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Todesfall darf kein Tabuthema bleiben

Das Leben gleicht dem Jahreslauf.  Die erfrischende unbeschwerte Fröhlichkeit der Jugend dominiert der Entdeckerdrang, die ständige Sehnsucht nach Neuem, nach spannenden Erlebnissen, das Sprießen eigener Erfahrungen und Fähigkeiten. Im Frühling denkt niemand daran, dass der Winter einst die blühenden Felder bedecken wird, der Mantel der Stille sich über alles breitet. Der Sommer des Lebens steht im Zeichen der Reife, des eigenen Schaffens. Eine Zeit voller Kraft, geprägt von Veränderung und Erfolg. Wer denkt im schier überbordenden Überfluss der Eindrücke schon daran, dass sich das alles einmal ändern wird? Im Gegenteil – alles trachtet danach, diesen Rausch des reichen Lebens nie enden zu lassen. Der Herbst besticht durch seine goldenen Jahre, die Zeit der Ernte. Vollen Scheunen gleich sichert das Erreichte die Grundlage für ein etwas ruhigeres aber keinesfalls ereignisloses Leben. „Das Erarbeitete genießen“ lautet die Devise - zumindest solange die Gesundheit es zulässt. Naht der Winter, so beginnt auch in den Köpfen die Sehnsucht nach der Ruhe, der Wunsch loszulassen, des entbunden Werdens von Pflichten und Lasten. Ältere Menschen verlieren die Scheu davor, sich mit dem Nachfolgenden zu beschäftigen. Sie spüren förmlich, dass vor der Geburt etwas gewesen sein muss, weil wir Menschen doch irgendwoher kommen müssen. Aber auch das „Danach“ verliert den Schrecken des Unbekannten. Es reift das Bewusstsein, auch im Alter einer „guten Zukunft“ entgegen zu gehen. Diese persönliche Auseinadersetzung mit dem Tod vertreibt auch die Hemmungen, darüber zu reden, gemeinsam den immer häufiger werdenden Verlust von Wegbegleitern zu verarbeiten. Früher – im engen generationenübergreifenden Familienverband – teilten die Alten den Jungen ihre Gedanken häufiger und vielfältiger mit. Die Zeiten haben sich geändert, die Tatsachen nicht. Deshalb sollten sich auch jene, die das Leben aktiv gestalten und in vollen Zügen genießen, sich gerade über dieses Leben Gedanken machen. Über seinen Beginn und sein Ende, damit das Leben seine Freuden behält und der Tod seinen Schrecken verliert.

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