kennen wohl das Erlebnis in der Praxis, dass ein vermeintliches „Lächeln“ des Verstorbenen eine ungeheuer beruhigende und erleichternde Wirkung auf die Angehörigen hat. Ich würde ausdrücken, dass die betroffenen Menschen zum Teil den Gesichtsausdruck des Leichnams mit dem Moment des Sterbens und mit der augenblicklichen Befindlichkeit der Person assoziieren.

Zusammenfassung:
Man kann sagen, dass eine Verabschiedung vom Körper des verstorbenen Menschen in jedem Fall wichtige Prozesse einleiten und fördern kann, jedoch umso wichtiger ist, je enger und näher die Beziehung zum Verstorbenen war und je plötzlicher der Tod eingetreten ist und je komplizierter die Beziehung zu Lebzeiten und je konfliktreicher das letzte Zusammentreffen war.
Dabei ist zu beachten, dass ich immer wieder erlebt habe, dass genau diese vier Kriterien auch die größten Hemmer für eine durchgeführte Abschiednahme darstellen, da sie alle mit großer Angst vor Überwältigung im Angesicht des Verstorbenen korrelieren und daher in einer einfühlsamen Begleitung die Wichtigkeit der Abschiednahme betont werden soll.

Durch eine bewußte Abschiednahme vom Leib des verstorbenen Menschen wird eine Förderung und ein Anstoß des Trauerprozesses erreicht. Es kann davon ausgegangen werden, dass krankhafte Formen und Entwicklungen der Trauer verhindert werden.

Dr. Markus Ploner
In Ihrem Umfeld ist jemand gestorben, der Ihnen etwas bedeutet. Ein solches Ereignis geht nicht spurlos vorbei und es ist notwendig, sich damit auseinanderzu setzen. Die Erfahrung von vielen Menschen in einer ähnlichen Situation zeigt, dass die Trauer von der Stärke her abnimmt und die Durchhänger weniger werden, dass es jedoch nie mehr wird wie früher. Man lernt mit dem Verlust und der Trauer umzugehen und zu leben.
Auf derartige Ereignisse, welche auch traumatische Ereignisse genannt werden, kann es in der Zeit
danach zu unterschiedlichen Reaktionen kommen:

- Ungewolltes Wiedererleben – in Gedanken, belastenden Erinnerungen, Emotionen beim
Erinnern, Träume, plötzliche Bilder, Gerüche, Geräusche, ...
- Vermeidung – von Personen, Orten, Dingen, Situationen, die an das Ereignis erinnern, Probleme
über bestimmte Erlebnisse zu sprechen, Rückzug von anderen Menschen, ...
- Erregung – Aggressionen, Ängstlichkeit, Nervosität, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, ...

Derartige Reaktionen sind nach so einem Ereignis normal! Es sind "normale Reaktionen auf ein unnormales Erlebnis" und sie vergehen meist nach einiger Zeit, wenn man das Geschehen angemessen verarbeitet. Scheuen Sie sich nicht davor, ein strukturiertes, angeleitetes Gespräch über das Ereignis mit einer Fachperson zu führen, die individuelle Fragen beantworten und Vorfälle während dem Geschehen erklären kann. Durch ein Gesprech mit einem Experten/einer Expertin können Sie Belastungsreaktionen besser abfangen und reduzieren.

Am Anfang werden Sie möglicherweise gefühlstaub sein und nicht oder nur schwer weinen können. Das liegt an dem Zustand des Schocks und der Betäubung der ersten Trauerphase (Vgl. Kapitel "Trauer, was ist das?"). Das ist ein psychischer Schutz, der grade am Beginn des Verarbeitungsprozesses wichtig ist. Nach einigen Stunden oder Tagen legt sich diese Gefühlstaubheit für gewöhnlich und starke Gefühle können aufbrechen. Lassen Sie diese Gefühle immer dann zu, wenn Sie sie spüren. Trauer muss raus: Weinen Sie, wenn Sie das Bedürfnis danach haben.

Sie sollten versuchen, sich in nächster Zeit keinem zusätzlichen Stress auszusetzen, sondern alles das tun, was Ihnen bewusst gut tut, was sie wirklich gern tun wollen!

Wenn Sie sonst auch Sport betreiben, körperlich aktiv sind oder sich schon bisher mit Entspannungs-Techniken beschäftigt haben, so hilft Ihnen dies jetzt ganz besonders Stresshormone abzubauen.

Versuchen Sie den normalen Alltag wieder herzustellen und all das zu machen, was sie auch vor dem Vorfall taten.

Vermehrter Alkoholkonsum löst Depressionen aus oder verstärkt die depressive Symptomatik. Trinken Sie nach Möglichkeit keinen Alkohol, zumindest aber achten Sie darauf, dass Sie nicht mehr trinken als gewöhnlich! Wenn Sie das alleine nicht schaffen, scheuen Sie sich nicht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn Sie das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren und dass Ihr Leben und Ihre Reaktionen unkontrollierbar geworden sind, dann machen Sie sich einen Tagesplan, den Sie die nächsten 2 Wochen strikt einhalten: Stehen Sie immer zur selben Zeit auf und gehen Sie zur selben Zeit schlafen, essen Sie 3 mal am Tag zu fixen Zeiten. Wenn Sie keinen Appetit haben, essen Sie wenigstens ein paar Bissen! Sie werden bald bemerken, dass Sie durch die Strukturiertheit des Alltags wieder ruhiger werden und Kontrolle bekommen.

Vermeiden Sie ihr soziales Netz (Freunde, Bekannte, ...) nicht, auch wenn es momentan
durch Fragen, Interesse, Mitleid, usw. womöglich belastend ist.

Reden über das Vorgefallene hilft! Sprechen Sie mit Personen, denen Sie Vertrauen, über das, was Sie erlebt haben, über den Verlust und über das, was dieser Verlust für Sie bedeutet.

Sollten, aus welchem Grund auch immer, Schuldgefühle auftreten, verwechseln sie dies nicht mit
Schuld! Man kann Schuldgefühle haben, ohne schuld zu sein. Trauernde haben nach einem Verlust fast immer das Gefühl, für die verstorbene Person zu wenig getan zu haben oder etwas nicht gesagt zu haben!

Wenn Sie Schuldgefühle haben, weil Sie sich jetzt denken, dass Sie den Todesfall verhindern hätten können, wenn Sie sich anders verhalten hätten, dann versuchen Sie sich klar zu werden, was Sie zum Zeitpunkt des Geschehens tatsächlich wussten und tun konnten. Bei Bedarf reden Sie darüber mit einer psychologischen Fachkraft.

Sollten Sie sich über längere Zeit durch Reaktionen (Schlafstörungen, Reizbarkeit, plötzliche
Erinnerungen usw.) in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen, scheuen Sie sich nicht
psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn die Schlafstörungen länger als 3 Wochen anhalten und nicht besser werden, dann suchen Sie eine psychiatrische Ambulanz oder einen niedergelassenen Psychiater auf. Der Facharzt wird Ihnen nach eingehender Untersuchung ein Medikament verschreiben, das Sie wieder schlafen lässt, ohne dass Sie davon abhängig werden und ohne, dass der Verarbeitungsprozess medikamentös blockiert wird.

Die Verarbeitung eines derartigen Geschehens braucht einfach einige Zeit, weil Sie
a) das Geschehene anerkennen und realisieren müssen
b) das Geschehene emotional akzeptieren müssen und
c) Sie das Geschehene in ihr Leben integrieren müssen.

Ein hilfreiches Bild für den Verarbeitungsprozess:

Stellen Sie sich das, was Sie erlebt haben, den Verlust vor wie ein Monster. Das Monster bricht in Ihr Leben ein. Sie kennen es nicht, Sie wollen es nicht in Ihrem Leben haben und trotzdem ist es da. Sie können jetzt versuchen, dieses Monster zu vergessen oder es zu verleugnen (das wären so genannte "passive Bewältigungsstrategien"). Wenn Sie sich passiv verhalten, dann wird das Monster trotzdem da bleiben, aber Sie lernen es nicht kennen. Ein Monster, dem ich nicht ins Gesicht schaue und das ich nicht kenne, wird unkontrollierbar bleiben und mich immer hinterrücks überfallen. Versuchen Sie daher, das Monster bewusst in Ihr Leben zu integrieren, lernen Sie es kennen, schauen Sie es sich genau an, beschäftigen Sie sich damit (das sind "aktive Bewältigungsstrategien"). Sagen Sie: Ich hab dich nicht eingeladen, aber jetzt bist du da, versuchen wir das Beste draus zu machen. Das tut zwar weh, aber Sie werden das Monster kontrollieren lernen.

Dr. Christine Pernlochner-Kügler und Dr. Markus Ploner

Jemand in Ihrem Bekannten- oder Freundeskreis hat einen lieben Menschen verloren und braucht jetzt vermehrt Ihre Zuwendung. Überschütten Sie ihn aber nicht damit! Gehen Sie auf die Bedürfnisse des Trauernden ein und nicht nach Ihren eigenen Bedürfnissen!

Bedenken Sie, dass Trauernde nach einem derartigen Ereignis noch übererregt sein können und dass Reaktionen für Sie auch „schwer verständlich“ sein können.

Manche Trauernde wollen über die Ereignisse reden: Hören Sie geduldig zu, wenn Trauernde von den Ereignissen erzählen, verstärken Sie dabei aber nicht das „Schreckliche – Entsetzliche“ sondern zeigen sie Verständnis und Anerkennung für das Verhalten des Trauernden.

Trauernde wiederholen oft immer die selbe Geschichte. Das ist mühsam für den Zuhörer. Seien Sie geduldig, denn das wiederholte Erzählen gehört zum Verarbeiten dazu, es hilft.

Manche Trauernde wollen nicht reden: Ermutigen Sie den trauernden Freund dazu, sagen Sie ihm, dass reden hilft, zwingen Sie ihn aber nicht dazu. Wenn er nicht reden will, akzeptieren Sie das, sagen Sie ihm aber, dass Sie für ihn da sind, wenn er Sie braucht und signalisieren Sie ihm Ihre Gesprächsbereitschaft.

Verzichten Sie auf Killerphrasen! Killerphrasen sind Phrasen "des Trostes", die aber unglaublich verletzen z.B.:

    Das wird schon wieder!
    Die Zeit heilt alles Wunden!
    Er/sie hätte sowieso kein schönes Leben mehr gehabt!
    Gott weiß, wozu es gut war!
    Gott weiß, was ihm erspart geblieben ist!
    Du hast ja noch Kinder!
    Du kannst ja noch Kinder bekommen!

Killerphrasen liegen uns dann auf der Zunge, wenn wir etwas Tröstliches sagen wollen, selbst aber sprachlos sind. Wichtig ist es, diese Phrasen rechtzeitig als Killerphrasen zu erkennen und sie nicht auszusprechen!

Wenn man sprachlos ist, wenn einem die Worte fehlen, ist es besser, dies offen zu sagen. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!","Mir fehlen die Worte!" bringt Sprachlosigkeit zum Ausdruck und hilft dem Trauernden mehr als Trostfloskeln oder Ratschläge.

Versuchen Sie, mit dem Trauernden in den Alltag zurückzukehren, das zu tun, was Sie auch vor dem Geschehen getan haben. Helfen Sie ihm den Tagesablauf zu strukturieren.

Versuchen Sie den Trauernden in der nächsten Zeit vor unnötigem und zusätzlichem Stress zu schützen, greifen Sie aber dabei nicht in die Alltagsaufgaben ein, die er selbst bewältigen muss!

Lassen Sie sich und dem trauernden Freund jetzt bewusst etwas Gutes zukommen! Machen Sie jetzt vermehrt und bewusst das, was Ihnen beiden gut tut.

Wenn Ihr Freund/Bekannter Sport betreibt, Hobbys hat usw. hilft ihm dies jetzt Stress abzubauen!
Fördern Sie jetzt solche Tätigkeiten!

Passen Sie auf Reaktionen auf, die ungewöhnlich sein können. Sollten sich diese verstärken und andauern (Schlafstörungen, Alpträume, Reizbarkeit, Isolation, vermehrtes Grübeln, Schuldgefühle usw.), versuchen Sie ihn zu bewegen psychologische Hilfe anzunehmen.

Haben Sie Geduld! Die Integration eines Verlustes kann einige Zeit dauern – Sie können dabei nur beistehen. Verarbeiten muss er es selbst!

Dr. Christine Pernlochner-Kügler und Dr. Markus  Ploner

Maki hat ihre Tochter Abi durch einen Unfall verloren. Abi starb nachdem ein LKW-Fahrer sie angefahren hatte. Im Trauer-Forum schreibt Maki über ihre Wut:

„Ich hab ne Frage, die mich schon einige Zeit beschäftigt, keine Ruhe lässt, ich es aber nie wagte darüber nachzudenken, geschweige denn, es auszusprechen, aber ich schreibe es mal, vielleicht kennt es jemand von euch????
Ich spüre "Wut", kann es aber nicht herauskristallisieren, ob die Wut in Richtung Abi (verzeih mir) geht oder ob es Gott (verzeih mir) ist!!! Wie gesagt, ich trau mich ned amal darüber nachzudenken, aber irgendwas ist da!!!

Wie geht es euch damit???? Oder bin ich die einzige?“

Maki ist verunsichert, fühlt sich schuldig. Ela, deren Vater gestorben ist, antwortet:

„Oh Maki, da bist du auf Garantie nicht alleine. Ich bin ein Pulverfass. Natürlich fahren auch bei mir die Gefühle Achterbahn. Aber das, was ich am wenigsten einigermaßen unter Kontrolle halten kann ist die Wut. Ich bin wie eine tickende Zeitbombe.
Ich ticke die ganze Zeit.
Und es benötigt nur ein komisches Wort und ich ticke aus.
Ich bin dann nicht auf 180, sondern eher auf 3750 oder so. Ich sag nur Supernova. Peinlich, aber wahr.

Ich denke, es ist ganz normal, dass du wütend bist. Sicherlich "schämt" man sich in gewisser Weise manchmal, dass man
1. soooooooooo wütend ist
2. auf gewisse Menschen wütend ist
3. auf den verlorenen Menschen wütend ist
4. auf Gott wütend ist

Ich denke, dass es ein Ventil ist. So wie das Weinen ein Ventil für den Körper ist, diese Emotionen herauszuschwemmen, so ist die Wut ein Ventil, um den Druck abzulassen. Wie ein Teekessel. Der würde wohl sonst in die Luft gehen.
Wir sind wie kleine Kinder, denen man etwas wegnimmt.
Wir können uns nicht wehren, wir können es nicht verstehen und wir können es nicht ändern. Das erklärt vielleicht auch die Reaktionen, welche oft auch mit dieser Altersstufe einhergehen und die wir dann in solchen Momenten an den Tag legen: Trotz – Trauer – Wut.
Wir müssen doch irgendwie damit leben. Und der Schmerz richtet uns auf Dauer zugrunde. Daher muss er auf welche Art und Weise auch immer irgendwie raus.“

Wut wird im Rahmen der Trauer viel mehr tabuisiert als das, was man gemeinhin unter "Trauer" versteht. Ela bringt die Sache auf den Punkt: Wenn uns etwas genommen wird oder wenn jemand uns verlässt, dann reagieren wir mit Trauer, aber eben auch mit Aggression, mit Wut und Zorn.

Wut und Trauer gehören zusammen, sie sind Schwestern. Die Trauer ist dabei die passivere der beiden, sie will, dass man sich zurückzieht und den Verlust wahrnimmt, den Schmerz spürt und zulässt. Die Wut ist die aktive der beiden Schwestern, sie ist diejenige, die uns zeigt, dass etwas Wichtiges fehlt, die uns aber Energie gibt, antreibt und weiterkämpfen lässt. Wichtig ist, dass man beiden einen Platz gibt, denn sie haben beide ihre Berechtigung, die letztlich zur Bewältigung und Neuorientierung führen.

Wie kann man seine Wut bearbeiten?

Bedenklich oder "unethisch" ist lediglich das Kippen von Aggressionen in Gewalt. Aggressionen selbst sind nichts Böses oder Unmoralisches. Im Gegenteil: Sie sind angeboren psychische Kräfte und haben die wichtige Funktion, uns darüber zu informieren, dass ein Bedürfnis frustriert wird. Wir werden beispielsweise aggressiv, wenn wir Hunger haben. Die Aggression treibt uns an, etwas gegen den Hunger zu tun.

Aggressionen sind also lebenswichtig. Wir reagieren aggressiv

    wenn wir etwas tun müssen, was wir nicht tun wollen,
    wenn wir etwas nicht bekommen, was wir haben wollen,
    wenn uns etwas genommen wird,
    wenn wir etwas verlieren,
    und wenn etwas kaputt geht.

All das macht uns unzufrieden, unglücklich, frustriert, aggressiv und natürlich auch traurig.

Aggression ist also eine Information darüber, dass wir etwas tun sollen, damit es uns besser geht. Sie treibt uns an. Daher ist es der falsche Weg, sich Aggressionen zu verbieten. Gesünder ist es, sich aggressive Gefühle wie Wut, Zorn und Hass bewusst zu machen und zu fragen: „Was frustriert mich gerade und was kann ich tun, dass es mir besser geht?“ Sobald sich meine Bedürfnislage verbessert, wird auch die Aggression verschwinden und das Kippen von Aggression in Gewalt wird verhindert.

Im Trauerfall lässt sich der Grund der Frustration meist nicht so einfach beheben, denn der Wunsch ist ja, den Verstorbenen wieder lebendig zu machen - und das geht nicht. Wut in der Trauer muss aber dennoch bearbeitet werden. Folgende Fragen und Strategien können helfen:

1. Spüre ich Wut, Zorn, Aggressionen? Mach dir Wut, Zorn, Hass und Aggressionen bewusst und lasse sie zu. Hab keine Schuldgefühle, denn das Zulassen von Wut gehört auch mit zur Trauer dazu! Halte dir vor Augen, dass die Wut wichtig ist, weil sie dir Kraft und Ansporn gibt, deine Arbeit aktiv voranzutreiben.

2. Gegen wen richtet sich diese Wut? Schreib demjenigen einen entrüsteten Brief. Das kann der Verstorbene sein, der Verursacher des Unfalls oder auch der liebe Gott.

Das fällt oft schwer, aber du kannst den Brief damit abschließen, indem du dem Verstorbenen erklärst, dass du wütend bist, weil du ihn ja liebst. Wäre der Verstorbene dir nämlich egal, wäre da keine Trauer, aber auch keine Wut.

Gott kannst du um Verständnis bitten. Du kannst ihm danken für die gemeinsame Zeit, die du mit dem Verstorbenen haben durftest, du kannst ihm aber auch sagen, dass du eine enorme Wut hast, dass er dir genommen wurde. Wenn der liebe Gott das nicht aushält, wer dann?

Und dem Unfallverursacher kannst du sagen: Ich weiß, dass du das nicht wolltest und dich jetzt schuldig fühlst. Dein Leben hat sich auch geändert, ich muss das jetzt aber loswerden, dass meine Wut auf dich kein Hass wird. Meine Wut richtet sich eigentlich gar nicht gegen dich als Person, sondern gegen das, was passiert ist.  Und das war einfach nur ein großes Unglück.

3. Warum habe ich Wut, was will sie mir genau sagen? Gibt es irgendetwas, das du tun kannst, dass es dir besser geht? Du kannst den Verstorbenen zwar nicht wieder lebendig machen, aber vielleicht tust du ja in deiner Trauer etwas, was dir gegen den Strich geht? Vielleicht gibst du dir zu wenig Erholungsphasen - das erschöpft und frustriert? Vielleicht achtest du zu viel darauf, was andere von dir erwarten und zu wenig auf dich selbst und deine wahren Bedürfnisse?

4. Wie kann ich Wut zum Ausdruck bringen?Sprich offen drüber, denn das hilft, Aggressionen abzubauen. Sehr hilfreich ist der körperliche Ausdruck durch Aktivität. Dadurch wird ein Ventil geöffnet und es kann „Dampf abgelassen“ werden. Boxen oder andere kämpferische Sportarten werden hier mitunter als Therapie empfohlen. Aber auch Trommeln, Stampfen, Schreien ... und alles was „Laut-Sein“ provoziert, kann ein Ventil sein.

MUT zur WUT!


Dr. Christine Pernlochner-Kügler